Tony 9

30. Mai 2007 um 9:33 Uhr

Hey Leute, keine Sorge, ich lebe noch! Aber finde ich echt nett, dass sich einige von euch schon Sorgen gemacht haben. Ehrlich gesagt hab ich mir auch Sorgen gemacht. Ich habe nämlich die ganze letzte Zeit, während andere Leute Partys feierten und lecker Qiche aßen, im Keller einer versifften WG gesessen. Wieso? Tja, die haben mich glatt eingesperrt! Widerlicher Keller, sage ich euch. Staubig und kalt und ich keine Ahnung, was mich erwartete. Entführung nennt man sowas! Völlig chaotischer Haufen, das. Laberten mich tagelang voll von wegen Heiligendingsda und Ärgermachen und so. Jeden Tag ging das raus aus dem Keller, Gequassel in der WG-Küche, Müsli und Döner. Die wollten doch tatsächlich, dass ich ihnen helfe, weil meine Fingerabdrücke und Taschentuchdüfte noch nirgend eingetütet seien. Na denen habe ich was gehustet! „Du musst dich doch für die Zukunft unserer Welt einsetzen“, hat einer gelabert. Was interessiert mich denn das? Eine Tussi sagte sogar, „Unsere Kinder werden es dir danken!“. Schwachsinn. Was soll das denn bringen? Und Kinder machen sowieso nur Lärm.
Gestern Abend bin ich denen dann endlich durch ein Kellerfenster entkommen. Frechheit. Mich entführen, und dann Hilfe wollen! Die haben doch nen Knall. Die Amis haben schon Recht. Ausstieg aus dem Ganzen! Jeder zieht sein eigenes Ding durch und schleudert seine Abgase in die Luft, dann ist sowieso bald Ruhe. Jawoll.
Außerdem finde ich es gut, dass zurzeit alle E-Mails und das Internet abgehört werden auf verdächtige Aktivitäten. Finde ich richtig beruhigend. Was wollte eigentlich der Putin von der Merkel, von wegen Überwachungsstaat? Hab ich nicht verstanden.

Wie man sich ganz schön mies fühlen kann, ohne entführt zu sein, habe ich heute auch bei Sumuze gelesen. Puh, sag ich da nur. Mir wurde richtig mulmig. Da sind doch ein paar Nächte Chaotenkeller ein Klacks!

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Invasion der Außerirdischen – muss das sein? Ja!

26. Mai 2007 um 10:03 Uhr

Ausnahmsweise lade ich die ganze Klasse zu mir ein. Und noch ein paar Freunde. Kein Problem, ein paar Chips, was Süßes, Getränke sollen die mitbringen … ach ja? Kein Problem? Die Frage ist doch: Wie gut muss man aufräumen/putzen/einkaufen/bereitstellen/kochen/Kram aus dem Weg räumen … um kritische Gäste zufriedenzustellen? Kais aus Tunesien hat schon gefragt: Welche Musik hast du denn? Kochst du uns was Asiatisches? Und Manef wollte wissen: Können wir auch nach Mitternacht noch kommen? Dazu malen sich alle freudig aus, wie sie meine Nachbarschaft für uns interessieren könnten.
Vor meinem geistigen Auge: Zwanzig Leute drängen sich auf dreißig Quadratmetern und sehnen sich nach einem Sitzplatz. Es gibt nichts zu trinken und mein Curry-Reis ist misslungen. Jemand öffnet aus Langeweile die falsche Schublade und kommentiert laut und zur allgemeinen Begeisterung den Inhalt …
Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob diese Party heute Abend eine gute Idee war. Mehr dazu: morgen. Wenn das Haus noch steht.

Nachtrag, vom Sonntag:

Es soll ja Leute geben, die Mordsstress machen, bevor sie Gäste bekommen. Warum bloß? Nette Menschen kommen ins Haus, bringen was mit, man redet, man isst, hört Musik, Manef macht komische Fotos, Thuy gewinnt beim Malefiz, Mai ärgert sich übers Rausgeschmissenwerden, Kais nimmt eine zweite Portion Curry-Reis, Abdu unterhält sich mit Irina, Uliana schließt die Augen … wo ist das Problem? Keine Ahnung. Hier gibts kein Problem!
(War schön. Danke, dass ihr hier wart)

Und jetzt Schluss mit der Klassenreportage.

Und dann mit der Klasse ins Kino!

23. Mai 2007 um 10:09 Uhr

Wenn eine Klasse siebeneinhalb Monate durchgehalten hat und sich Tag für Tag stundenlang mit Genitivattributen und Relativpronomen hat quälen lassen, ohne aufzumucken, dann darf man sich hinterher auch mal was gönnen: Wir sind gestern zum Potsdamer Platz gefahren und ins Kino gegangen. Das war ein ganz doller Film, so eine Art Naturfilm. Ein ganz lieber junger Mann mit Kulleraugen verwandelt sich ab und zu in eine Spinne, um die Menscheit zu retten. Ein trauriger Mörder verwandelt sich in einen Haufen Sand und braucht Geld, um sein armes Töchterlein zu retten, von dem später nicht mehr die Rede ist. Ein alter Freund verwandelt sich in einen geistesgestörten Skateboardfahrer und wieder in den Freund und wieder zurück, um am Ende von vielen Tränen berieselt zu sterben. Und ein karrieregeiler Fotograf verwandelt sich in ein schwarzes Monster mit Zackenzähnen, weil ihn der böse schwarze Schleim aus dem Weltall umschlungen hält. Super. Am Schluss dreschen dann alle wie wild aufeinander ein und sind dann entweder tot oder gut oder beides. Die Schöne wird mal wieder vor dem Absturz gerettet, während das Volk wie gehabt unten auf der Straße steht und starrt („lasst doch mal das Kind vor“) und kreischt, wo es angebracht ist. Damit der Film auch wirklich für jeden was ist, hat man für die Mädchen endlose Schmachtszenen, Beziehungsgespräche, Sternschnuppen und Missverständnisse eingebaut. Die Jungs kriegen hammerharte Gewaltszenen serviert, die so schnell ablaufen, dass mir die Tränen kommen, weil ich mit dem Blinzeln nicht hinterherkomme. Schluchz. Letztendlich ein wildes Wechselbad aus Schmalz und Piffpaff, das nach endlosen 140 Minuten wirklich jeden zufriedengestellt haben sollte.

Höhepunkt des Abends war das köstliche italienische Eis hinterher, meine Lieblingssorte nach wie vor: Dolce Latte. Deutsche Latte? Das hat dann auch der Klasse gefallen.

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S-Bahnfahrt mit Kuschelfaktor

21. Mai 2007 um 22:49 Uhr

Den Berlinern wird ja oft nachgesagt, dass sie eine große Klappe haben und Leute schneller anschnauzen, als das in anderen Landesteilen üblich wäre. Heute aber war ich doch beeindruckt von der Friedfertigkeit meiner Mitmenschen hier! Vielleicht lags ja an der Hitze.

Ringbahn, mal wieder. Auf dem Bahnsteig Bundesplatz drängelten sich schon massig Menschen (17 Uhr), eine Bahn fiel wohl aus, denn es kamen immer noch mehr von unten nach, ohne dass die oben abtransportiert wurden. Endlich doch die Bahn Richtung Neukölln, gen Osten sozusagen. Alles presste sich rein, auch dieser hartnäckige Radfahrer, der nicht die geringste Neigung zeigte, ein Radfahrerabteil zu nehmen, nein, er suchte offensichtlich die kuschlige Nähe eines normalen Wagens. Keiner murrte, keiner (außer mir) runzelte die Stirn. Station um Station kletterten die Leute wacker um das überdimensionale Radl rein und raus, man stand Backe an Backe; Schweißperlen kullerten über Gesichter, glasige Blicke, wohin man sah. Eine nervtötende Jugendliche (strohblond, Unterlippenpiercing, falls ihr sie seht) ließ ununterbrochen ihren Kaugummi zerplatzen, Knall, Päng! Doch alle starrten unbeirrt vor sich hin, höchstens ein kleines, verschrecktes Zucken hier und da. Die nicht mehr ganz taufrische Studentin mir gegenüber klammerte sich an ihrem Lehrbuch „Chinesisch lesen“ fest, hatte aber offensichtlich nicht mehr die Kraft, sich ihre Lektion reinzuziehen. Überall im Gang standen sie, manche mit verweifelten Blicken auf die Sitzenden. Wollen die nicht endlich aufstehen und mich sitzen lassen? Und jeder blieb auf seine Weise hartnäckig. Keiner sprach, zu erschöpft wahrscheinlich.
Ich war jedenfalls sehr beeindruckt. Auch als ich endlich in Neukölln über das Fahrrad klettern und an die schwüle frische Luft durfte, war keiner ermordet worden. Keiner hatte mit Schreikrampf am Boden gelegen. Und kein Mensch hatte auch nur eine leise Kritik an irgendetwas geäußert. Tapfer, die Berliner. Bis zuletzt.

An dieser Stelle will ich ganz herzlich all meine lieben, tapferen Schüler grüßen, vor allem die, die am Dienstag eine Prüfung haben! Zum Beispiel Abdu aus Tunesien: Viel Glück!

Sprachberatung: Unterschied Konjunktiv I / II

19. Mai 2007 um 11:01 Uhr

Heute will Sue aus den USA wissen, was denn der Unterschied zwischen Konjunktiv I und II ist. Nun, den Konjunktiv I nehmen wir fast nur für die indirekte Rede. Jemand hat etwas gesagt, was wir vielleicht nicht glauben oder beweisen können:

Er sagte, sie sei dumm und er habe ihr schon sein ganzes Geld gegeben. Er wolle nicht so weitermachen und gehe weg von ihr.
Wörter: sei, habe, wolle, gehe.

Den Konjunktiv II nehmen wir für eine irreale Situation, das kann in der Zukunft, in der Gegenwart und in der Vergangenheit sein.

Er sagte: Du wärst dumm gewesen, wenn du das Geld nicht genommen hättest. Ich würde es jederzeit nehmen und damit nach Amerika fahren. Das wäre doch toll!
Wörter: wäre, hätte genommen, würde nehmen, würde fahren.

Hier hat sich übrigens jemand noch mehr Mühe mit dem Thema Konjunktiv gemacht!

Quasimodo in Berlin

18. Mai 2007 um 19:49 Uhr

Ein ganz normaler Freitagnachmittag in Kreuzberg (ups, ja, ich habe mich über Neuköllns Grenzen gewagt!). Am Urbanhafen, das ist der Landwehrkanal direkt hinterm Urbankrankenhaus, da räkelt sich das Volk auf der Wiese. Man ist froh über die Sonnenstrahlen, auch wenn man nicht gerade ins Schwitzen gerät. Pärchen knutschen; Kranke genießen die Luft in Hauspantoffeln und Bademantel, viele mit der obligatorischen Zigarette in der Hand. Türkische Großfamilien führen die Patienten der Familie aus, während sich ihre Kleinsten prügeln. Und durch das Gewimmel auf dem Spazierweg schlängeln sich blitzschnell noch die Fahrräder. Auch winzige Laufräder mit ihren zweijährigen Bezwingern sind schon schwankend dabei. Keiner beachtet sonderlich die anderen in diesem bunten Mix, keiner fällt auf. Keiner? Doch, einer. Ein einsamer Wanderer zwängt sich durch die Ansammlungen. Seine Füße seltsam nach außen verdreht, als könne er sie nicht richtig kontrollieren. Deshalb humpelt er, und das mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Allerdings im Zickzack, sodass es immer wieder Fast-Zusammenstöße gibt. Er gibt bedrohlich wirkende Grunzlaute von sich: ein riesiger Farbiger. Was mag mit ihm los sein? Misshandlung im Heimatland? Probleme von Geburt an? Die Spaziergänger weichen ihm erschreckt aus. Eine Mutter zerrt ihr Kind zurück. Eine Frau murrt zunächst, als sie von dem Hühnen fast überrannt wird. Dann beruhigt sie sich, nachdem ihre Begleiterin sie auf seine Behinderung hingewiesen hat. Da ich eine Weile hinter ihm gehe, (gehen muss, er ist fast zu schnell zum Überholen!), sehe ich die Augen der Entgegenkommenden: Entsetzen, Abscheu, Verwirrung.
Was würde passieren, wenn er jetzt hinfiele? Irgendeinen Anfall hätte? Wahrscheinlich würden auch dann noch alle versuchen, einen Sicherheitsabstand zu wahren. Wie damals beim Glöckner, geht mir durch den Kopf.

Ich schaffe es schließlich doch, ihn zu überholen.

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Sprachberatung: Indirekte Rede

17. Mai 2007 um 20:14 Uhr

Es gibt Millionen von Möglichkeiten, ein Gespräch in einen zusammenhängenden Text umzuformen, klar. Hier mein Vorschlag für den Dialog von unten:

Ein Mann betritt einen Raum und grüßt. Die Frau in dem Raum (kann auch ein Mann sein) fragt verwirrt, was der Mann will. Er sagt, er wolle sie töten. Sie fragt ihn entsetzt nach dem Grund, und sie betont, ihm nichts getan zu haben. Er erwidert gelassen, dass er dafür bezahlt werde. Sofort bietet sie ihm an, mehr zu zahlen, doch davon will er nichts wissen; es sei zu spät und er habe seine Prinzipien. Und doch bietet sie ihm 50.000 Euro an, die er kühl ablehnt. Sie droht daraufhin, laut zu schreien, dann käme Hilfe. Er jedoch bedroht sie mit seiner Waffe und fragt sie ganz dreist noch nach einem letzten Wunsch. Sie ist wieder irritiert und will wissen, warum er sie das frage. Er deutet an, dass ihm das mehr Spaß mache. In diesem Augenblick geht die Tür auf, die Frau schöpft Hoffnung und begrüßt freudig ihren Mann und bittet ihn um Hilfe. Doch der ist nur empört, dass der Mörder noch nicht fertig ist mit seiner Arbeit. Die Frau beginnt zu schreien.

Sprachberatung: Indirekte Rede

um 19:58 Uhr

U. aus Russland hat noch ein paar Probleme mit der indirekten Rede. Darum versuchen wir es im Unterricht mal mit diesem Dialog. Nicht vergessen: Es gibt Sprechhandlungen (sie flüstert, er schreit, sie blickt ihn fragend an, er nickt …), die keine Dialoge brauchen.

Unsere Übung:

Mörder: Guten Abend.

Opfer: Was wollen Sie hier?

Mörder: Sie töten.

Opfer: Aber warum, ich habe Ihnen doch nichts getan!

Mörder: Ich werde dafür bezahlt.

Opfer: Ich zahle Ihnen mehr!

Mörder: Zu spät. Ich habe meine Prinzipien.

Opfer: Fünfzigtausend Euro?

Mörder: Vergessen Sie’s.

Opfer: Ich schreie ganz laut! Dann kommt Hilfe!

Mörder: Und ich schieße jetzt. Haben Sie noch einen letzten Wunsch?

Opfer: Warum fragen Sie mich das?

Mörder: So macht es mehr Spaß.

Opfer: (Blickt zur Tür). Oh, Schatz, gut dass du kommst! Hilfe!

Schatz: Verdammt, sind Sie noch nicht fertig?

Opfer: Gaah!!

Der neue Text soll nun keine wörtliche Rede mehr enthalten. Schafft ihr das? Eine Lösung gibts später!

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