Tony 6

Manche in meinem Bekanntenkreis meinen, ich erscheine wie ein grimmiger Geist, wenn ich so in meinem langen, schwarzen Ledermantel die Straßen Neuköllns durchwandere. Alles Quatsch. Ich bin kein Geist. Sie können mich alle sehen, das ist doch schon Beweis genug. Und wenn sie mich sehen und dabei ganz zufällig an den Mist denken, den sie gerade bauen, dann solls mir recht sein.
Gestern U 9, Bundesplatz: Wieder einer dieser Fahrgäste, die die U-Bahn nur rauchend erwarten können. Manche werfen ihre Zigarette wirklich erst im letzten Moment in den Mülleimer, als würden sie an ihrem Glimmstängel festkleben. Immer wieder fangen dann die Mülleimer an zu rauchen, weil brennende Zigaretten und alte Zeitungen eine ungute Verbindung eingehen. Für einige ist der Gestank dann so beängstigend, dass sie sich nicht auf den Bahnsteig wagen. Gestern aber: Die U-Bahn fährt ein, Ansage, Leute strömen, der Typ will die Zigarette wegwerfen – und schafft es nicht. Ein paar bleiben kurz stehen, um das Schauspiel zu beobachten: Ein Mensch, der wie wild mit der Hand in der Luft herumfuchtelt, zu schreien anfängt, zu hopsen, aber die Zigarette löst sich nicht von seiner Hand! Dann steigen auch die letzten bedauernd ein; schade, sie hätten gerne noch eine Weile dieser interessanten Vorführung zugesehen, wofür der wohl werben wollte? Auch ich fahre mit leisem Bedauern weiter, “zurückbleiben bitte!”.

2 Kommentare

  1. Ich habe einmal gesehen, wie eine ältere Dame ihre Zigaretten auf eine lange Nadel aufspießte und so rauchte. Habe mich gefragt, warum sie das tut – jetzt weiß ich’s. Dieser Mittelstands-Django scheint bereits länger umtriebig zu sein..

  2. Aber ja, das ist die jahrtausende Jahre alte Kunst der Umsetzung böser Gedanken …

Der Beitrag wurde am 12. Mai 2007 um 13:15 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Fortsetzungsroman gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Download bei Kostenlose Deutsche Wordpress Themes