Die große Suche

30. Juni 2007 um 17:40 Uhr

Es ist schon manchmal heftig, welche Suchbegriffe Leute in eine Suchmaschine eingeben und dann bei mir landen! Man kann da schon Selbstzweifel kriegen … SuMuze hat bei sich ähnliche Beispiele gefunden und köstliche Antworten gegeben. Heute bei mir: “Mit Seilen ans Bett gefesselt.”
Leute, wir haben hier keine Seile! Sorry! Vielleicht solltet ihr die guten alten Handschellen nehmen?

Blöd, so was. Aber vielleicht sammle ich auch mal die besten Begriffe, wir könnten ja einen Wettbewerb machen, wer am Ende wilder dasteht!

Damit grüße ich alle Langeweilesurfer, die zufällig bei mir gelandet sind, obwohl sie irgendeine Schweinerei gesucht haben. Pech gehabt, hier gibt es höchstens Meerschweinereien!

reisekrank

24. Juni 2007 um 13:16 Uhr

Endlich saß sie im Flieger. Lehnte sich zurück in Erwartung diverser Häppchen und eines Ausblicks auf Wolken von oben. Alles war geschafft, der Koffer ohne Übergewicht eingecheckt, im letzten Moment noch an Badeanzug und Reisewecker gedacht. Fenster geschlossen, Blumen in Badewanne, Tiere zur Nachbarin, Herd abgestellt. Herd. Abgestellt? Sie hatte am Morgen noch ein Ei gekocht, man muss ja was im Magen haben, das hatte schon ihre Mutter immer vor einer Reise gesagt, also Eichen gekocht, ausnahmsweise den guten Eierbecher genommen, Topf abgewaschen, Herd abgestellt?
Vor ihrem geistigen Auge taucht eine glühende Herdplatte auf, rot-leuchtend, eigentlich schön. Darüber der Lüfter, schmelzendes Plastik, das sich langsam in die Wand frisst.
Sie schnallte sich an und schloss die Augen. Die Hände eiskalt. Sie hatte den Herd abgestellt!
Allmählich würde sich das Glühen und Zischen in loderndeFlammen verwandeln. Noch ahnten die Nachbarn nichts, saßen gemütlich vorm Fernseher, während in ihrer einsamen Wohnung eine Feuerwand wuchs. Die ersten, die Alarm schlagen würden, wären ihre Meerschweinchen, bei Frau Schmittbauer untergebracht. Sie würden wie wild pfeifen und den todbringenden Dampf entsetzt zur Kenntnis nehmen. Und keiner würde sie verstehen! “Die sind aber laut! Wollen die schon wieder was zu essen? Na ihr Kleinen, noch eine Karotte?” Inzwischen wäre der brodelnde Lärm in ihrer Wohnung zwar zu hören, aber wer reagiert denn da? “Was bei denen wohl wieder im Fernsehen läuft?”
Den angebotenen Kaffee lehnte sie ab und die Stewardess schwebte lächelnd weiter. Gab es so etwas wie eine Notbremse in diesem Flugzeug? Man musste das Unglück verhindern!
Von der Straße wären Flammen sichtbar, die aus dem Fenster schlugen, und endlich würde jemand die Feuerwehr benachrichtigen. Riesige Löschfahrzeuge vor dem Haus, Lautsprecheransagen wie “Hier spricht die Polizei / Feuerwehr ( wie sagten die denn dann?) – bitte verlassen Sie umgehen das Haus, Achtung, es besteht Lebensgefahr, bewahren Sie Ruhe, kommen Sie mit erhobenen Händen …” – ach nein, das war ein anderer Traum. Sie ließ sich ein Bier geben, das beruhigte. Inzwischen hoch über den Wolken (wo war die grenzenlose Freiheit? Grenzenlose Panik!), hätte sie sich wirklich entspannen können. War sowieso alles zu spät. Konnte man vom Flugzeug aus anrufen? Sie hatte mal gehört, dass ein Handy ein Flugzeug zum Abstürzen bringen konnte. Aber war dies nicht ein Notfall? Ihre Hand umschloss den Apparat in ihrer Tasche.
Die Schweinchen. Keiner würde sie retten, obwohl sie alle hätten retten können! Wenn die Menschen doch nur mehr auf die Tiere … zu spät. Sie würde heimkehren und vor rauchenden Mauerresten stehen. Verwahrloste Gestalten würden im Schutt wühlen und vor ihren Augen ihre Perlenkette aus der Schatulle ziehen, letztes Überbleibsel guter Tage. Sie würde zusammenbrechen, schluchzend, und dann würde man sie in eine Nervenklinik einliefern, wo sie den Rest ihrer Tage im Dämmerzustand verbringen würde. Nur beim Anblick eines Meerschweinchens würde sie in hemmungsloses Schluchzen ausbrechen oder Schreikrämpfe kriegen.
“Meine Damen und Herren, wir setzen nun zum Landeanflug an. Wir hoffen, Sie hatten einen angenehmen Flug …” Verbrecher, alle. Die waren daran schuld, die hatten ihr das Telefonieren nicht erlauben wollen, die hatten ihr Leben ruiniert!

“Hallo Frau Schmittbauer, ich bins, ich wollte nur mal fragen, ist alles in Ordnung?” “Aber ja, machen Sie sich keine Sorgen, alles ist bestens, und Ihre kleinen Lieblinge haben ja so einen gesunden Appetit, gerade habe ich ihnen noch ein Stück Mohrrübe gegeben, tschüs, das wird ja sonst zu teuer, Sie machen sich ja immer viel zu viel Gedanken, viel Spaß noch!”. Sie legte auf. Vielleicht hatte sie den Herd ja doch abgestellt.

Wo oder wohin?

23. Juni 2007 um 23:00 Uhr

Manchmal ist es ja ganz klar: Wohin gehst du? In die Schule. Oder in den Park. Wo lernst du Deutsch? In der Schule oder im Park. Aber wie ist es mit Ausflügen? Darüber ist jetzt ein Streit unter Experten entbrannt. Kann man sagen, ich mache einen Ausflug in der Stadt / in der Provinz? Gefällt mir nicht, ehrlich gesagt. Es lebe der Akkusativ, es lebe die zielgerichtete Bewegung!
Ich mache meinen Ausflug also in die Stadt. Auch wenn ich schon in der Stadt bin!

Kategorie Deutsch | Kommentare deaktiviert

Gefunden

21. Juni 2007 um 22:45 Uhr


Goethes Gedicht als Legofilm von BrickfilmsPodcast.

Kategorie Alltag | Kommentare deaktiviert

Ein erster Satz?

19. Juni 2007 um 23:38 Uhr

Ist schon ulkig, was es alles für Preisausschreiben gibt, um irgendwas zu bewerben. Literatur zum Beispiel. Jetzt suchen sie also den schönsten ersten Satz eines Werks, aha! Sollte man nicht gleich einen Haufen dramatischer / romantischer / anspruchsvoller Sätze liefern und die lesemüden Leser dann ankreuzen lassen?

Die heutige Auswahl:
1. Eine eiskalte Hand schloss sich um seinen Hals, und während er dem schmutzigen Asphalt entgegensank, sah er ein Gesicht vor sich, dass grauenhafter nicht hätte sein können.
(Du liebe Zeit, was für einen Quatsch schreibe ich denn da?)
2. All die Jahre hatte sie sich nach diesem einen Moment gesehnt, nach dem Moment, in dem er sie an sich ziehen würde, ihr und die Augen sehen und ihr die Frage aller Fragen stellen würde.
(Wird ja immer schlimmer …)
3. Er öffnete die Augen und sah!
(Na, der tut keinem weh, der Satz.)

Jedenfalls könnte man es dann doch gleich bei dem ersten Satz belassen!

Der abgeschlossene Roman: Einfach weg

18. Juni 2007 um 18:06 Uhr

Er kam nach Hause und wusste: Etwas war anders. Und als könnte er dadurch diese Veränderung, von der er noch gar nichts Konkretes wusste, ungeschehen machen, stellte er die Einkaufstaschen ganz besonders behutsam auf den Küchenboden; richtete sich dann zögerlich auf und holte tief Luft. Hatte er etwas vergessen? Nudeln, Bier, Klopapier … nein. Hatte er etwas gesehen, unbewusst, das jetzt langsam in sein Gehirn kroch und ihn später quälen würde? Nicht das er wüsste.
Er sah sich um. In der ganzen Wohnung. Öffnete sogar die Kleiderschränke! Und da wurde ihm klar: Sie war weg. Einfach weg. So war das also. Nach all den Jahren!

Er schloss die Kleiderschränke und räumte seine Einkäufe in Kühlschrank und Küchenregal. Vielleicht ein Verbrechen? Grausame Ermordung einer Mittfünfzigerin in Berlins Norden? Nö, dann hätte sie ihre Sachen nicht mitgenommen. Hatte sie auf ihre alten Tage noch einen knackigen Liebhaber aufgetan und war mit ihm durchgebrannt? Der Gedanke stieß ihn ab. Nicht doch seine Freda! Klopapier ins Bad geräumt. Das würde nun doppelt so lange reichen, jetzt, wo er alleine war. Hatte auch seine Vorteile.

Dann machte er es sich vor dem Fernseher gemütlich. Zum ersten Mal in seinem Leben würde niemand dabei zetern!
Er seufzte zufrieden.

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Zum Geier, Wally!

15. Juni 2007 um 23:05 Uhr

Es gibt so diese ganz gewisse abgrundtiefe Freitagsmüdigkeit; diese Müdigkeit ist es, die mich manchmal in fremde Welten absinken lässt: Zum Beispiel vor die Glotze, Geierwally kucken.
Ich weiß, ich müsste mich jetzt verschämt errötend einem anspruchsvolleren Thema zuwenden, etwa der Analyse des Verhaltens einer verstockten Bauerntochter oder einer verlogenen Magd oder der Frage, warum der olle Papa so grantig ist und der Nachbarsbauer so schön leiden kann … mach ich aber nicht. So ein Film braucht einfach Liebe und Wut und Natur und ein Adlerbaby und ein Kind mit Rehaugen und eine widerliche, verlogene Magd und ein anständiges Happy-End. Mehr will ich nicht. Keine Analyse. Keine geknickte Selbstkritik, dass ich doch was Besseres hätte sehen oder tun können.

Nö. Ich stehe dazu: Es hat mir gefallen!

(Und du willst es doch auch, gibs zu!)

Zum Schwimmen an die Krumme Lanke?

12. Juni 2007 um 22:56 Uhr

Man hat hier in Berlin ja eine ziemliche Auswahl, wenn man sich im Wasser erfrischen will. Möchte ich mich in den Müggelsee stürzen, etwas mehr Ostflair und die Reste des alten Strandbads um mich herum? Vielleicht. Mal. Oder ich schnappe mir unter der Woche mein Handtuch und einen Badeanzug (keine Pflicht), nehme die U-Bahn bis Krumme Lanke und gehe zur Krummen Lanke. So heißt einer der Seen dort – der Schlachtensee gleich gegenüber ist auch nicht übel, vielleicht aber mit weniger Bademöglichkeiten.
Und da am See liegt dann die Berliner Bevölkerung glücklich und zufrieden in der Sonne. Jugendliche kreischen um ein Schlauchboot, aber es hält sich in Grenzen. Bekleidungs- oder sonstige Regeln gibt es nicht, sodass das nackte Tantchen neben dem gestylten Jugendlichen auf der Liegewiese dahinschmilzt. Alle sind zufrieden. Schade für meine lieben Schüler, denke ich; denn die meisten von ihnen grauen sich vor den nackten und halbnackten Leibern. Tja, so ist das nun mal hierzulande! (Heute habe ich echt gegrübelt, wo in Berlin ich sie hinschicken könnte zum Baden.)
Was mir gefällt: Etwas abseits vom Trubel eine der vielen kleinen Buchten ergattern und den See (fast) ganz für mich haben: Eine spiegelglatte Wasseroberfläche, heute noch die Haubentaucherfamilie mit Küken dabei. In der Ferne die Rufe der badenden Massen. Ansonsten Wald ringsherum und Stille. Nicht extreme Erfrischung, da das Wasser warm ist. Aber schön.

Ich persönlich finde schwimmen im See schöner als im Meer oder im Schwimmbad! Vor allem, wenn der See in einem Wald liegt.

Tony 10 – Über Anstand und Sitte

9. Juni 2007 um 19:45 Uhr

Tach Leute, musste doch mal wieder reinschaun, Franziska nervt schon seit ein paar Tagen … aber viel ist nicht los im heißen Berlin! Und G8 ist ja jetzt auch erledigt. Aber gestern in der S-Bahn wieder, ich sags euch! Alles hing verschwitzt in den Seilen, nur der eine Typ in seiner dicken Cordjacke dachte nicht ans Entblättern. Nö, er schlurfte seinen heißen Kaffee und war einfach nur dick eingepackt. Aufrecht und zufrieden. Daneben saß eine Omma, die wohl gerade einkaufen war: Jedenfalls zog sie raschelnd und knisternd eine Tüte vom Metzger aus der Tasche, machte das Wurstpäckchen auf, beäugte gierig ihre Lyoner und stopfte sich dann eine fette Scheibe in den Mund. Zur Hälfte. Als dann (ganz überraschend?) ihre Haltestelle kam, ließ sie die andere Hälfte aus dem Mund hängen, packte den Rest wieder weg und stürzte so raus. Leute gibts, sage ich euch … Der Gipfel war die etwa 35-Jährige mir schräg gegenüber. Trug einen Rock, der doch etliche Meter oberhalb des Knies schon beendet war, hockte sich aber hin, als wäre sie zu Hause in ihrer Schlabberjogginghose: Breitbeinig. Sehr breitbeinig. Ich frage euch: Muss das denn sein? Hat ihre Mutter vergessen ihr zu sagen, dass man sich mit einem Rock nicht soo hinsetzen darf? Ich fand das anstrengend. Schließlich muss mal dann immer krampfhaft irgendwo anders hinsehen; aus dem Fenster; ins Buch; auf ihre Beine. Verdammt! Auf die Weise stehe ich nicht auf Damenunterwäsche, ich finde sowas widerlich. Eine ältere Frau konnte ich beobachten, die wie gebannt auf die jüngere starrte; den Blick hob; wieder senkte. Sie schien protestieren zu wollen gegen so viel Anstandslosigkeit! Vielleicht bereitet es der Jungen ja ihre ganz spezielle perverse Freude, ihre Menschen auf diese Weise zu irritieren.
Ich sags euch … Schluss war dann, als eine dünne Stimme anfing, den ganzen Wagen zu übertönen. Erst dachte ich, da telefoniert jemand, oder die unterhalten sich laut, bis die Worte langsam an mein Ohr drangen. Eine hohe Jammerstimme: Bloß ein paar Cent, bitte bitte, ich hab solchen Hunger, ein bisschen Geld, ich bitte Sie, biiiittee! Immer wieder. Herzzerreißend. All meine wunderlichen Mitfahrer hörten mit einem Schlag auf, wunderlich zu sein. Der eine zog hastig die dicke Jacke aus. Die ältere Frau entspannte sich und wandte den Blick zum Fenster. Und die Junge verschloss endlich auf sittsame Weise die Abgründe unter ihrem Rock, als hätt es geklingelt; ohne dass ich noch einmal die Chance hatte herauszufinden, ob sie überhaupt Unterwäsche trug … Nur dem Bettler spenden wollte niemand.

Als ich dann ausstieg, war der kein uralter Greis nahe am Hungertod, sondern ein junger Mann, recht fesch und mit Pferdeschwanz. Nicht so richtig überzeugend, ehrlich gesagt.

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