Lerntheorien

19. Dezember 2006 um 9:34 Uhr

Mal was anderes: Braucht man eigentlich eine Lerntheorie, wenn man Deutsch als Fremdsprache unterrichtet? Ich bin der Meinung: Nein. Diese Theorien sind nützlich, um zu beobachten, was sich bisher getan hat auf dem Gebiet. Sie sind praktisch, wenn man sich kritisiert. „Du solltest viel mehr den blabla Aspekt berücksichtigen!“

Wenn ich aber tatsächlich in der Klasse stehe, dann muss ich doch auf die Lernenden, die Tageszeit, den Wochentag (freitags mehr Spiele als montags) und das Thema eingehen. Ich kann mich doch nicht einer Theorie beugen und darüber die Praxis vergessen! Außerdem kann ich doch nicht den ganzen Tag dasselbe machen, nur weil ich Anhängerin einer bestimmten Idee bin! Nö. Mal ein Diktat, mal eine Diskussion, dann wieder trockene Textarbeit und ein wildes Spiel. Gruppenarbeit, Einzelarbeit und wieder alle zusammen. Abwechslung ist meine Devise!
Dazu eine lange Diskussion hier.

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Feuerchen

um 9:13 Uhr

Neulich in der U6, Stadtmitte, wo alles ein bisschen edler ist als anderswo: Ein Mann betritt den Wagen, der offensichtlich mehr Zeit seines Lebens an der frischen Luft als zwischen vier Wänden zubringt. Dicker Pulli, strubbelige Haare, großer Rucksack. Er setzt sich. Mit einem Mal breitet sich der Geruch von Feuer in der U-Bahn aus. Die Leute um mich herum werden unruhig, geraten in Panik, sehen sich um, diskutieren, greifen nach dem Handy. An der nächsten Haltestelle steigen die meisten aus. Der Mann bleibt. Ich auch. Ich schließe die Augen und rieche: Ein Lagerfeuerchen draußen am Wald. Dicke Holzscheite, die langsam runterbrennen. Ein Würstchen, das in die Glut gehalten wird. Abenteuer und Freiheit! All diese Düfte haften an dem Fremden. Gut, dass meine Nase so etwas noch kennengelernt hat.
Ich lächle.

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sie sind überall …

um 8:54 Uhr

Dies ist eine Warnung. Achtung: Wer das liest, ist vielleicht schon in Berührung gekommen mit ihnen. Vielleicht schon infiziert? Achtung! Unter uns sind Menschen, die durch ein Alienvirus verändert wurden. Gefahr für die gesamte Erde!

Ich habe sie entdeckt, darum kann ich nicht sicher sagen, wie lange ich noch diese Botschaft in die Welt senden kann. Sehen Sie sich vor! Und sehen Sie sich um: Die mutierten Menschen sind an einem starren, leblosen Blick zu erkennen. Und das Wichtigste: Sie tragen entweder einen Regenschirm oder eine Zigarette bei sich. Andere Waffen werden gerade entwickelt. Heißer Kaffee wurde gestern Morgen erfolgreich getestet.

Eine wirkungsvolle Methode ist es, auf einer vollen S-Bahn-Treppe den Schirm so zu tragen, dass die Spitze in Augenhöhe des Hintermannes (der Hinterfrau) ist. Dann mit energischen Schritt nach oben gehen: Der Rest läuft wie von allein. Die mit dem Alienvirus infizierte Schirmspitze wird garantiert jemanden treffen, wenn sie rhythmisch nach hinten gestoßen wird. Zur Rede gestellt, wird der Täter sich mit Arglosigkeit rausreden. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken! Wenn man dem Nichterdling auf den Kopf zusagt, dass er ein Alien ist, so verschwindet er augenblicklich!
Dasselbe mit einer brennenden Zigarette. Die typische Alien-Haltung ist leicht abgespreizt vom eigenen Körper, sodass sie garantiert einen Menschen ankokelt, ein Löchlein in eine Jacke brennt oder die Haare eines Kindes verfärbt. Auch hier ist der leblose Blick dabei das Erkennungszeichen! Die Glut ist eine umgewandelte Form des Alienvirus. Nicht täuschen lassen, es sind keine harmlosen Passanten, die sich so verhalten!

Die besonders heimtückische Methode des Kaffeeverschüttens könnte eventuell von der BVG unterbunden werden, da diese für Schäden in den Bahnen haftet. Wenn also meine wichtigen Dokumente mit kaffeegetränktem Alienvirus versaut sind, kann ich mich dort beschweren. Allerdings ist es dann auch schon zu spät und ich gehöre auch dazu … Also: Vorsicht, wenn jemand die S-Bahn mit einem offenen, schwappenden Becher heißen Kaffees betritt. Die Typen mit dem geschlossenen Becher sind in Ordnung, keine Sorge! Der Alienkaffee aber brennt sich säureähnlich in Kleidungsstücke, Taschen und Papiere und verwandelt den Besitzer sofort. Dessen erste Reaktion wird sein: Ich will auch so einen Kaffee. Und damit gehts los.

Achtung. Sie sind unter uns. Und es werden immer mehr. Seien Sie wachsam! Sonst gehören Sie schon bald dazu.

… und sonntags in die Kirche!

17. Dezember 2006 um 12:21 Uhr

Heute mal wieder das Kontrastprogramm der ganz besonderen Art: Sonntagmorgen von Neukölln nach Dahlem. (Mein Chor hat versprochen, heute den Gottesdienst einer Gemeinde zu begleiten. Okay …) Im heimatlichen Neukölln sind eher Leute unterwegs, die noch wach zu sein scheinen. Anders im edlen Dahlem: Hier ist man schon bereit für einen besinnlichen Adventsgottesdienst, sauber, im guten Mantel.

An dieser Stelle will ich den Autoren des „Salbaders“ ganz herzlich für ihre erfrischenden und geistreichen Texte danken. Habe einen sehr vergnüglichen Vormittag verlebt.

Höhepunkt das Abendmal: Nachdem man das Blut Jesu getrunken hat, reicht sich der Kreis der Teilnehmer die Hände und blickt sich strahlend in die Augen. Der Pfarrer fordert alle auf, ihre gerade erworbende Heiligkeit hinauszutragen in die Welt, um andere daran teilhaben zu lassen.

Danach, vor der Kirche: Die Freude in meinen Augen könnte missverstanden werden. So mancher ist erbaut und erfrischt. Ich darf wieder nach Hause!

In Neukölln empfängt mich gleich hinterm S-Bahnhof der Flohmarkt und ein „Salam Aleikum“ rechts von mir. Ich bin daheim! Froh kaufe ich einem netten Türken ein Paar dicke Wollsocken für meinen lieben Mann ab. Als ich den Händler nach dem Preis frage, zögert er erst kurz und nennt dann einen wirklich christlich-niedrigen. Danke!

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Geburtstagssträußchen für Karin!

16. Dezember 2006 um 23:05 Uhr

Geburtstagsstrauß für Karin

Noch eine Stunde, dann haben wir den 17. Dezember …

Alles Liebe!

Shopping

um 17:35 Uhr

Alle tun es. Und jetzt, eine Woche vor Weihnachten, mehr denn je. Aber keiner sieht dabei glücklich aus, nö. Ich sehe gehetzte Gesichter und ich höre gereizte Mütter, die ihre Kinder zusammenstauchen. Viele Männer bleiben zu Hause oder lehnen sich im Laden zurück, während sie ihrer Frau Ratschläge geben.

Ich verzichte heute mal auf die geplante Kauforgie. Geschenke??
Och, das ergibt sich.

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Die Fahrausweise bitte!

13. Dezember 2006 um 22:22 Uhr

Früher (fast hätte ich geschrieben: „zu meiner Zeit“), da konnte man sich auf die Kontrolleure in der U-Bahn noch verlassen. Plötzlich betraten etwa acht finster aussehende Männer in Uniform den Wagen und verteilten sich blitzartig, sodass es kein Entrinnen gab. Doch, einmal habe ich erlebt, wie ein junger Mann schnell die gegenüberliegende Tür aufriss (das ging!) und auf die Gleise sprang. Er entkam, puh. Wir anderen nicht, wie immer.

Heute geht das anders ab. Vorhin erlebt: Die Ansage säuselt ihr obligatorisches „Zurückbleiben, bitte“, da stürzen zwei sehr schlampig gekleidete Typen herbei, zwängen sich noch rein, die Speziflaschen wie andere ihr Bier festklammernd. Dann stößt der eine auch noch seinen Fuß zwischen die Tür, die blockiert. Und ein Dritter steigt ein, mit diesem typischen Maschinchen, das aussieht wie ein überdimensionierter Taschenrechner. Ha, denke ich, jetzt kriegen die zwei Rüpel was auf die Rübe. Denkste. „Ihr seid ja zwei Pappnasen“, brummt der Dritte nur mürrisch, während die beiden anderen sich einen abkichern und rumblödeln. Dann, lautstark: „Die Fahrausweise bitte, Fahrscheinkontrolle!“ Ha!

Diesmal habe ich mit finsterster Mine im Zeitlupentempo meine Karte rausgezogen. Kleine Rache muss schließlich sein, grummel. Ich will gefälligst wieder ordentliche Kontrolleure!

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Montagmorgen in der S-Bahn

12. Dezember 2006 um 10:15 Uhr

Es gibt diese schmuddeligen Tage, an denen keiner aus dem Haus will und alle Menschen unterwegs eine finstere Müdigkeit ausstrahlen. „Sprich mich nicht an, lass mich in Ruhe!“
Es gibt aber auch ganz andere Tage, und sogar ein Montag kann so anfangen: Acht Uhr. Sanfte Schläfrigkeit in der Ringbahn, nur ein paar Schülerinnen plaudern harmlos (“ … und dann hat er gesagt, er findet mich …“) , aber das stört nicht: Am Himmel bereitet sich der wunderbarste Sonnenaufgang vor! Und alle sind friedlich. Die Menschen wirken frisch geduscht, die Haare flauschig geföhnt (die eine Blonde da links neben mir), ich sehe Anzüge, brave Mäntel und geputzte Schuhe. Und keiner lehnt sich gegen die Macht auf, die ihn/sie zu dieser Uhrzeit in die Welt gespült hat. Denn es ist ein richtig schöner Morgen.

Berlin s’éveille – Berlin erwacht.

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