Tunis 8

Kommen wir nun zu einem der dunkelsten, widerwärtigsten Kapitel des internationalen Tourismus. Ich fürchte, ich werde dazu Worte sagen müssen, die einem Leser mit zarterem Gemüt nicht behagen werden. Es ist jetzt noch Zeit, sich hier wegzuklicken!

Ich spreche vom Durchfall. Nicht von den üblichen Darmunruhen eines durchschnittlichen Europäers, der in Tunesien seine ersten Backwaren vom Markt genossen hat oder eine der scharfen Pizzen, die durchaus ihren Reiz haben, auch wenn die Verdauung mit feurigen Gefühlen begleitet wird. Wenn aber die gequälte Person sich des Nachts in grösster Eile nach nebenan schleppt und dann nur noch grauenvoll Flüssiges von sich gibt, dann weiss diese Person: Das ist er nun, der richtig fiese Reisedurchfall. Weltuntergangsvorstellungen mögen die leidende Person heimsuchen, während sie auf jenem Ort ausharrt und nicht wagt, sich wieder ins Bett zu bewegen. Auch der Anblick dessen, was sie da von sich gegeben hat, lässt sie an zitternde, sich krümmende Patienten im Krankenhaus denken, die dann nur noch durch einen Sondertransport in die Heimat zurückgebracht werden können: zu schwach sind sie, sich selbst zu bewegen.
Die Person mag sich nun in der Mitte der Nacht etwas überwerfen und sich jämmerlich an die Hotelrezeption schleppen, wo ihr Wasser und ein Pülverchen gegeben werden. Anschliessend wieder Sterbevisionen im Hotelbett.

Der nächste Tag mag für diese Person so aussehen, dass sie nur (den selbst gekauften) Pfefferminztee zu sich nimmt und sich dann zu einer Apotheke schleppt, letzter Hoffnungsschimmer, denn noch immer scheidet die Person auf unkontrollierte Weise Flüssiges aus.
In der Apotheke mag ein leicht verblödeter junger Mann zu stehen, der auf ihre schüchterne Frage „S’il vous plaît, est ce que vous avez quelque chose contre la diarrhée?“ ihr nur ratlos entgegenblickt und dann zu seiner (reiferen) Kollegin rüberruft: La diarrhée?? Wobei sich die leidende Person durchaus verscheissert fühlen kann. Die kompetentere Angestellte mag dann lieblos eine Packung Imodium aus dem Regal ziehen, selbst aber auch verständnislos reagieren, als das Opfer noch etwas von Elektrolyten und Darmflora erklären will und das mit Gesten unterstützt. Der einzige andere Kunde ist zufrieden mit der Darbietung des Besuchs aus Europa, während die Angestellte muffig noch ein Pulver mit Lactobakterien rausrückt. Wird schon irgendwie helfen, denkt sich die Person mit dem blubbernden Bauch und zieht von dannen.
Die nächsten Stunden nach Einnahme der Präparate sind ruhig an der Klofront.

Im Laufe der folgenden Stunden und Tage aber wird die leidgeprüfte Person alles Obst, jedes frische Gemüse und all die vitaminhaltigen Getränke in den Lokalen der Stadt mit hasserfülltem Argwohn betrachten und sich an Reis und trockene Kekse halten, dazu Cola und viel Wasser.

Nachtrag, eine Woche später geschrieben: Solche Medikamente sind schon unheimlich. Das Thema Durchfall war nach deren Einnahme jedenfalls erledigt. Überhaupt das Thema Verdauung! Es gab sie nicht mehr. Fünf Tage lang nicht; das ist auf langen Zugfahrten sicher praktisch, mit der Zeit aber auch unheimlich. Nun, dazu kann ich nur sagen – eine Dattel zwischendurch und ein bisschen Joghurt ab und zu, außerdem Reis oder Couscous mit den ortsüblichen Karotten und Kartoffeln – und das Problem erledigt sich mit der Zeit von selbst. Uff. 

2 Kommentare

  1. Versichere die leidgeprüfte Person meiner vollen Anteilnahme!
    (Kohletabletten allein helfen nicht? nein, wohl nicht..)

  2. Geht heute schon besser! Merci.

Der Beitrag wurde am 19. Juli 2007 um 19:27 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Alltag gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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