Tunis 11

Für mich sind all diese Begegnungen hier in Tunesien wie Teile eines Mosaiks: Es wird mit der Zeit immer bunter und grösser und ich betrachte es fasziniert!

Da ist die junge Frau hier im Büro, die mir ihr Herz ausschüttet; wie sie nach Deutschland hat gehen wollen, zu ihrer Tante. Aber das Visum wurde nicht gewährt. Sie ist intelligent und richtig nett und wir reden nach der Arbeit noch über die Vorurteile in der Welt allem Arabischen gegenüber. Als wäre arabisch=muslimisch=terroristisch. Bescheuert.

Der Hotelangestellte unten an der Rezeption, der in allen Lagen Rat weiss und mir hilft. Er empört sich zum Beispiel über den gestrigen Teppichhändler, aber ich lache nur! Ist doch witzig. Aber mein Helfer ist besorgt um mich, das ist lieb. Er will, dass man sich benimmt.

Da ist der Mathelehrer eines Gymnasiums, der mir erzählt, dass er jeden Morgen um halb fünf aufsteht, um zu beten. Er ist witzig und gemütlich und hat einen zehnjährigen Sohn, wie ich. Ich soll ihn nicht vergessen, meint er munter. Ausserdem sagt er, dass er als Lehrer sehr streng sei; wir lachen viel.

Der Direktor dieses Gymnasiums, mit dem ich mich über Gott und die Welt unterhalten kann. Am liebsten sitzt er wie ein Hausmeister in kurzen Hosen vor der Schule und liest Zeitung. Was er zu sagen hat, gefällt mir. In diesen Gesprächen merke ich mal wieder, wie wenig Nationalitäten und Sprachen bedeuten, der Mensch zählt!

Mein verrückter Teppichhändler fällt mir wieder ein, ausgerechnet Ali heisst er. Auch er lebt voller Lust eben sein Leben (und wenn er morgens um fünf aufwacht und Lust hat, dann sagt er einfach: komm, Frau! Und sie kommt.) Ich bin nicht empört über seine Vertraulichkeit, er ist eben, wie er ist! Danach trinkt er übrigens immer seinen Kaffee und beginnt zufrieden mit der Arbeit. Und seine Frau schaut keinen anderen Mann an! Das glaube ich ihm.

Der uralte Schneider fällt mir wieder ein, der an der Nähmaschine von 1917 sitzt, eine Singer, so schwarz und schwer, dass man bei ihrem Anblick ins Träumen kommen kann. Wo habe ich so ein Teil zum letzten Mal gesehen? Als wir als Kinder auf dem Dachboden der Grossmutter meiner Freundin Susi herumspielten, da stand sie. Mit den Füssen zu bewegen. War uns natürlich streng verboten und hat super Spass gemacht!
Im Räumchen des Schneiders gibt es übrigens eine alte Kommode. Mitten bei der Arbeit, das Bügeleisen heizt gerade auf, da öffnet er eine Schublade und holt alte Modebilder aus den Fünfzigern raus, elegante Anzüge und Kleider, von Hand gezeichet; Mensch, lief meine Mutter als junge Frau nicht so rum? Es ist schön.

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Der Beitrag wurde am 21. Juli 2007 um 10:11 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Alltag gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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