Die Sache mit dem Ball

25. Mai 2013 um 13:24 Uhr

Als ich zwölf war, erlebte ich zum ersten Mal, wie die Welt mir gehören konnte. Ich ging durch die Straßen und war allein. Alle waren in ihren Häusern. Vereinzelt waren Schreie zu hören. Es war gespenstisch und auch schön. Das war der 7. Juli 1974 und Deutschland wurde Weltmeister. Seitdem halte ich es immer so: Wenn die spielen, habe ich frei. Nur schade, dass die Sache von Jahr zu Jahr lauter wird. Ich muss meinen armen Hund beruhigen und die Böller und Raketen ignorieren. Irrsinnige Autofahrer, die nachts hupend durch die Stadt fahren, betrunkene Fans, die grölend Fenster einwerfen und seltsame Gesänge anstimmen, Bierflaschen, die an Hauswände geworfen werden, Gewalt, Geschrei und ein neues Nationalgefühl, das mir völlig fremd ist … all das trägt nicht dazu bei, mir dieses Spiel schmackhaft zu machen. Einmal habe ich es ja versucht! Da sind wir zu einem „Public Viewing“ mit Riesenleinwand und langen Bänken gegangen, Sohn und Mutter, beide duckten wir uns entsetzt, als es losging und dann auch noch Tore fielen und alle aufsprangen und schrien … nie wieder. In der Halbzeit haben wir die Flucht ergriffen. Heute Abend werde ich mich in meiner sicheren Höhle verkriechen, bis der Spuk wieder vorbei ist. Nur schade, dass ich nicht für irgendwelche Engländer oder Italiener hoffen kann …

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Männertag? Herrentag? Nein danke!

10. Mai 2013 um 10:05 Uhr

Einmal im Jahr müssen sie es wohl rauslassen. Die geballte Männlichkeit. Dann ziehen sie ihre Wägelchen mit Bierkästen durch die Natur, frauenlos natürlich, sitzen im Grünen, grillen an allen verbotenen Plätzen (erlaubt ist was für Weicheier) und lassen sich volllaufen. Toll. Bis spät in der Nacht ertönen dann eigenartige Männergesänge auf der Straße und ich frage mich, wo sich diese Sehnsüchte das ganze Jahr über verstecken. Verstehen werde ich das sicher nie.

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Als Zeugin geladen

28. Januar 2013 um 16:26 Uhr

Das ist doch mal was! Da ist man zufällig in der Nähe, wenn ein paar sich kloppen, na ja, Schüler von uns, und dann kommt doch glatt ein halbes Jahr später eine Vorladung vor Gericht. Zeugin! Wie aufregend! Obwohl – was soll ich denn da sagen? Kann man nicht schnell anrufen und absagen, ich bin doch gar nicht wichtig, muss ja auch arbeiten … geht nicht. Jede Aussage kann wichtig sein. Okay. Eine Ersatzlehrerin wird gefunden. Und meine Gedanken beginnen zu kreisen … Was zieh ich denn da an? Für eine Frau natürlich die wichtigste Frage. Antwort: Normal. Und: Wie ist das, wenn mich alle anstarren? Wenn von meiner Aussage etwas abhängt? Menschenleben? Schicksale? Oder wenn ich mich grenzenlos blamiere? Mein Name? Meine Adresse??? Öh, ich kann mich nicht erinnern … Und dann all die tückischen Fragen, die mir gestellt werden können! Fangfragen! Ach so, ich bin ja nicht angeklagt … aber trotzdem!

„In welchem Verhältnis stehen Sie zu den Angeklagten?“
Öh ja wie jetzt Verhältnis? Ich bin halt die Lehrerin …

„Was genau konnten Sie beobachten?“
Na jetzt nix eigentlich, ich wollt ja auch absagen, aber das ging nicht …

„Wie sehen Sie die Hintergründe für die Tat?“
„Warum haben Sie genau diese Hose heute angezogen? Was bezwecken Sie damit?“
„Was haben Sie heute morgen im Wald gemacht, warum war Ihr Hund nicht angeleint?!“
„Warum werden Sie denn so blass, warum übergeben Sie sich hier vor Gericht??“

Fragen über Fragen, die ich nie beantworten muss. Als ich endlich in den Gerichtssaal gerufen wurde, meinte der Richter nur ganz gemütlich, also für ihn sei die Lage klar, und er hätte keine Fragen an Frau Schröder, Sie etwa, Frau Staatsanwältin, Herr Anwalt? Nö.

Gemeinheit!

Böser Hund

13. Januar 2013 um 11:11 Uhr

Es ist Samstagnachmittag, also nicht die beste Zeit für Hundebesitzer: Auch andere wollen im Plänterwald spazierengehen. Na muss wohl so sein, zumal gerade Schnee gefallen ist. Die wackere Hundebesitzerin achtet natürlich auf die wald-unerfahrenen Gänger und sichtet schnell Gefahr: Ein Kleinkind! Etwa zwei Jahre alt. Es wackelt langsam den Eltern + Kinderwagen hinterher und knallt begeistert mit seiner Schaufel gegen Baumstämme. Gar nicht gut! Hund ist angeleint, wird zu Frauchen gerufen, würde gern die Schaufel übernehmen, so ein Plastikteil, rot. Frauchen bremst. Die vorausgehenden Eltern bremsen auch und sehen die entsetzliche Gefahr: Ein Hund! Er folgt ihrem Kind! Er wird es zerfetzen! Mama streckt die Arme nach Kindchen aus, das sich dann auch endlich in Sicherheit bringen lässt. Auf die Arme! Papa übernimmt die gefährliche Schaufel. Frauchen und Hundchen gehen ruhig und gesittet an der Gruppe vorbei und lächeln nett. Der Hund zumindest. „Du böser Hund!“ ruft das gerettete Kind vom Arm der Mutter herunter. Gut, dass der Hund das nicht versteht. Sonst aber, au weia! Die unverletzte Familie beschließt lautstark, nun umzukehren  und einen heißen Tee zu trinken. Danke und tschüs. Der Hund aber trottet weiter, bis er einen dreisten Zweig findet, der im Weg liegt und sich nur unwillig zerbeißen lässt. Hund empört sich über diese Unwilligkeit und Sperrigkeit und knurrt und fiept. „Böser Zweig!“ kann man deutlich aus dem Knurren heraushören.

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Mitmenschliches

5. Dezember 2012 um 18:46 Uhr

Wenn man in Berlin überleben will, muss man sich manchmal ganz schnell ducken und einfach hoffen, dass das Geschrei schnell vorübergeht. Meistens trifft es ja eh die anderen. Wenn man aber einen frechen Hund hat, der leider auch mal freilaufende Fremde im Wald anbellt, dann sollte man sich am besten eine schwarze Brille, Springerstiefel und ein Erdmännchenkostüm zulegen. Vielleicht schreien die Leute dann nicht ganz so laut.

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Bastelei mit Kürbis

31. Oktober 2012 um 19:56 Uhr

Wenn man im Oktober an den Läden vorbeigeht, ist es schwierig, keinen Kürbis zu sehen. Aber was für riesige Teile, die man sich vors Eigenheim stellen könnte! Nö, den Platz haben wir nicht, und die Arbeit wollen wir nicht. Ich bringe einen hübschen Hokkaidokürbis nach Hause, doch der verwandelt sich zum Unmut der anderen in eine köstliche Suppe. Nix übrig. Im vietnamesischen Blumenladen sehe ich dann ganz reizende kleine Zierkürbisse, grüne, gelbe, zweifarbige … ja! Der nimmt nicht viel Platz weg. Der ist süß! Und er verwandelt sich nicht in eine Suppe, sondern in das:

Kleiner Küchenkürbis

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Schweinchen

30. August 2012 um 21:55 Uhr

Nili

Lara

Thula

Kasper

Nano

Lilou, unser letztes Schweinchen, lebt jetzt auch nicht mehr.

 

Unser letztes Schweinchen lebt nicht mehr

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Im Britzer Verbindungskanal schwimmen

15. August 2012 um 22:26 Uhr

Es ist heiß, es ist Sommer und so manch Mutiger wirft sich in die Fluten: Der Britzer Verbindungskanal wirkt wie ein natürlicher Fluss, ich sehe Angler, Schilf, schmale Pfade, Schrebergärten und viel Grün. Okay. Ich wage es auch! Der Hund muss erst ermutigt werden, aber bald schwimmt er begeistert neben Frauchen her und dreht seine Kreise. Das Wasser ist nicht kalt, es ist perfekt, stinkt nicht, klebt nicht … bald kriechen wir froh wieder raus und trocknen uns ab. Sommergefühle!
Aber leider war’s das nicht. Am nächsten Tag haben beide rote Augen, die erst nach Tagen aufhören zu brennen. Hundchen muss in derselben Nacht noch die Wohnung bewässern: Zu viel Wasser aufgenommen! Und dann kommt der Ausschlag am Hundebauch, üble Pusteln. „Geht der Hund manchmal in den Kanal?“, fragt die Tierärztin. „Das könnte allergisch sein.“ Na klasse. Vielleicht hat es ja auch nichts damit zu tun. Aber tagelang schluckt der arme Hund nun Antibiotika (wegen der entzündeten Pusteln) und Cortison (wegen des Juckreizes), die Nebenwirkungen sind toll, er trinkt viel mehr, muss auch mal nachts um vier raus zum Pipimachen, wirkt irgendwie angeschlagen … und die Tierarztkosten übersteigen einen Besuch im Supermarkt.
Zum Kanal gehe ich nur noch ganz vorsichtig. Und rein in den Kanal gehen wir gar nicht mehr.

Hund erholt sich

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