Festhalten! Bitte!

27. Januar 2011 um 18:59 Uhr

Ich will mich in der S-Bahn festhalten. Schließlich ist das doch eine recht wacklige Angelegenheit. Wieso aber gibt es immer wieder Menschen, die glauben, dass die Haltestangen in der Wagenmitte Anlehnestangen sind, die extra für sie dorthin gestellt wurden? Die keiner sonst berühren darf? Wieso muss ich meine Hand von bösen Menschen zermalmen lassen, die ihren ganzen Körper an die Stange pressen müssen? Wieso? Ich ernte einen finsteren Blick von dem Bürschchen, als ich gequält meine Hand etwas bewege. Wahrscheinlich fühlt er sich von mir belästigt. Idiot.

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Abgehangen!

23. Januar 2011 um 15:53 Uhr

Vom Fleisch kennt man das ja: Gut abgehangen. Neulich hörte ich aber im Fernsehen in einem Quiz, in das ich natürlich nur ganz kurz reinschaute und nur durchs Zappen hingelangt war, also da hörte ich vom Moderator oder Spielmeister oder wie wir ihn nennen wollen: „Na jetzt haben Sie ja alle Gegner abgehangen!“
Muss ich mir jetzt was Ekliges vorstellen? Wohl kaum. Es gibt Menschen, die eigenwillige Partizipformen wählen. „Ich habe den Computer eingeschalten“ habe ich auch schon gehört. Das Verb „hängen“ hat etwas Besonderes: Es existiert doppelt und unterschiedlich. Ein paar Beispiele helfen da vielleicht!

Ich hänge die Jacke an die Garderobe.
Ich habe die Jacke an die Garderobe gehängt.

Meine Jacke hängt dort am Haken.
Meine Jacke hat ganz ehrlich dort gehangen!

Das Verb „abhängen“ gehört zur ersten Gruppe, wenn wir es auf Spielegegner beziehen, wenn das Verb also ein Objekt hat.

Auch das Präteritum sieht unterschiedlich aus:

Er hängte das Bild an die Wand.
Das Bild hing ein Jahr dort.

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Von der Kunst, eine Zeitung in der U-Bahn zu lesen, ohne andere zu nerven

12. Januar 2011 um 16:13 Uhr

Es geht! Versuch es einfach mal! Man muss nicht unbedingt dem Nachbarn vor der Nase herumfuchteln und alle zwei Sekunden laut raschelnd und wild zappelnd die Seite umblättern. Man braucht auch nicht den Platz von zweien, wenn man eine Zeitung liest. Üben, üben, dann schaffst auch du das! Üben? Ja. Aber bitte zu Hause.

Das Jahr des Hasens? Hä?

8. Januar 2011 um 20:37 Uhr

Im Radio sind sie sehr stolz, etwas zum chinesischen Horoskop sagen zu können. Na schön. Aber wieso zum Jahr des Hasens? Da hat sich der Moderator echt vertan. Genitiv ja, aber nicht immer mit S!

Wir haben da nämlich so etwas, das nennt sich „n-Deklination“. Das sind Nomen, die ein „n“ hinten dranhängen, nur im Nominativ nicht. Einfach so. Zum Beispiel manche maskuline Wörter mit „e“ hinten wie Hase oder Löwe. Und Fremdwörter wie Dozent oder Chirurg! Ein Prinz ist dabei, aber auch mein Kollege und mein Nachbar.

Das ist mein Hase.
Ich streichle den Hasen.
Ich gebe dem Hasen eine Möhre.
Und ich verrate euch den Namen des Hasen!

Hier ist mein Kollege.
Ich kenne meinen Kollegen gut.
Ich helfe meinem Kollgen gern.
Aber den Namen des Kollegen verrate ich jetzt mal nicht.

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So ist’s in Bibabuhlenbach! Ein harmloser kleiner Dorfkrimi aus dem Schwarzwald.

5. Januar 2011 um 18:39 Uhr

Als Martin unter dem Zaun durchkroch, wusste er natürlich, dass das nicht erlaubt war. Aber konnte man immer nur das tun, was erlaubt war? Er schlich leise durch die Hügel, stellte sich vor, wie die Soldaten sich hier angepirscht hatten, wie es geknallt haben musste. Stark! Peng Peng! Der ehemalige Truppenübungsplatz war wirklich der ideale Spielplatz für einen 15-Jährigen. Er ging zum Waldrand, setzte sich an einen Baum, schloss die Augen und ließ den sandigen Boden durch die Hände rieseln. Da fühlte er etwas. Er zog etwas aus dem Boden. Metall, der Abzug griffbereit, Patronen steckten, die Waffe sah aus wie im Film: Mächtig! Das würde sein Leben verändern! Wenn die wüssten! Stolz ging er mit dem verbotenen Fund nach Hause. Peng! Peng! In Bibabuhlenbach.

Die Erste, an der er seine neue Macht testete, war seine kleine Schwester Nina. Wieder einmal wollte sie in sein Zimmer, an seine Sachen. Er musste nur in der Tür stehen und ganz leise sagen: „Die ist echt. Pass in Zukunft lieber auf!“ Und weg war sie. Die Mutter würde ihr das nie glauben. Er lachte leise. Seine Mutter hatte sowieso andere Dinge zu tun: Die neuen Nachbarn beobachten zum Beispiel. Die waren vermutlich schlechte Menschen. Martin hatte schon in der Schule mitgekriegt, dass die Tochter von denen nicht am Religionsunterricht teilnahm. Und das bei ihnen in Bibabuhlenbach! Als diese Leute dann am Sonntag auch noch im Gottesdienst fehlten, war Schluss. Peng Peng in Bibabuhlenbach!

Alle halfen mit, das Dorf sauber zu halten. Eine tote Katze wurde den verdächtigen Nachbarn über den Zaun geworfen. Die stank schon etwas. Kurz darauf brannte ihre Scheune, und als sie die Polizei kam, erzählte Martins Mutter, diese Menschen hätten die Scheune selbst angezündet. Saubere Arbeit! Natürlich glaubte der Polizist der Bibabuhlenbacherin, nicht den Fremden. Auch im Dorfladen verkaufte man ihnen nichts mehr. Sollten die doch sehen, wie sie an Lebensmittel kamen! Martins Mutter war so mit dieser neuartigen Nachbarschaftsarbeit beschäftigt, dass der Junge mehr als sonst sich selbst überlassen blieb. Und er legte sich überall auf die Lauer, die Waffe in der Hand. Peng! Den Fremden wurden währenddessen von irgendwem die Fensterscheiben eingeschmissen. Martin sah zu und befühlte dabei wohlig die Waffe. Die kleine Tochter der Fremden wurde gehänselt und gestoßen. Martin lächelte. Seiner eigenen Schwester aber gab er einen Tritt, als die Eltern es nicht sahen. Und nochmal Peng Peng in Bibabuhlenbach!

Die Zugezogenen, diese Ungläubigen, suchten bald schon einen Käufer für ihr Haus. Die Dörfler nahmen es kopfschüttelnd zur Kenntnis. Wo es doch so schön war im Schwarzwald! Bei der Begrüßung hatten sie die Fremden ja noch begrüßt: „Herzlich willkommen bei uns in Bibabuhlenbach, wo die Welt noch in Ordnung ist!“ Martin stand bewaffnet am Fenster seines Zimmers und starrte hinüber zu den Nachbarn, die so anders waren als alle im Ort. Peng! Als seine Mutter ihn rief, legte er seine Waffe schnell in den Kleiderschrank und rannte nach unten. Dort saßen sie wieder, die Guten der Gemeinde, und beratschlagten, was noch zu tun wäre gegen das Schlechte in dieser Welt. Auch im Nachbardorf kenne man Leute, die einen unchristlichen Lebensstil hätten. Auch dort musste etwas getan werden! Heiden waren das doch. Martin musste schnell zum Laden laufen und noch Bier holen, damit ließ sich besser diskutieren.

Ein Schuss hallte durch die dörfliche Ruhe, gerade als Martin wieder auf dem Heimweg war. Peng? Alle strömten sie nun zusammen, um die Fremde anzustarren, wie sie in ihrem eigenen Blut lag, direkt vor ihrem Haus. Man hielt die kleine Nina fest, die noch die Waffe an sich drückte. Sie alle schwiegen betreten, als sie ihr das mörderische Ding aus der Hand nahmen und das verwirrte Kind dann wegführten. Die Mutter aber presste sich die Hände vor den Mund, um nicht laut loszuschreien. Nichts war in Ordnung in Bibabuhlenbach! Peng.

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S-Bahn-Wunder

3. Januar 2011 um 15:57 Uhr

Das gibt es auch: Während überall die Menschen auf ihre Bahn warten oder sich nach einer Alternative umsehen, fährt hier meine S 47, obwohl die doch gar nicht mehr fahren soll, laut Fahrplan. Danke! Heute also keine Schlägereien hier, keine kalten Füße, keine Tränen …

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Es geht lohos! Endlich! Wieder!

2. Januar 2011 um 18:23 Uhr

Schluss mit der Langeweile! Schluss mit dem morgendlichen Langschlafen, wie dekadent war das denn!?, ein Auge auf, gleich wieder zu, noch ein Stündchen, umdrehen, schnell dem Ruf der Natur folgen, dann wieder ins warme Bettchen, auch tagsüber lesen, gammeln, essen wenn Hunger, raus wenn nötig oder wenn Lust. Morgen? Ich beäuge den Wecker misstrauisch. Wird er es schaffen? Viertel nach sechs? Werde ich es schaffen? Und dann die S-Bahn! Schon jetzt die Ankündigung, dass nur noch die Hälfte der Bahnen meinen Bahnhof anfährt. Das heißt: Doppelt so viele Menschen in der ohnehin schon vollen Bahn. Und früher aus dem Haus. Und viele gereizte Menschen unterwegs. Oh wow, wie freue ich mich auf morgen! Bei der Arbeit sind dann auch alle voller Energie und Enthusiasmus. Neues Jahr, neues Glück!
Ich will nicht. Kann ich nicht einfach hier bleiben? Och büüüttee!

Es soll ja so Kurse für Langzeitarbeitslose geben, damit die sich wieder in den Arbeitsalltag einfinden. Die lernen dann, früh aufzustehen und pünktlich irgendwo zu sein. Nicht dass da irgendwas Wichtiges warten würde, nein, einfach nur so als Training. Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich der natürliche Zustand, was ist das Normale? Sollten wir nicht einfach in uns hineinhorchen und dann schön lange schlafen, spazieren gehen und uns mit Freunden treffen?

Lassen wir es morgen doch einfach! Bleibt alle zu Hause, dann ist die S-Bahn auch viel leerer und gemütlicher!

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