Das Böse. Es lauert auch vor deiner Tür!

30. Mai 2008 um 8:54 Uhr

Nehmen wir zum Beispiel Herrn M.. Im Alltag ist er ein recht vernünftiger Mensch, hält auch mal einer alten Dame die Kaufhaustür auf und greift manchmal zur Biomilch. Steigt er aber in sein Gefährt, so mutiert er augenblicklich. Der Anblick einer Fußgängerin mit Kind am Straßenrand veranlasst ihn an regnerischen Tagen, mal so richtig mit Schmackes durch die Pfütze zu fahren und denen zu zeigen, was ein Auto so alles kann! Während Mutter und Kind den Rest des Weges damit beschäftigt sind, sich fluchend den Dreck aus Augen, Mund und Ohren zu wischen und sich zu Hause erst einmal komplett duschen und umziehen müssen, geht er wohlig seinen Gedanken über Macht und Ohnmacht im deutschen Straßenalltag nach.
Auch die Tempo-30-Zone liefert ihm immer wieder Glücksgefühle: Gerade bei Pflasterstein kann man so richtig donnernd durch die Wohngegend brettern, man ist ja kein Weichei. Und den Fußgänger da vorne könnte er unter Umständen auch noch erwischen!
Das Abbiegen ist grundsätzlich dazu da, den Fußgängern zu zeigen, dass sie nur Menschen zweiter Klasse sind. Auch wenn sie gerade grünes Licht haben – gilt nicht überall das Recht des Stärkeren, und hat das Auto nicht auch Grün? Also Platz da!

Neulich hätte Herr M. fast den Muttertag vergessen. Er beschloss dann spontan und in einem Akt der Mutterliebe, die alte Dame mit an Bord zu nehmen und gemeinsam mit ihr ins Grüne zu fahren, Wald und frische Luft würden sie das Pflegeheim für einige Stunden vergessen lassen. Und was gibt es Schöneres, als der Landluft noch eine kräftige Abgasnote zu verleihen? Leider musste sich seine Mutter mehrmals während der Fahrt übergeben. Herr M. steigt nun nicht mehr ganz so frohen Mutes in seinen vierrädrigen Egoverstärker.

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Behinderung

13. Mai 2008 um 18:01 Uhr

Es gibt Menschen, die behindern sich selbst. Oder sie werden behindert, im Namen der „Schönheit“ etwa. Das fängt schon ganz klein an! Da gehe ich zum Beispiel an einem Kinderspielplatz Nähe Karl-Marx-Straße vorbei, alle Geräte fest in türkisch-arabischer Hand, muntere Maistimmung, Omma und Mamma hängen an der Wasserpfeife und alle Jungs zwischen drei und dreißig kicken irgendwelche Bälle in alle Richtungen, da stolpern mir zwei Gören entgegen: Leider können sie nur stolpern, obwohl sie so eine Art Fangspiel spielen, aber ihre Füße stecken in herzallerliebsten goldenen Treterchen, unpraktisch, sicher unbequem, aber vom Aussehen durchaus geeignet für den nächsten Opernball. Die Armen! Da fragt sich die staunende Landpomeranze doch, ob diese kleinen Mädchen ihre Mütter (oder Väter?) beim Einkauf dermaßen bekniet haben, bis sie die Glitzerdinger bekamen, oder ob die Mütter (ähm – Väter?) es wunderhübsch finden, wenn ihre ansonsten keineswegs zierlichen Töchter ihre zarten Füßchen auf diese Weise schmücken. Ich finde es jedenfalls beunruhigend. Denn wirklich laufen können sie nicht damit! Gequälte Frauenfüße im alten China fallen mir ein.
Beim Weitergehen fällt mein Blick auf eine Frau, die mit ihren bängstigend hohen Stöckelschuhen kaum den Weg über die Neuköllner Pflastersteine überlebt. Wahnsinn. Ich halte etwas Abstand, damit ich sie nicht auffangen muss, wenn sie umkippt, das wäre mir doch etwas unangenehm. Warum tut die sich sowas an? Ihre Haare sind ebenfalls hoch, aufgetürmt und blondiert. Na ja, wir sind eben in Neukölln. Ihr Gang jedenfalls scheint zwei Dinge zu signalisieren: Fortpflanzungsdrang und Anlehnungsbedürfnis. Anlehnung schon aus rein praktischen Gründen.
Dumm nur, dass sie so um die sechzig ist und das mit der Fortpflanzung wohl nicht mehr so hinhauen wird …

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Gefahren der Großstadt

7. Mai 2008 um 22:47 Uhr

Ich habe mich in den letzten Wochen mal ganz bewusst in Bezug auf das Thema „Gefahren“ hier umgesehen. Und tatsächlich – es gibt sie!

Montag zum Beispiel. Da gehe ich ganz gemütlich durch den Wald, so zwischen Wannsee und Klein-Machnow. Plötzlich raschelt es im Gebüsch. Und ich fühle, dass ich beobachtet werde. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich. Und dann sehe ich sie: Eine ganze Horde von Wildschweinen, mindestens zehn Stück, mit Frischlingen und Aufpasserinnen, die mich grimmig anstarren. Oh oh. Ich bin dann so ganz harmlos zu den Baumwipfeln blickend davongeschlendert, nach dem Motto „Ich tu euch nichts, also bitte tut mir auch nichts!“ Na wenn das nicht gefährlich war …

Oder neulich, es war Sonntagabend. Ist vielleicht auch keine so tolle Idee, am Hermannplatz in die U-Bahn einsteigen zu wollen. Aber ich wollte nach Hause, sorry. Leider hatte ich noch fast zehn Minuten Wartezeit, ich setzte mich also auf eine dieser schmucken Sitzgelegenheiten und wollte mich in mein Buch vertiefen. Dumme Idee. Schon kam diese nette kleine Gruppe gut gelaunter arabischer Jugendlicher, fünfzehnjährig etwa, aufgedonnert in Schwarz und parfümiert bis zum Abwinken. Setzten sich und zündeten ein jeder seine Zigarette an. Mal ehrlich! Ich grummelte sofort was von „Och nö Leute…“, da hatten sie auch schon ihr Opfer gefunden. Mich. Dämliche Sprüche, Beleidigungen und Zigarettenrauch mir ins Gesicht waren die Folge, bis ich wutschnaubend aufsprang und mich in diesem wirklich allerliebsten Bahnhof nach irgendwem oder -was umsah, was mir hätte helfen können. Niemand und nichts; man ist da völlig ausgeliefert! Jetzt zum Thema Gefahr in der Großstadt – versteht mich nicht falsch, ich war nicht in Gefahr, die waren es! Mich hatte eine solch rasende Wut gepackt, dass die aber so was von Glück hatten, dass ich nicht ihre schnieken schwarzen Klamotten zerfetzen wollte, hätte Mutti ja vielleicht gemeckert, wenn sie so durchgeschüttelt nach Hause gekommen wären. Aber ich war soo nah dran, ha!!!
Als die dann zehn Minuten später auch noch genau an meiner Station ausstiegen und mich auch noch erkannten und mir nachriefen, schwebten sie regelrecht in Lebensgefahr. Aber das werden sie leider nie erfahren, denn ich trabte dann in die andere Richtung heimwärts, mich immer wieder umsehend. Man weiß ja nie.

Lieber Höhlenmalerei als gar kein Text?

4. Mai 2008 um 23:19 Uhr

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