Andreas 6

20. März 2007 um 09:22 Uhr

Ein spannendes Buch, so dachte Andreas, ist wie ein angenehmer Begleiter, auch wenn es einen manchmal quält: Beim Arzt erleichtert es das Warten, ein guter Ersatz fürs Händchenhalten. Unterwegs in der S-Bahn verkürzt es die Fahrt – wer will da noch ein Gespräch? Und abends hilft es beim Einschlafen. Es sei denn, es ist zu spannend, dann hält es einen davon ab.
Andras saß mal wieder in der S-Bahn und ließ Berlin an sich vorbeigleiten. Flughafen Tempelhof. Der Mord bereitete ihm noch Kopfzerbrechen. Warum mordete jemand? Simple Eifersucht, schlichte Geldnot oder Wut wegen einer ungerechten Entlassung waren ihm zu langweilig für sein Buch. Das musste komplizierter werden, das sollte seine Leser umhauen. Allerdings hauten seine Ideen bis jetzt nicht einmal ihn selbst um.

Sabine Mehringer war gerne Hausfrau. Auch wenn ihre Freundinnen ihr ständig zurieten, sich einen netten Job zu suchen: Sie kümmerte sich lieber um die Schulbrote der Kinder und um die Wäsche auf dem Hängeboden. So auch heute. Gut gelaunt stieg sie die Treppe zum Dachboden hoch; blickte im Treppenhaus noch einmal aus dem Fenster hinunter auf die kleine Fabrik mit ihren paar Arbeitern. Wurde fast wehmütig dabei, als ahnte sie, dass sie zum letzten Mal diesen Weg ging.

Nein, viel zu positiv, dachte er.

Als Susanne Mehringdorf die Treppe zu ihrem Hängeboden hochstieg, ahnte sie noch nichts davon, dass dies das letzte Mal war. Ihr Wäschekorb war schwer und wieder einmal verfluchte sie ihr Leben. Wozu war sie denn noch gut? Nur noch zum Wäscheaufhängen? Selbst ihr Mann beachtete sie schon lange nicht mehr. Sie lebten sprachlos nebeneinander her und keiner wusste mehr etwas vom anderen.
Das Licht im Treppenhaus ging aus. Mist, warum war der Zeittakt immer so kurz eingestellt? Sie stellte schnaufend den schweren Korb ab und sah sich nach dem nächsten Lichtschalter um.

Viel zu praktisch, ging ihm durch den Kopf. Und die Ehe spielt eigentlich auch keine Rolle. Aber schön frustriert musste sie schon sein, sein nächstes Opfer!

Oben auf dem Dachboden wartete er bereits auf sie: Der Tod. Sie konnte ihre Wäscheleinen kaum noch erkennen, so dunkel war es schon. Sie tastete sich zu einem kleinen Wäscheständer und wollte gerade die Socken ihres Mannes -

“Nächster Halt: Innsbrucker Platz.” Ärgerlich stieg er aus. Konnten seine Schüler nicht noch etwas warten? Er musste jetzt über Wichtigeres nachdenken! Es regnete.

Kategorie Fortsetzungsroman | Kommentare deaktiviert

Andreas 5

19. März 2007 um 11:52 Uhr

Kurz vor dem Einschlafen (22.30 Uhr, wie immer) stand Andreas noch einmal am Fenster und starrte auf die Straße. Wie hieß die Mieterin von unten nochmal? N. Müller. Nicht gerade dramatisch. Wofür stand wohl das N? Nina, das würde ihm gefallen. Seine erste Sandkastenliebe hieß Nina. Na eigentlich war er ihre erste Sandkastenliebe gewesen. Er hatte es damals mit einem wohligen Schauer über sich ergehen lassen, dass sie immer wieder so eigenartige Vorschläge anbrachte. “Du zeigst mir deinen und ich zeig dir meine” oder so etwas. Ungute Erinnerungen an lange Gespräche mit Erzieherinnen und Eltern erwachten, wurden aber schnell verdrängt.

Nina von Müllersdorf, die knallharte/coole/ungewöhnliche Kommissarin, brauchte abends noch mal den besonderen Kick vor dem Einschlafen. In der Kneipe unten kannte man sie schon und freute sich, wenn sie aufkreuzte. Wer würde an diesem Abend das Glück haben? In solchen Zeiten vergaß sie gerne ihre adlige Herkunft. Was sie dann brauchte, war schlicht und einfach Sex.

Er runzelte die Stirn. Wie machte man das eigentlich, jemanden abschleppen? Sprach man/frau jemanden an und sagte dann: Hey, hättste nich Lust? Oder gab es noch die gute alte Briefmarkensammlung? Wohl kaum. CD-Sammlung vielleicht, oder jetzt wieder richtige Schallplatten. Wie Nina ihn wohl finden würde?

An jenem Abend war ein Neuer in der Kneipe: Eher der intellektuelle Typ, für den Nina eine gewisse Schwäche hatte. Sie setzte sich neben ihn und bestellte sich ein Bier.

Andreas wurde unruhig. Wie würde eine Frau ihn im Schlafzimmer finden? Ginge man zu ihm oder zu ihr? Er sah sich um. Nicht sonderlich einladend. Dann zog er sich aus und stellte sich vor den großen Schrankspiegel. Wohl auch nicht sonderlich einladend.

Kategorie Fortsetzungsroman | Kommentare deaktiviert

Andreas 4

18. März 2007 um 23:39 Uhr

Mitten in der Mathestunde hielt Andreas plötzlich inne und starrte die Klasse an. Kind für Kind. Was ging eigentlich in diesen Köpfen so vor sich, was dachten sie über ihn? Ahnten die überhaupt, dass da ein Genie vor ihnen stand? Aber dann musste er doch irgendwann mit dem Malnehmen weitermachen.

Das Sterben geschah still und im Verborgenen, und doch war es für Kommissarin Nina Bogner/Bogenmaier/Büré wie ein lauter Hilfeschrei des Mörders: Finde mich!

Heimweg. Zum ersten Mal fiel ihm ein Plakat auf, das Werbung für eine bekannte Frauenzeitschrift machte: Osterrezepte von Braten bis Torte. Osterdekoration für die perfekte Familie. Wie mache ich meinen Mann zu Ostern glücklich? Was waren das für Frauen, die sich um solche Ratschläge kümmerten? Ohne Zweifel Wesen von einem anderen Stern.

Die junge Kommissarin wusste, welchen Weg sie gehen musste. Diese Morde trugen eine ganz eigene Handschrift – eine Schrift, die nur sie entziffern konnte. Gelangweilt schob sie den Pathologen zur Seite und zog die Gummihandschuhe aus der Manteltasche.

Gegen fünf war er endlich zu Hause. Zunächst warf er noch einen Blick in den Briefkasten im Treppenhaus, und wie immer wartete er dabei eine Sekunde (einige Minuten), ob nicht die junge Mieterin vom Erdgeschoss ganz zufällig auch heimkehrte. Oder genau dann den Müll in den Hof bringen musste. Und er hatte Glück! Sie warf ihm einen kurzen, freundlichen Blick zu, als sie mit einer prall gefüllten Mülltüte an ihm vorbeiging. Sollte er sie jetzt ansprechen? Und schon war sie wieder weg. Ohne Interesse zu zeigen an einem angehenden Bestsellerautor. Dumme Tusse. Las die vielleicht auch, welche Osterdeko dieses Jahr angesagt war?

Oben in seiner Wohnung starrte er sich lange im Spiegel an: Etwas blass. Dunkelblonde Haare, genau diese unsägliche Massenfarbe, die manche Frauen mit Strähnchen aufzupeppen versuchten. Ob er vielleicht auch mal?? Außerdem musste er sich entscheiden, ob er in Zukunft zu den Intellektuellen mit ganz kurzem Stoppelhaar und Dreitagebart gehören wollte; oder zu den Denkern, die sich durchgeistigt durch die Mähne fuhren, während sie ihren Fans ihre Sichtweise erklärten. Lang, länger als jetzt, ja, das würde ihm gefallen. Was wohl die Kollegen dazu sagen würden, nach all den Jahren? Nun, ansonsten war er für seine 41 Jahre noch ganz schön fit. Zugegeben, ein kleiner Bauch. Aber wer hatte den nicht? Ein paar Fältchen, die sicher von Humor zeugten, auch wenn er den nicht immer rausließ. Schatten unter den Augen, die vom vielen Denken kamen, auch entschuldbar.

Er machte sich seine zwei Brote und den Malventee.

Andreas 3

17. März 2007 um 23:24 Uhr

Andreas nahm sich in der Pause im Lehrerzimmer einen Kaffee und vertiefte sich sofort in irgendwelche Rundschreiben, um nicht angesprochen zu werden. Nicht, dass jemand wirklich Lust gehabt hätte, ihn anzusprechen. Er starrte auf die Schreiben und machte sich klar, dass zu einer fähigen Kommissarin natürlich der obligatorisch unfähige Vorgesetzte gehörte, der ihr immer Steine in den Weg legte. Immer wieder erfolgreich. Und es macht einen jedes Mal wahnsinnig! Wollten das die Leser nicht alle, gequält werden? Ah, zum Thema gequält: Zur Mordmethode musste er sich noch einige Gedanken machen! Den Kopf abhacken? Ach nein, das gabs neulich erst, Riesensauerei im Wohnzimmer. Eklige Gespräche in der Pathologie; aber doch, ein bisschen Sauerei musste schon rein.

“Kannste mir mal den Stundenplan der 3b reichen?” Andreas schreckte aus seinen Träumen auf und reichte der Kollegin mürrisch den Wisch.

Tach, Thekla Tamm mein Name, Kripo Berlin!” Die junge Kommissarin schob sich an den entsetzten Menschen vorbei zur Leiche …
“Tschuldigung, können Sie mich mal eben durchlassen? Kriminalpolizei! Lara Lemm mein Name!”

Wie stellten die sich eigentlich vor, hier in Berlin? “Kripo Neukölln”, “Kripo Mitte”? Er nahm sich vor, da mal nachzuhaken. Außerdem musste der Name natürlich stimmen: peppig wie Bora Blau oder Rosi Ruth, ganz klar. Andreas merkte, dass ihn sein Lebenswerk vor größere Schwierigkeiten stellte, als er es geahnt hätte. Getauft hatte er bisher noch niemanden. Und auch die Mordmethode musste noch entschieden werden. Eine exotische Methode und ein exotisches Motiv? Liebeskranker Ex-Samurai mordet auf Ninja-Art. Oder unglückliche Indianerin erinnert sich an alte Woodoo-Tricks ihrer Großmutter? Genüsslich rührte Andreas in seiner Tasse und malte sich die Qualen der Opfer aus, als ihm ein Kollege auf die Schulter klopfte. Pause vorbei!

Kategorie Fortsetzungsroman | Kommentare deaktiviert

Andreas 2

um 11:53 Uhr

Im Klassenzimmer herrschte wie immer Chaos, als Andreas versuchte, sich auf das ganz Wichtige zu konzentrieren: Sein Werk.
An der Tafel entstanden nachlässig Wörter, Der Fluss, fließen, geflossen, nass, heiß, wild … Einige Schüler meldeten sich eifrig und hätten gerne gewusst, was “nass” mit “wild” zu tun haben sollte, aber er war nicht ansprechbar. Die ersten Worte wollten heraus! Und natürlich sollten die ersten Worte seines Buchs fesselnd sein, vielversprechend, gleich der richtige Sprung in die richtige Mischung!

Ein nächtlicher Spaziergang würde ihm gut tun, dessen war er sich gewiss. All die wüsten Gedanken, die er soeben mit ihr verwirklicht hatte, mussten in den lauen Frühlingsabend hinaus!

Vielleicht doch ein wenig zu schwülstig? Das sollte nur die Vorbereitung für den ersten Mord sein. Denn Morde sollte es natürlich jede Menge geben, und einen Kommissar, der sich wohltuend von allem Bisherigen abhob. Oder lieber doch eine Kommissarin? Ja. Sexy, unkonventionell, dreist. Schnappt sich die Männer, wie die es gerne hätten. Auch wenn es womöglich nur verklemmte Grundschullehrer waren. Die sagte ganz einfach “Hey, komm, wir machen es einfach”, und dann gings los.

Die Klasse warf mit kleinen Papierkügelchen nach ihm. Er aber merkte nichts.

Andreas 1

16. März 2007 um 23:24 Uhr

Als er an jenem Morgen aufwachte, wusste er es: Er würde etwas wirklich Großes schaffen! Den fantastischen Roman. Die fesselnde Geschichte, für die Leute ihre U-Bahnstation verpassten. Einen Krimi mit Blut und Herzblut und Sex und Crime! Mit allem, was das Volk begehrte.
Dumm nur, dass er an jenem Morgen erst einmal seine 3b unterrichten musste. Also verschob er das großartige und preiswürdige Projekt auf den Nachmittag.
Vor seinen Augen stapelten sich schon die Bände mit seinem Namen im Eingangsbereich der großen Buchhandlungen. Mit diesen berauschenden Bildern vor Augen fiel es ihm leichter, seinen Stehplatz bis Innsbrucker Platz zu behaupten.

Schon an diesem Tag merkte er, dass sich sein Leben verändert hatte. Er sah die Welt plötzlich mit anderen Augen: Die Frau mit den Hyänenhaaren wurde gedanklich ebenso verarbeitet wie das junge Mädchen, das direkt vor seinen Augen in der S-Bahn ihren dicken Roman beendete, das Buch zuschlug und aufblickte. Direkt in seine Augen. Er lächelte ihr kurz und verständnisvoll zu, denn ein solcher Augenblick ist immer etwas Besonderes: Der Abschied von einem liebgewonnenen Begleiter. Auch er würde nun einen solchen Begleiter schaffen!
Beschwingt betrat er an jenem Tag das Klassenzimmer.

Zeitungsabo

13. März 2007 um 08:28 Uhr

Wenn man eine Berliner Tageszeitung lesen will, kann man zu einem Kiosk gehen und sich eine kaufen. Kann man.
Oder man lässt sich auf das Spielchen ein: Wer schafft wen?
Zum Beispiel am Zoo. Man steige aus der U-Bahn, gehe eine Treppe rauf und warte. Zurzeit sind sie wieder fast täglich anzutreffen, die liebenswürdigen Zeitungsverschenker. Aber man muss sich ihnen zu entwinden wissen! Also: Nicht zu schnell vorbeihetzen. Und nicht zu langsam! Man bekommt mit einem charmanten Lächeln eine Zeitung in die Hand gedrückt und das könnte es dann gewesen sein. Nix da! Jetzt beginnt das Spiel. “Darf ich Sie fragen – wohnen Sie in Berlin?” Die Kunst ist es, nicht zu lügen (“Noi, bin Turischt” wäre ja langweilig) und trotzdem heil aus der Sache rauskommen. ‘Heil’ heißt hier: Ohne zweiwöchiges Probeabo. Was wiederum ewige Anrufe nach sich zieht – wie siehts denn nu aus mit dem richtigen Abo, na los, das bringts doch, was haben Sie denn gegen unsere Zeitung, Sie wollen doch ein gebildeter Mensch sein, laberfasel. Das will doch wohl keiner.
Also muss das Spielchen schnell und munter ablaufen, man will sich ja auch nicht den Tag versauen. “Klar wohne ich in Berlin. Danke noch für die Zeitung, habs leider eilig!!” ist eine erfolgreiche Variante. Oder aber man verspricht ganz ernst, sich die Zeitung mal anzusehen und darüber nachzudenken …
Richtig fies wird es, wenn der Zeitungsaboandreher die gequälte Tour einschlägt: “Hören Sie, das kostet Sie doch nichts, zwei Wochen die Zeitung frei ins Haus! Und ich brauch diesen Job, sehen Sie, wenn ich nicht genug Abos abliefere …”. Fies, sage ich da nur. Von dem nehme ich dann nie wieder eine Zeitung. Selber schuld.

Peng!

12. März 2007 um 09:03 Uhr

Manchmal muss ich die nächtliche Karl-Marx-Straße entlang gehen und mich über seltsame Typen wundern. Nö, nicht dass man mich belästigen würde. Die krakeelen eher Unflätiges zu dem Polizeieinsatzwagen, der in der Flughafenstraße parkt und wieder andere Gestalten beobachtet. Urgemütlich, die Gegend, vor allem am Wochenende abends.
Gestern hatte ich es etwas eilig, als mir ein Typ entgegen kam und plötzlich “Peng!” sagte.

Wie jetzt, peng?? Ja wo simmer denn, dass ich schon verbal erschossen werde? Finde ich oberdreist! Wenn schon, dann doch bitte eine traditionelle Wumme oder sowas. Nicht einfach “Peng”! Ich wäre ja gerne stehen geblieben und hätte ihn auf sein seltsames Verhalten angesprochen, man kann ja über alles reden. Vielleicht hatte er einen frühkindlichen Kummer (“und die anderen durften immer Cowboy spielen, bloß ich nicht!”). Aber irgendwie war meine Lust darauf dann doch nicht soo groß.

Außerdem hatte ichs ja eilig.

Kategorie Alltag | Kommentare deaktiviert

Fahrgastbefragung

7. März 2007 um 23:30 Uhr

Sie kannte das schon: Ab und zu kam eine freundliche Fragetante in der U-Bahn auf sie zu, einen Block in der Hand. Und fragte unaufdringlich nach der Fahrt, den Umsteigebahnhöfen, vielleicht nach der Art der Fahrkarte. Also war sie heute nicht sonderlich überrascht und nickte bereitwillig, als sie angesprochen wurde:

“Entschuldigung, wir führen eine neue Fahrgastbefragung durch. Stört es Sie, wenn ich Ihnen ein paar ganz persönliche Fragen stelle?”
Nur los, dachte sie, hab mein Buch ja noch nicht rausgeholt.

“Welcher von den anderen Fahrgästen käme am ehesten als potenzieller Sexpartner für Sie in Frage?”
Sie sieht sich um und erblickt einen attraktiven Türken in Lederjacke, sagt aber nichts. Die Fragetante macht ein Kreuzchen auf ihren Block. Als sie sich vorbeugt, sieht sie verschiedene Ankreuzmöglichkeiten:
Dunkler Typ – Germanischer Typ – Desinteresse.
Vor dem dunklen Typ ist jetzt ein Kreuzchen.

“Nächste Frage: Wenn Sie über die Bierflaschenfrage in öffentlichen Verkehrsmitteln entscheiden dürften, was würden Sie bestimmen?”
- Raus mit den Kerlen mit Alkohol?
- Schmeißt nur die Flaschen raus?
- Darf ich auch mal nen Schluck aus der Pulle haben?
Sie muss nicht lange nachdenken und entscheidet sich für den Schluck.

“So. Jetzt würde ich gerne wissen, was Sie von einer einheitlichen Kleiderordnung halten. Sollten Personen, die nicht angemessen bekleidet sind (vor allem im Sommer) von so etwas wie Türstehern von der Fahrt abgehalten werden?”
Inzwischen nehmen auch die anderen Fahrgäste regen Anteil an den ganz persönlichen Fragen. Manche schimpfen über leicht bekleidete junge Frauen, andere über Maskierte in Kettenhemden. Sie entscheidet sich für die Antwort “Solange sie nicht stinken …”

“Dann wüsste ich als Nächstes gern, was Sie machen würden, wenn einer neben Ihnen zu rauchen anfinge.”
Da weiß sie die Antwort natürlich – sie würde sich auch eine Flumme gönnen.

“Ich muss mich wirklich für Ihre Geduld bedanken; all das dient dem harmonischeren Miteinander, darum ist es absolut wichtig, über die Bedürfnisse unserer Fahrgäste Bescheid zu wissen. Wie stehen Sie zu herabgesetzten Preisen von leichten Drogen in der BVG? Nach dem Motto ‘Berauscht durch Berlin’?
Damit hat sie kein Problem und gibt ihr Kreuzchen für “Hey, gib mal die Tüte weiter, Alter”.

“Nun zum Schluss kommt noch unser kleiner Psychotest, dann sind Sie befreit. Wie würden Sie reagieren, wenn ein kräftiger Mann seine zarte Frau hier in der U-Bahn verprügeln würde?
- Selber schuld, die Kuh.
- Moment mal, ich such mal eben mein Tränengas.
- Hey Typ, komm mal her, ich zeig dir, was ich im Kampfkurs gelernt habe.
Sie muss sehr lange überlegen und nimmt dann den Kampfkurs. Schon den Mitfahrern zuliebe, die alle gespannt auf die Antworten warten. Am Ende sind alle zufrieden:
Die Fragetante hat ihre Antworten, sie hatte Unterhaltung und die anderen Fahrgäste erst recht. Als dann die Interviewerin verprügelt wird, schreitet niemand ein, weil man auf die Pointe wartet. Sie aber blinzelt dem attraktiven Türken zu.

Download bei Kostenlose Deutsche Wordpress Themes