17. Februar 2011 um 18:39 Uhr
Ich sitze in der U-Bahn und betrachte unauffällig meine Mitfahrer. Und ich frage mich: Wie würde der, würde die wohl reagieren, wenn mich jetzt einer ausrauben wollte? Wenn vier Schläger mein Geld wollten? Ich sehe normale Gesichter, teils lebendig, teils müde. Aber von keinem kann ich mir eine solche Gleichgültigkeit vorstellen, nicht zum Handy zu greifen und die Polizei zu rufen . Das Schlimmste: Wenn dann auch noch einer die Jacke des Opfers klaut, das hilflos auf dem Boden liegt! Wie widerlich. Ich sehe mich weiter um und frage mich, wie ich reagieren würde, wenn jetzt die vier Schläger einsteigen und einen Hilflosen bedrängen würden. Oder wenn ich ganz allein auf einem Bahnsteig irgendwo in Lichtenberg wäre. Als Opfer oder als Zeugin. Was würde ich tun? Reden? Schreien? Hilfe holen. Nicht wegsehen. Nicht nur weglaufen und aufatmen. Nein!
27. Januar 2011 um 18:59 Uhr
Ich will mich in der S-Bahn festhalten. Schließlich ist das doch eine recht wacklige Angelegenheit. Wieso aber gibt es immer wieder Menschen, die glauben, dass die Haltestangen in der Wagenmitte Anlehnestangen sind, die extra für sie dorthin gestellt wurden? Die keiner sonst berühren darf? Wieso muss ich meine Hand von bösen Menschen zermalmen lassen, die ihren ganzen Körper an die Stange pressen müssen? Wieso? Ich ernte einen finsteren Blick von dem Bürschchen, als ich gequält meine Hand etwas bewege. Wahrscheinlich fühlt er sich von mir belästigt. Idiot.
12. Januar 2011 um 16:13 Uhr
Es geht! Versuch es einfach mal! Man muss nicht unbedingt dem Nachbarn vor der Nase herumfuchteln und alle zwei Sekunden laut raschelnd und wild zappelnd die Seite umblättern. Man braucht auch nicht den Platz von zweien, wenn man eine Zeitung liest. Üben, üben, dann schaffst auch du das! Üben? Ja. Aber bitte zu Hause.
3. Januar 2011 um 15:57 Uhr
Das gibt es auch: Während überall die Menschen auf ihre Bahn warten oder sich nach einer Alternative umsehen, fährt hier meine S 47, obwohl die doch gar nicht mehr fahren soll, laut Fahrplan. Danke! Heute also keine Schlägereien hier, keine kalten Füße, keine Tränen …
2. Januar 2011 um 18:23 Uhr
Schluss mit der Langeweile! Schluss mit dem morgendlichen Langschlafen, wie dekadent war das denn!?, ein Auge auf, gleich wieder zu, noch ein Stündchen, umdrehen, schnell dem Ruf der Natur folgen, dann wieder ins warme Bettchen, auch tagsüber lesen, gammeln, essen wenn Hunger, raus wenn nötig oder wenn Lust. Morgen? Ich beäuge den Wecker misstrauisch. Wird er es schaffen? Viertel nach sechs? Werde ich es schaffen? Und dann die S-Bahn! Schon jetzt die Ankündigung, dass nur noch die Hälfte der Bahnen meinen Bahnhof anfährt. Das heißt: Doppelt so viele Menschen in der ohnehin schon vollen Bahn. Und früher aus dem Haus. Und viele gereizte Menschen unterwegs. Oh wow, wie freue ich mich auf morgen! Bei der Arbeit sind dann auch alle voller Energie und Enthusiasmus. Neues Jahr, neues Glück!
Ich will nicht. Kann ich nicht einfach hier bleiben? Och büüüttee!
Es soll ja so Kurse für Langzeitarbeitslose geben, damit die sich wieder in den Arbeitsalltag einfinden. Die lernen dann, früh aufzustehen und pünktlich irgendwo zu sein. Nicht dass da irgendwas Wichtiges warten würde, nein, einfach nur so als Training. Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich der natürliche Zustand, was ist das Normale? Sollten wir nicht einfach in uns hineinhorchen und dann schön lange schlafen, spazieren gehen und uns mit Freunden treffen?
Lassen wir es morgen doch einfach! Bleibt alle zu Hause, dann ist die S-Bahn auch viel leerer und gemütlicher!
7. November 2010 um 17:21 Uhr
Befremdlich das Verhalten einiger Fahrgäste, wenn jede Menge Platz ist. Plötzlich sitzt man ganz fett da, Taschen werden ausgebreitet, man postiert sich so am Gang, dass sich auf keinen Fall noch jemand danebensetzen kann. Weh dem, der jetzt zusteigt und ein Plätzchen sucht! Der läuft doch glatt Gefahr, erschlagen zu werden.
3. November 2010 um 19:41 Uhr
Je schwieriger die Fahrt, desto solidarischer werden die Fahrgäste! Nehmen wir mal letzte Woche: Warum muss dieser Typ mit seinen Begleitern dermaßen laut quatschen, dass allen anderen der Kopf brummt? Sicher, er redet in einer unverständlichen, vermutlich südeuropäischen Sprache und wir müssen uns über den Inhalt keine Gedanken machen. Und doch. Die Fahrt wird zur Qual und eine Frau (Typ gemütliche Hausfrau) bittet dann doch um etwas Ruhe, was den Lautschwätzer zu mehr Geschrei animiert, bis er und seine seltsame Begleitung endlich irgendwann die U-Bahn verlassen. Und wir? Erleichterung, Verschwesterung, kleine Schwätzchen über die Leiden der Berliner Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel kommen in Gang. Am Ende verabschiedet man sich, wünscht sich ein schönes Wochenende … wie nett! Danke, Herr Brüllaffe!
Oder diese Woche: Man kann nicht mehr mit der S-Bahn von Baumschulenweg nach Neukölln fahren. Kabelbrand. Die unglücklichen Passagiere werden in andere S-Bahnen gelenkt, in volle Ersatzbusse gestopft, irgendwo stehen gelassen, rausgeschmissen, man wird durchgeschüttelt, Ansagen sind verwirrend, unzutreffend (“Bitte alle aussteigen, der Zug endet hier” – ha, ha, alle bleiben wohlweißlich sitzen), es ist zeitweise so eng, dass man nicht mehr atmen kann, und ich komme 40 Minuten später als geplant zur Arbeit … und doch bleibt das Volk ruhig. Schweigend hängen wir in den Seilen, nur ein paar kleine Witzchen werden gerissen, ein bisschen Unmut geäußert, das wars auch schon. Als ich aus dem Chaos wieder in die normale U-Bahn umsteige, herrscht wieder das übliche eisige Schweigen, nichts mehr vom geteilten Leid, das ich gerade noch spüren konnte. Mehr Chaos braucht die Stadt! Dann haben wir uns plötzlich ganz doll lieb.
31. Oktober 2010 um 14:49 Uhr
Wenn man mal Berlin verlassen will, so lohnt sich ein Ausflug zum Kloster Lehnin. Ein kleiner Ort mit besonderem Charme, um ein ehrwürdiges Kloster gebaut. Touristen gibt es trotz der etwas mühsamen Anfahrt. Und wenn man dann zwischen den roten Gemäuern wandelt, kann man sich kaum noch vorstellen, welche uralten heiligen Kultstätten vor vielen Jahrhunderten hier wohl gestanden haben mögen. So heilig, dass die Anhänger vorchristlicher Religionen einst auch vor Mord nicht zurückschreckten, um die christliche Bebauung zu verhindern. Aber wir wissen ja, wer damals gewonnen hat. In der Hauptkirche vor dem Alltar müssen wir Chorsänger um den Stumpf eines alten Baumes gehen. Der Urbaum? Es ist dort übrigens so erbärmlich kalt, dass wir in dicken Mänteln zitternd unser Konzert geben. Kalte Füße, kalte Hände und kribbelnde Nasen … und der Wind der Reformation weht einen Schauer über uns.
13. Oktober 2010 um 16:37 Uhr
Berlin kann wirklich unglaublich schön sein im Oktober. Der Himmel strahlend blau, die Bäume in allen Farben. Wir gehen durch den nahen Wald und freuen uns.