Albtraum einer Lehrerin

31. Januar 2007 um 17:54 Uhr

Was, wenn sich plötzlich alle gegen die Lehrerin wenden würden? Wenn sich die Schüler weigern würden, das Buch zu öffnen, den Text anzusehen, die Übungen zu machen? Chaos und Anarchie! Vielleicht ist sie an diesem Tag müde und erkältet. Sie betritt das Klassenzimmer und ihre (übrigens erwachsenen) Schüler haben schon diesen seltsamen, erwartungsvollen Blick! Dann gehts los. Einer wirft gelassen sein Kaugummipapier auf ihren Tisch. Eine setzt ihre Ohrstöpsel ein, um kreischende Musik zu hören. Zwei sinken auf die Tischplatte und schlafen ein. Und währenddessen bemüht sich die da vorne verzweifelt, die Aufmerksamkeit ihrer erlesenen Gäste zu erringen. Nichts. Kein Erfolg. Irgendwann bricht sie schluchzend zusammen, oder sie verlässt den Raum.
Und was weiter? Grinsen auf den Gesichtern der Zurückgebliebenen. April, April! Oder so was Mieses.

Nur gut, dass das nur ein Traum ist. In Wirklichkeit hängen sie natürlich an ihren Lippen und der Unterricht ist ein einziges Fest der grammatikalischen und sonstigen Erleuchtung!

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… und noch ’ne Kontrolle

30. Januar 2007 um 13:45 Uhr

(Heute Morgen, 8.30 Uhr, U7, Rathaus Neukölln)

„Schö’n gutn Morgn, die Fahrausweiskontrolle bitte!“

Wie jetzt? Muss ich jetzt auch noch selber kontrollieren? Soll ich diesen sehr kräftig aussehenden Glatzkopf nach seinem Fahrschein fragen? Ich lass es lieber. Er bedankt sich ja auch schon, als ich ihm meinen zeige.
Seltsam, diese Welt.

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Ansichten eines etwas anderen Kontrolleurs

29. Januar 2007 um 10:11 Uhr

Ich hasse diesen Job. Warum muss ausgerechnet ich jetzt hier stehen und den Leuten zeigen, dass sie böse Schwarzfahrer sind? Ich werde mich erstmal setzen und abwarten. Unauffällig bleiben! Sehen die mich nicht irgendwie komisch an? Die können das aber nicht wissen, dass ich einer von denen bin. Nein, ausgeschlossen. Meine Hände zittern schon wieder.
Schon die Ausbildung war so übel, ich will gar nicht mehr daran denken. „Bloß nicht erweichen lassen!“, ich hätte kotzen können. Hab ich dann ja auch. Warum kuckt der immer so? Macht mich ganz nervös! Ich will das nicht. Immer wenn Oskar wieder losdröhnt mit seinem „Die Fahrausweise bitte!“, dann wird mir ganz schlecht. Gut, dass das keiner weiß, ich brauch diesen Job, verdammt. Es geht wieder los! So, freundlich lächeln, die wollen ja eigentlich nur ihre Ruhe, ist ja auch eine schlechte Tageszeit für eine Kontrolle, so früh morgens. Wieso zerrt der jetzt so panisch an seiner Tasche rum, ich will ihn doch nicht abmurksen, Herrje. Und die Augen von dem, richtig fertig ist der ja. Was mach ich bloß? Erstmal die anderen ansehen, ja, so ist’s recht, jeder hat eine geltende Monatskarte, so liebe ich das. Was, der findet sie immer noch nicht? Ich werd erstmal da hinten kontrollieren. Ach, ich hasse das. Außerdem ist heute Montag und mein Geburtstag. Vergessen wir den einfach! Hihi. Ich denke mal, Oskar hat nichts gemerkt. Guuut so. Das ist jetzt mein kleines persönliches Geschenk. Dumdidumm … Manchmal finde ich den Job gar nicht so schlecht!

Ansichten eines Kontrolleurs

28. Januar 2007 um 23:23 Uhr

(bloß ausgedacht, ehrlich)

Mist, heute muss ich wieder die U7 hinterm Hermannplatz machen, das nervt voll. Warum kriegen immer die anderen die schnieken Gegenden ohne jeden Schwarzfahrer? Echt jetzt. So, drin wär ich schon mal, Bruno steht drüben. Gut, dass ich das nicht allein machen muss, das würde mich voll fertig machen. Was, wenn sich alle Leute gleichzeitig weigern würden, ihre Fahrausweise zu zeigen? Ich wäre erledigt. Und mein Therapeut hätte verdammt viel zu tun! Okay. Wir fahren heute erst ein Stück, dann ist die Überraschung größer. Ha! Könnte doch wetten, dass der schwarzhaarige Typ da keinen Fahrschein bei sich hat. Und die Mami mit ihren Gören? Eins ist noch klein, okay, aber der Junge ist garantiert über fünf. Muss ich unbedingt nachfragen. Igitt, dann immer das verlogene Gejammer: „Aber mein Kind ist erst fünf, wirklich, immer haben wir diesen Ärger, weil er älter aussieht!“ Bla bla blaa. Mir gehn die alle auf den Keks. Wieso kaufen die nicht einfach eine Fahrkarte und verschonen mich mit ihren idiotischen Geschichten? „Huch, ich habe meine Monatskarte in der anderen Tasche, oh Gottogott!“ Ich kanns nicht mehr hören. Solln se doch zu Hause bleiben, wenn ihnen das zu teuer ist! Neulich wollte mir einer doch glatt durch die Lappen gehen und abhauen! Aber nicht mit mir. Gleich gegriffen hab ich mir den! Da kam sogar noch die Polizei dazu, au Mann wasn Theater.
Gut, Bruno gibt mir das Zeichen. Aufstehen, finsteren Blick aufsetzen, damit keiner aufmuckt: „Guten Tag, Fahrscheinkontrolle, die Fahrausweise bitte!“
Was will der Typ von mir? Meine Kontrollberechtigung sehen? Hat der sie noch alle? Verdammt, wo hab ich bloß diese dämliche grüne Karte hingesteckt, gerade war sie doch noch da? Das gibt es doch nicht! Und wieso glotzen die jetzt alle so? Ein dämliches Grinsen da hinten, na, der wird was erleben! Wenn ich erstmal meine Karte habe … Bruno sieht nicht sehr zufrieden aus. Mist, das wird wieder Ärger geben … wie neulich, als mir die Hand ausgerutscht ist … Mist …

Fremde Sprachen

24. Januar 2007 um 13:52 Uhr

Ich finde es spannend, völlig anderen Sprachen zu lauschen und die Sprecher damit in Verbindung zu bringen. Natürlich hat das immer etwas mit dem eigenen Sprachgefühl und mit der eigenen Sprache zu tun, niemand ist da frei! Da war neulich zum Beispiel dieser Inuit-Film in Originalfassung, der mich fast erschreckt hat – in meinen Ohren war diese Eskimosprache keine schöne Sprache, tut mir leid. Oder aber eine chinesische Nachrichtensprecherin, deren Hochchinesisch für mich wie Musik klingt! Die arabischen Jugendlichen in der U-Bahn, die über ihre Sprache zu stolpern scheinen, weil sie nicht wirklich darin zuhause sind, machen keinen guten Eindruck. Dann wieder heute im Bus zwei Türkinnen hinter mir: Ich konnte hören, dass es sich um zwei intelligente Damen handelte, deren Türkisch mit Bildung und Erziehung zu tun hat. Eine freundliche, musikalische Sprache, ich habe richtig gerne zugehört – ohne ein Wort zu verstehen!
Ich grüße hiermit alle meine türkischen Freunde!

Geschichte 3

um 9:42 Uhr

vielsam

So eine Klassenreise war schon anstrengend. Verdammt viel Lärm. Die Jungs spielten sich auf, wie immer. Die Mädchen hockten hinten im Bus zusammen und kicherten. Und er saß mal wieder allein in der ersten Reihe und starrte aus dem Fenster. Mit elf ist das Leben nicht einfach. Sogar viel komplizierter, als sich das die Großen so vorstellen. Die haben sowieso keine Ahnung, dachte er.
Er konnte ihre Stimme hören, wie sie mit den anderen lachte. Über ihn? Das wäre schrecklich. Diese Fahrt musste ihn aus der Ungewissheit befreien. Er hatte sich alles genau überlegt. Es gibt ganz unterschiedliche Mutproben. Er hatte sich seine selbst ausgemalt. Wenn sie ihn auslachen würde, wäre sein Leben zerstört, ohne Frage. Die Peinlichkeit würde er nicht aushalten. Andererseits: Ein Versuch? Und wenn sie ihn doch mochte, nur ein klitzekleines bisschen?
Der Bus hielt an. Pause, fünf Minuten!, brüllte der Lehrer. Alle stiegen aus, er blieb noch sitzen, hatte es nich eilig. Als sie an ihm vorbeiging, trafen sich ihre Augen für eine Sekunde. Und plötzlich lag da dieser Zettel neben ihm, ganz klein zusammengefaltet. Er nahm ihn.
Als er ausstieg, hatte sich etwas an ihm verändert. Es würde eine wunderbare Klassenfahrt werden!

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Geschichte 2

um 9:26 Uhr

zweisam und dreisam

Sie wusste, es war heller Wahnsinn. Man darf einem Mann nicht einfach seine Gefühle gestehen! Es würde vielleicht ihr ganzes geordnetes Leben zerstören. Aber es musste raus aus ihr. Okay, Dummheit siegt, sagte sie sich. Und schrieb ihm einen Brief, wie sie noch nie einen geschrieben hatte. Von Gefühlen und Ängsten und Hoffnung.
Als er abweisend und verständnislos reagierte, war sie zunächst traurig. Aber dann: Erleichtert. Sie hatte etwas gewagt, was sie sich nie zugetraut hätte, eine Frechheit, ein Mut, der sie aus ihrem Leben riss! Obwohl es ein klares „Nein“ gewesen war, fühlte sie sich bereichert. Und liebte ihr Leben und ihre Mitmenschen mehr als zuvor. Unlogisch? Aber möglich. Denn sie wusste nun, dass sie zu sich selbst stehen konnte. (Und das muss man erst man schaffen.)

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Geschichte 1

um 9:10 Uhr

einsam

Er saß an seinem Schreibtisch und starrte auf das Telefon. Dies war die letzte Möglichkeit, das wusste er. Den Hörer ergreifen. Die Nummer wählen. Es war doch eigentlich so einfach!
Damals, als Marie ihn verlassen hatte, war ihm noch nicht klar gewesen, wie einsam er sein würde. Heute tat es ihm richtig körperlich weh. Er nahm den Hörer in die Hand und starrte auf die Tasten. Es ging wie von selbst. Wenn wir an einem bestimmten Tiefpunkt angekommen sind, gibt es keine Peinlichkeit mehr, nur noch das Notwendige.
Sie meldete sich fast sofort. Hallo? Ich bins. Hey. Mensch. Können wir uns sehen? Ja. Ich habe so lange gewartet. Endlich. Wann? Gut, morgen. Ich freu mich.
Nur ein kleiner Handgriff! Aber er veränderte sein Leben. Plötzlich ging es auch wieder bergauf mit der Arbeit; die anderen meldeten sich wieder. Und der Hautausschlag verschwand. Zauberei? Nein.

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