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	<title>thoitsch &#187; Fortsetzungsroman</title>
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	<description>Streifzüge durch den deutschen Alltag</description>
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		<title>Tony 10 &#8211; &#220;ber Anstand und Sitte</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jun 2007 17:45:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tach Leute, musste doch mal wieder reinschaun, Franziska nervt schon seit ein paar Tagen &#8230; aber viel ist nicht los im hei&#223;en Berlin! Und G8 ist ja jetzt auch erledigt. Aber gestern in der S-Bahn wieder, ich sags euch! Alles hing verschwitzt in den Seilen, nur der eine Typ in seiner dicken Cordjacke dachte nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tach Leute, musste doch mal wieder reinschaun, Franziska nervt schon seit ein paar Tagen &#8230; aber viel ist nicht los im hei&#223;en Berlin! Und G8 ist ja jetzt auch erledigt. Aber gestern in der S-Bahn wieder, ich sags euch! Alles hing verschwitzt in den Seilen, nur der eine Typ in seiner dicken Cordjacke dachte nicht ans Entbl&#228;ttern. N&#246;, er schlurfte seinen hei&#223;en Kaffee und war einfach nur dick eingepackt. Aufrecht und zufrieden. Daneben sa&#223; eine Omma, die wohl gerade einkaufen war: Jedenfalls zog sie raschelnd und knisternd eine T&#252;te vom Metzger aus der Tasche, machte das Wurstp&#228;ckchen auf, be&#228;ugte gierig ihre Lyoner und stopfte sich dann eine fette Scheibe in den Mund. Zur H&#228;lfte. Als dann (ganz &#252;berraschend?) ihre Haltestelle kam, lie&#223; sie die andere H&#228;lfte aus dem Mund h&#228;ngen, packte den Rest wieder weg und st&#252;rzte so raus. Leute gibts, sage ich euch &#8230; Der Gipfel war die etwa 35-J&#228;hrige mir schr&#228;g gegen&#252;ber. Trug einen Rock, der doch etliche Meter oberhalb des Knies schon beendet war, hockte sich aber hin, als w&#228;re sie zu Hause in ihrer Schlabberjogginghose: Breitbeinig. Sehr breitbeinig. Ich frage euch: Muss das denn sein? Hat ihre Mutter vergessen ihr  zu sagen, dass man sich mit einem Rock nicht soo hinsetzen darf? Ich fand das anstrengend. Schlie&#223;lich muss mal dann immer krampfhaft irgendwo anders hinsehen; aus dem Fenster; ins Buch; auf ihre Beine. Verdammt! Auf die Weise stehe ich nicht auf Damenunterw&#228;sche, ich finde sowas widerlich. Eine &#228;ltere Frau konnte ich beobachten, die wie gebannt auf die j&#252;ngere starrte; den Blick hob; wieder senkte. Sie schien protestieren zu wollen gegen so viel Anstandslosigkeit! Vielleicht bereitet es der Jungen ja ihre ganz spezielle perverse Freude, ihre Menschen auf diese Weise zu irritieren.<br />
Ich sags euch &#8230;  Schluss war dann, als eine d&#252;nne Stimme anfing, den ganzen Wagen zu &#252;bert&#246;nen. Erst dachte ich, da telefoniert jemand, oder die unterhalten sich laut, bis die Worte langsam an mein Ohr drangen. Eine hohe Jammerstimme: <em>Blo&#223; ein paar Cent, bitte bitte, ich hab solchen Hunger, ein bisschen Geld, ich bitte Sie, biiiittee!</em> Immer wieder. Herzzerrei&#223;end. All meine wunderlichen Mitfahrer h&#246;rten mit einem Schlag auf, wunderlich zu sein. Der eine zog hastig die dicke Jacke aus. Die &#228;ltere Frau entspannte sich und wandte den Blick zum Fenster. Und die Junge verschloss endlich auf sittsame Weise die Abgr&#252;nde unter ihrem Rock, als h&#228;tt es geklingelt; ohne dass ich noch einmal die Chance hatte herauszufinden, ob sie &#252;berhaupt Unterw&#228;sche trug &#8230; Nur dem Bettler spenden wollte niemand.</p>
<p>Als ich dann ausstieg, war der kein uralter Greis nahe am Hungertod, sondern ein junger Mann, recht fesch und mit Pferdeschwanz. Nicht so richtig &#252;berzeugend, ehrlich gesagt.</p>
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		<title>Tony 9</title>
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		<pubDate>Wed, 30 May 2007 07:33:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortsetzungsroman]]></category>

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		<description><![CDATA[Hey Leute, keine Sorge, ich lebe noch! Aber finde ich echt nett, dass sich einige von euch schon Sorgen gemacht haben. Ehrlich gesagt hab ich mir auch Sorgen gemacht. Ich habe n&#228;mlich die ganze letzte Zeit, w&#228;hrend andere Leute Partys feierten und lecker Qiche a&#223;en, im Keller einer versifften WG gesessen. Wieso? Tja, die haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hey Leute, keine Sorge, ich lebe noch! Aber finde ich echt nett, dass sich einige von euch schon Sorgen gemacht haben. Ehrlich gesagt hab ich mir auch Sorgen gemacht. Ich habe n&#228;mlich die ganze letzte Zeit, w&#228;hrend andere Leute Partys feierten und lecker Qiche a&#223;en, im Keller einer versifften WG gesessen. Wieso? Tja, die haben mich glatt eingesperrt! Widerlicher Keller, sage ich euch. Staubig und kalt und ich keine Ahnung, was mich erwartete. Entf&#252;hrung nennt man sowas! V&#246;llig chaotischer Haufen, das. Laberten mich tagelang voll von wegen Heiligendingsda und &#196;rgermachen und so. Jeden Tag ging das raus aus dem Keller, Gequassel in der WG-K&#252;che, M&#252;sli und D&#246;ner. Die wollten doch tats&#228;chlich, dass ich ihnen helfe, weil meine Fingerabdr&#252;cke und Taschentuchd&#252;fte noch nirgend einget&#252;tet seien. Na denen habe ich was gehustet! &#8220;Du musst dich doch f&#252;r die Zukunft unserer Welt einsetzen&#8221;, hat einer gelabert. Was interessiert mich denn das? Eine Tussi sagte sogar, &#8220;Unsere Kinder werden es dir danken!&#8221;. Schwachsinn. Was soll das denn bringen? Und Kinder machen sowieso nur L&#228;rm.<br />
Gestern Abend bin ich denen dann endlich durch ein Kellerfenster entkommen. Frechheit. Mich entf&#252;hren, und dann Hilfe wollen! Die haben doch nen Knall. Die Amis haben schon Recht. Ausstieg aus dem Ganzen! Jeder zieht sein eigenes Ding durch und schleudert seine Abgase in die Luft, dann ist sowieso bald Ruhe. Jawoll.<br />
Au&#223;erdem finde ich es gut, dass zurzeit alle E-Mails und das Internet abgeh&#246;rt werden auf verd&#228;chtige Aktivit&#228;ten. Finde ich richtig beruhigend. Was wollte eigentlich der Putin von der Merkel, von wegen &#220;berwachungsstaat? Hab ich nicht verstanden.</p>
<p>Wie man sich ganz sch&#246;n mies f&#252;hlen kann, ohne entf&#252;hrt zu sein, habe ich heute auch bei<a href="http://sumuze.blogspot.com/2007/05/ritorno-97-singing.html"> Su</a>muze gelesen. Puh, sag ich da nur. Mir wurde richtig mulmig. Da sind doch ein paar N&#228;chte Chaotenkeller ein Klacks!</p>
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		<title>Tony 8</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2007 21:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortsetzungsroman]]></category>

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		<description><![CDATA[L&#228;stig ist, wenn man die Frauen erst bitten muss zu gehen. Gab heute noch eine ziemlich unh&#252;bsche Szene, aber mal ehrlich: Abends sehen die doch meist verdammt viel besser aus, oder? Au&#223;erdem will ich meine Hallen f&#252;r mich; ich kann morgens sowieso kein Gequatsche ertragen, vor allem kein Weibergequatsche von wegen &#8220;Wollen wir uns wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>L&#228;stig ist, wenn man die Frauen erst bitten muss zu gehen. Gab heute noch eine ziemlich unh&#252;bsche Szene, aber mal ehrlich: Abends sehen die doch meist verdammt viel besser aus, oder? Au&#223;erdem will ich meine Hallen f&#252;r mich; ich kann morgens sowieso kein Gequatsche ertragen, vor allem kein Weibergequatsche von wegen &#8220;Wollen wir uns wieder treffen?&#8221; oder &#8220;Oh Tony, du und ich, wei&#223;t du, ich glaube &#8230;&#8221; nee danke, da wird mir &#252;bel. Abends unterwegs l&#228;uft das ja immer ganz locker ab, auch die Schnecke von heute war v&#246;llig unverkrampft. &#8220;Was, du wohnst in einem Loft, oh cool, darf ich das mal sehen?&#8221; Und dann sp&#228;ter &#8220;Oh wow, da kriegt man ja richtig weiche Knie!&#8221; hauchte die und warf sich mir an den Hals. Was soll man machen? Da sag ich doch nicht nein, oder? Aber wie gesagt, morgens ist dann Schluss mit lustig. Immerhin hat sie ja noch einen Kaffee gekriegt.<br />
Ist schon komisch mit Hausbesuch. Meistens &#252;berlasse ich es ja den Ladys, ob was l&#228;uft oder nicht. Den gro&#223;en Eroberer will ich schlie&#223;lich nicht raush&#228;ngen, kommt heutzutage auch nicht mehr sonderlich gut.<br />
Nur ganz selten, da werde ich pl&#246;tzlich sch&#252;chtern. Ich wei&#223;, das k&#246;nnt ihr euch jetzt nicht so gut vorstellen. Aber ganz selten gef&#228;llt mir eine. Dann rede ich auf einmal &#252;blen Stuss, fasle was von meiner Asienzeit oder wo man in Berlin gute Lederklamotten herkriegt, echt schlimm. Und dann verschwindet die wieder, nix ist gelaufen und ich sitze da zwischen meinen Riesenw&#228;nden.<br />
Aber davon wollte ich gar nicht erz&#228;hlen, sorry! Bin dann spontan losgefahren, einfach nur raus; erst mit meiner U7, dann Nauk&#246;lln einfach in die n&#228;chste S-Bahn, die so kam. War eine nach Spindlersfeld. Klingt gut, dachte ich. Das wurde auch tats&#228;chlich immer gr&#252;ner unterwegs, was will Mann mehr? Endstation: raus. Da stand ein Bus rum, okay, nehme ich, dachte ich. Und der fuhr am Schloss K&#246;penick vorbei, das wollte ich mir n&#228;her ansehen! Ich also raus. Und mitten ins tiefste Muttertagsget&#252;mmel, ich habs mir so richtig gegeben! Mal nicht Neuk&#246;lln. Bierchen am Spreeufer, launige Nachbartische mit Eisbein oder Rieseneisbecher. Spatzen, die auf Beute aus waren. Dann: an der Spree entlang, und da bietet sich doch tats&#228;chlich auch noch ein Ausflugsdampfer an, mich Richtung Heimat zur&#252;ckzuschippern. Mache ich. Die Muttchen wundern sich etwas &#252;ber mein schwarzes Outfit, auch egal. Ich starre aufs Wasser und wundere mich &#252;ber mich selbst.</p>
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		<title>Tony 7</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2007 10:19:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[W&#228;hrend ich heute in meinem Neuk&#246;llner Loft meine ersten Qi-Gong-&#220;bungen des Tages absolviere, ruft ein v&#246;llig entnervter Andreas an. Eine Katastrophe! Er wisse nicht mehr aus noch ein! M&#252;rrisch beruhige ich ihn und kann schlie&#223;lich den Grund seiner Verzweiflung rauskriegen. Nein, die Polizei ist ihm noch nicht auf die Schliche gekommen. Und keiner hat seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>W&#228;hrend ich heute in meinem Neuk&#246;llner Loft meine ersten Qi-Gong-&#220;bungen des Tages absolviere, ruft ein v&#246;llig entnervter Andreas an. Eine Katastrophe! Er wisse nicht mehr aus noch ein! M&#252;rrisch beruhige ich ihn und kann schlie&#223;lich den Grund seiner Verzweiflung rauskriegen. Nein, die Polizei ist ihm noch nicht auf die Schliche gekommen. Und keiner hat seinen Roman verrissen, denn keiner hat den Ramsch gelesen. N&#246;, er hat einfach den <a href="http://www.kikisweb.de/spezial/muttertag/muttertag.htm">Muttertag</a> vergessen! Ich bezweifle zwar, dass das seine greise <a href="http://www.box24.de/karton/list.asp?GR=MUTT">Mutter</a> zur Kenntnis nimmt, empfehle ihm aber einen locker-flockigen Anruf, just in case: Vielleicht hat sie ja gerade heute ihren klaren Tag und wird ihm sonst f&#252;r den Rest des Jahres gram sein?<br />
Bin ich froh, dass ich allein bin. Dachte ich und wandte mich meinem Bett zu, in dem noch eine mir namentlich unbekannte Nixe schlummerte. Vielleicht muss die ja auch noch an ihre Mutter denken?</p>
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		<title>Tony 6</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2007 11:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche in meinem Bekanntenkreis meinen, ich erscheine wie ein grimmiger Geist, wenn ich so in meinem langen, schwarzen Ledermantel die Stra&#223;en Neuk&#246;llns durchwandere. Alles Quatsch. Ich bin kein Geist. Sie k&#246;nnen mich alle sehen, das ist doch schon Beweis genug. Und wenn sie mich sehen und dabei ganz zuf&#228;llig an den Mist denken, den sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche in meinem Bekanntenkreis meinen, ich erscheine wie ein grimmiger Geist, wenn ich so in meinem langen, schwarzen Ledermantel die Stra&#223;en Neuk&#246;llns durchwandere. Alles Quatsch. Ich bin kein Geist. Sie k&#246;nnen mich alle sehen, das ist doch schon Beweis genug. Und wenn sie mich sehen und dabei ganz zuf&#228;llig an den Mist denken, den sie gerade bauen, dann solls mir recht sein.<br />
Gestern U 9, Bundesplatz: Wieder einer dieser Fahrg&#228;ste, die die U-Bahn nur rauchend erwarten k&#246;nnen. Manche werfen ihre Zigarette wirklich erst im letzten Moment in den M&#252;lleimer, als w&#252;rden sie an ihrem Glimmst&#228;ngel festkleben. Immer wieder fangen dann die M&#252;lleimer an zu rauchen, weil brennende Zigaretten und alte Zeitungen eine ungute Verbindung eingehen. F&#252;r einige ist der Gestank dann so be&#228;ngstigend, dass sie sich nicht auf den Bahnsteig wagen. Gestern aber: Die U-Bahn f&#228;hrt ein, Ansage, Leute str&#246;men, der Typ will die Zigarette wegwerfen &#8211; und schafft es nicht. Ein paar bleiben kurz stehen, um das Schauspiel zu beobachten: Ein Mensch, der wie wild mit der Hand in der Luft herumfuchtelt, zu schreien anf&#228;ngt, zu hopsen, aber die Zigarette l&#246;st sich nicht von seiner Hand! Dann steigen auch die letzten bedauernd ein; schade, sie h&#228;tten gerne noch eine Weile dieser interessanten Vorf&#252;hrung zugesehen, wof&#252;r der wohl werben wollte? Auch ich fahre mit leisem Bedauern weiter, &#8220;zur&#252;ckbleiben bitte!&#8221;.</p>
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		<title>Tony 5</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2007 16:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Menschen, denen es eine grimmige Freude bereitet, andere zu qu&#228;len. Keine Ahnung warum. Heute in der Ringbahn zum Beispiel: Der Typ dreht seine Beschallung lauter. Und noch lauter. Bis wirklich alle wissen, dass er ein Freund von Technomusik ist. Man mag ja in solchen Momenten entz&#252;ckt die Augen schlie&#223;en und an die letzte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Menschen, denen es eine grimmige Freude bereitet, andere zu qu&#228;len. Keine Ahnung warum. Heute in der Ringbahn zum Beispiel: Der Typ dreht seine Beschallung lauter. Und noch lauter. Bis wirklich <em>alle</em> wissen, dass er ein Freund von Technomusik ist. Man mag ja in solchen Momenten entz&#252;ckt die Augen schlie&#223;en und an die letzte Techno-Party auf Bali denken, 48 Stunden durchgetanzt, wenn einem sowas gef&#228;llt. Mir nicht. Ich sehe ihn an, ohne dass er mich bemerkt. Und was passiert? Sein s&#252;ffisantes Dauergrinsen verschwindet. Stattdessen verzieht sich sein Gesicht immer schmerzhafter. Er rei&#223;t die Kopfh&#246;rer von den Ohren, schreit laut auf. Trampelt verzweifelt auf seiner Musikquelle herum und st&#252;rzt beim n&#228;chsten Halt aus der S-Bahn. Die anderen Fahrg&#228;ste sehen ihm nach, nicht unbedingt mit Bedauern. Und auf allen Gesichtern breitet sich ein kleines, zufriedenes L&#228;cheln aus. Ruhe.</p>
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		<title>Tony 4</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2007 15:45:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Neuk&#246;lln, ja Berlin hat etwas ganz Besonderes. Gr&#252;ne Oasen, an denen Tiere leben, die man sonst nicht sieht. Es ist ruhig dort und keine Hunde hinterlassen ihre Berge. Keine Kinder schreien, keine Leute keifen (normalerweise), und die Luft ist so frisch gefiltert, dass man sich den &#214;sterreichurlaub sparen kann: Ich rede von den Friedh&#246;fen. Hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neuk&#246;lln, ja Berlin hat etwas ganz Besonderes. Gr&#252;ne Oasen, an denen Tiere leben, die man sonst nicht sieht. Es ist ruhig dort und keine Hunde hinterlassen ihre Berge. Keine Kinder schreien, keine Leute keifen (normalerweise), und die Luft ist so frisch gefiltert, dass man sich den &#214;sterreichurlaub sparen kann: Ich rede von den Friedh&#246;fen. Hier in der Gegend kenne ich fast alle, aber nat&#252;rlich habe ich meine Lieblingsecken. Ungest&#246;rt kann ich da meinen Tai-Qi-&#220;bungen nachgehen; Fotos von seltsamen Gr&#228;bern machen. Und den Toten zeigen, dass jemand &#252;ber sie wacht, muss ja schlie&#223;lich einer machen. Heute: Zwei Jugendliche, die mit extrem verd&#228;chtigen Bewegungen und Blicken zwischen den Grabsteinen herumhuschen. Sie sehen mich &#8211; und verd&#252;nnisieren sich panisch. Doch gut, dass ich immer schwarz gekleidet bin, nicht sonderlich klein und nicht sonderlich rasiert. Die zwei reagieren so &#228;ngstlich, dass ich mich doch frage, was sie angestellt haben oder was sie vorhatten. Sie bekommen einen langen Blick von mir hinterher geschickt, und pl&#246;tzlich fangen sie an zu rennen. Man k&#246;nnte meinen, beide h&#228;tten mit einem Mal Durchfall bekommen und m&#252;ssten nun fluchtartig den Friedhof verlassen. Schade aber auch.<br />
Ich beobachte noch ein Eichh&#246;rnchen, das sich nicht von mir st&#246;ren l&#228;sst. In den letzten Jahrzehnten habe ich ehrlich gesagt schon viele L&#228;nder bereist &#8211; in Nicaragua drei Jahre rumgezogen, Kenia, Namibia immer wieder, China zwei Jahre, Japan f&#252;nf Jahre &#8230; aber die Neuk&#246;llner Friedh&#246;fe sind einmalig. Vor allem die Eichh&#246;rnchen.</p>
<p>Heute Abend mal wieder Schachabend mit Andreas. Bin schon gespannt, was der wieder zu erz&#228;hlen hat. Bier und Chips warten schon.</p>
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		<title>Tony 3</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2007 08:17:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Morgens in Neuk&#246;lln: Ich beobachte mal wieder. Da sind die Zur-Arbeit-Geher, die mit hektischen Blicken signalisieren, dass sie ein Ziel haben und wahnsinnig wichtig sind. Arme W&#252;rstchen. Am schlimmsten die mit Krawatte oder St&#246;ckelschuhen. An der Leine, eingezw&#228;ngt den ganzen Tag! Dann gibt es die eiligen Beh&#246;rden-G&#228;nger. Sie sind schon weniger korrekt gekleidet, haben aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Morgens in Neuk&#246;lln: Ich beobachte mal wieder. Da sind die Zur-Arbeit-Geher, die mit hektischen Blicken signalisieren, dass sie ein Ziel haben und wahnsinnig wichtig sind. Arme W&#252;rstchen. Am schlimmsten die mit Krawatte oder St&#246;ckelschuhen. An der Leine, eingezw&#228;ngt den ganzen Tag!<br />
Dann gibt es die eiligen Beh&#246;rden-G&#228;nger. Sie sind schon weniger korrekt gekleidet, haben aber oft diesen angespannten Blick: Wird mir das Wohnamt diesmal den Zuschuss gew&#228;hren? Muss ich noch eine Kopie zur Bundesagentur schleppen?<br />
Dann gibt es die Verd&#228;chtigen und Unt&#228;tigen. Schulkinder und Jugendliche, die zu dieser Zeit nichts auf der Stra&#223;e verloren haben. Alkoholisierte, die sich nur noch mit M&#252;he an ihrer Bierflasche festhalten.<br />
Und nat&#252;rlich die senilen Bettfl&#252;chter, die eilig zur Supermarktkasse dr&#228;ngen, um dort dann ihre Cents zu z&#228;hlen. Damit das Leben irgendwo noch einen Sinn hat.<br />
Dazwischen nat&#252;rlich ganz normale Chaoten, die das Leben genie&#223;en oder hassen, je nach Tagesstimmung. T&#252;rkische Hausfrauen. K&#252;nstler. Und mich, der immer auf der Suche nach einem guten Schnappschuss ist.<br />
Was mir aufgefallen ist: Die Deutschen hasten aneinander vorbei. T&#252;rken kommunizieren miteinander und man kann das unsichtbare soziale Netz ahnen, das sie viel mehr miteinander verbindet als uns Deutsche. Im t&#252;rkischen Supermarkt kann der (t&#252;rkische) Kunde auch mal anschreiben lassen, wenn er nicht genug Geld dabei hat. Bei meinem t&#252;rkischen Friseur scheine ich der Einzige zu sein, der die dort &#252;blichen zehn Euro rausr&#252;ckt: Noch nie habe ich dort sonst jemanden bezahlen sehen, und mein Schein ist vielleicht ganz einsam in der Kasse! Als ich neulich nur zwanzig Euro dabei hatte, konnte man mir leider nicht rausgeben &#8230; Wenn die Polizei hier versucht, t&#252;rkische Jugendliche festzunehmen, sind blitzschnell die Ladenbesitzer auf der Stra&#223;e und sehen nach dem Rechten, nach dem Motto &#8220;Darf die Polizei das denn?&#8221;. Beneidenswert, von so einem Netz aufgefangen zu werden.<br />
Zwischen Karl-Marx-Stra&#223;e und Reuterstra&#223;e, so ein St&#252;ck n&#246;rdlich von meiner U-Bahn-Station Rathaus Neuk&#246;lln, da ist ein Durchgang, ein schmaler Weg. Ein kleines St&#252;ckchen T&#252;rkei. Abends sitzen die Ommas mit ihren Wasserpfeifen schwatzend zusammen. Die gr&#246;&#223;eren Jungs spielen Fu&#223;ball und die kleinen Kinder haben einen netten Spielplatz, auf dem sie ungest&#246;rt Unfug treiben k&#246;nnen. Denn die Ommas und Mammas (Anes) wollen ihre Ruhe. Neulich dort bei einer der kleinen Holzh&#252;tten geh&#246;rt, von einer etwa F&#252;nfj&#228;hrigen: Komm, wir gehen jetzt da rein und machen Sex!<br />
Freudige Erwartungshaltung bei den anderen Kleinen. S&#252;&#223;e Kinderchen, unschuldige Neuk&#246;llner Spielchen &#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Tony 2</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2007 21:44:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortsetzungsroman]]></category>

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		<description><![CDATA[Was mir heute unterwegs nicht gefallen hat: Autofahrer, die extra an den Stra&#223;enrand fahren, um mich harmlosen Fu&#223;g&#228;nger zu durchn&#228;ssen. Drei Jungtussen, die wildest aufgemotzt in der S-Bahn tratschen und dabei ihrem Hass auf T&#252;rken freien Lauf lassen. Zitat &#8220;Ick hasse die Viecher.&#8221; Dito. Eine j&#252;ngere Frau, die mit ihren Klack-Klack-Schuhen die ganze U-Bahn-Station Heidelberger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was mir heute unterwegs nicht gefallen hat: Autofahrer, die extra an den Stra&#223;enrand fahren, um mich harmlosen Fu&#223;g&#228;nger zu durchn&#228;ssen.<br />
Drei Jungtussen, die wildest aufgemotzt in der S-Bahn tratschen und dabei ihrem Hass auf T&#252;rken freien Lauf lassen. Zitat &#8220;Ick hasse die Viecher.&#8221; Dito.<br />
Eine j&#252;ngere Frau, die mit ihren Klack-Klack-Schuhen die ganze U-Bahn-Station Heidelberger Platz zum Hallen gebracht hat. Macht denen das eigentlich Spa&#223;, solche Schuhe zu tragen?<br />
Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Mann, der wei&#223; Gott viele nicht von der Bettkante sto&#223;en w&#252;rde, aber manches bei den Frauen kann ich einfach nicht verstehen. Schuhe zum Beispiel. Oder die Frechheit! Wenn ich so auf Achse bin, beobachte ich immer wieder, dass eindeutig die Frauen die aggressiveren Leute unterwegs sind. Klar, Typen sind vielleicht lauter. Aber wenn mich Frauen manchmal anbaggern, muss ich mich schon wundern. Sicher, ich sehe nicht schlecht aus f&#252;r meine f&#252;nfzig J&#228;hrchen. Haare noch schwarz und nicht sonderlich kurz. Meistens schwarze Lederhose und Lederjacke. Aber bin ich deshalb gleich Freiwild?<br />
&#220;brigens: Andreas will mir das immer gar nicht so glauben. Ist ja nun wirklich kein Held, der Junge. Aber er hat angefangen, einen scheu&#223;lichen Arztroman zu schreiben. Richtig eklig, ist schon fast wieder gut! Ab und zu gibt er mir was davon zu lesen. Er hat ja sonst niemanden.</p>
<p><em>Schwester Irene war neu auf Station, aber sie wusste sehr schnell, wer der begehrteste Mann dort war. Nicht etwa Oberarzt Doktor Schellenbeck, nein. Der aufstrebende Jungarzt war es, Doktor Pr&#228;tensius: Blond, breite Schultern, die zum Ausheulen geradezu einluden; ein dezenter Zweitagebart und diese feine Goldrandbrille, die das Herz der unerfahrenen Schwester zum Beben brachte. Und doch ahnte sie auch schon bald: Sie war f&#252;r ihn nur ein Nichts.</em></p>
<p>Meine G&#252;te, Leute, das ist schon eine ganz sch&#246;ne Zumutung. Aber Andreas braucht etwas Aufmunterung, also habe ich ihn nicht niedergemacht. Die Polizei war noch mal bei ihm und wollte eines seiner K&#252;chent&#252;cher haben, reine Routine sagten sie. Na denn Prost. Ich mische mich da ja nicht ein.<br />
Was mir heute unterwegs &#252;brigens exotisch vorkam: Zwei alte deutsche Damen, aufgepretzelt mit Gold und Perlen, R&#252;schen und Handt&#228;schchen (sowas gibts noch!), die sich in der S-Bahn unterhielten. &#220;ber Hanni und ihre verkorkste Ehe mit dem Spanier und der Geldknappheit nach der Scheidung.<br />
Heute einige nette Fotos geschossen. In aller Heimlichkeit, klar.</p>
<p>Dem miesen Autofahrer mit der Pf&#252;tze habe ich einige richtig b&#246;se Gedanken hinterher geschickt. Komisch irgendwie, dass der daraufhin ins Schleudern kam und mitten auf der Karl-Marx-Stra&#223;e gegen einen Pfosten knallte. Schade aber auch. Als ich dann hinterm Rathaus Neuk&#246;lln abbiegen musste, habe ich nur noch die Sirenen geh&#246;rt, und irgendwelche Br&#252;llereien. Fast bis zur Sonnenallee ging das.</p>
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		<title>Tony 1 (Beginn der unglaublich spannenden und ereignisreichen Neuk&#246;llnsaga)</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2007 10:21:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tach. B&#228;umler beim Name, Tony B&#228;umler. Eigentlich hei&#223;e ich ja Antonius, weil meine Eltern damals vor f&#252;nfzig Jahren pl&#246;tzlich so einen katholischen Heiligenrappel bekommen haben und ihr Kind daf&#252;r strafen wollten. Na ja, hat sich inzwischen auch wieder gelegt, der Rappel jedenfalls. Die Strafe weniger. Jedenfalls soll ich hier manchmal schreiben, weil ich so viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tach. B&#228;umler beim Name, Tony B&#228;umler. Eigentlich hei&#223;e ich ja Antonius, weil meine Eltern damals vor f&#252;nfzig Jahren pl&#246;tzlich so einen katholischen Heiligenrappel bekommen haben und ihr Kind daf&#252;r strafen wollten. Na ja, hat sich inzwischen auch wieder gelegt, der Rappel jedenfalls. Die Strafe weniger.<br />
Jedenfalls soll ich hier manchmal schreiben, weil ich so viel in Neuk&#246;lln und Berlin rumkomme, meint Franziska. Okay, kann ich machen. Au&#223;erdem behauptet sie, ich h&#228;tte sowas wie das zweite Gesicht und k&#246;nne in Menschen sehen. Ist zwar Quatsch, klingt aber gut. Richtig ist, dass ich manchmal Dinge merke, die andere nicht zur Kenntnis nehmen. Kann ich aber nichts f&#252;r.<br />
Was gibts sonst noch zu sagen &#252;ber mich? Einmal pro Woche spiele ich Schach mit einem alten Bekannten, Andreas hei&#223;t der. Der ist vielleicht ne Type! Manchmal schweigen wir uns einfach nur drei Stunden an, auch recht. Manchmal aber erz&#228;hlt der Sachen, da haut es einen aus den Socken. Gestern zum Beispiel: Ausnahmsweise g&#246;nnte er sich auch ein Bierchen bei mir, was ja schon ein Weltwunder an sich ist. Und dann legte er los, mit gel&#246;ster Zunge sozusagen. Er habe seine Nachbarin erdrosselt und sowas. V&#246;lliger Irrsinn! Und jetzt sei er gespannt, wie die Polizei ermittle und ob er das wiederholen k&#246;nne. Ja gut, er ist eben ein Spinner, aber harmlos.<br />
&#220;brigens: Ich fotografiere. Ich will nicht sagen, dass ich Fotograf bin, das klingt schon so hochtrabend. Meinen Alltag verbringe ich einfach damit, durch die Stra&#223;en hier zu streifen und Fotos zu machen. Situationen festzuhalten. Ein paar davon kann ich sogar verkaufen, sodass ich mich nicht immer nur von Wasser und Fladenbrot ern&#228;hren muss.<br />
Also dann &#8211; bis demn&#228;chst!</p>
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