Angst. In der U-Bahn?

Es gibt schon unglaublich mutige Menschen. Politikerinnen zum Beispiel, die, um sich und der Welt irgendwas zu beweisen, nachts mit der U-Bahn fahren! Natürlich nicht allein versteht sich, sondern wohl behütet von mehreren Leibwächtern und in Begleitung eines Journalisten, die für eine Zeitung mit großen Buchstaben auf Achse sind. Toll. Muss echt der Horrortrip gewesen sein, denn selbst der Journalist war hinterher froh, die Beschützer dabei gehabt zu haben. Ach ja? War das vielleicht ein anderes Berlin, in einem Paralleluniversum vielleicht?
Ich sehe mich mal kritisch in meiner U7 um. Es ist Abend. Sicher werden mich gleich grimmige Neuköllner Horden anspringen und in den Dschungel zerren. In der Tat fehlen zu der Zeit, da ich mich dieser unglaublichen Mutprobe unterziehe, die typischen Angestelltenmassen, die mit stumpfem Blick ihrer Tagesbeschäftigung entgegenzuckeln. Stattdessen steigen mit mir 1. vier türkische Ommis/Mammis ein und
2. eine afrikanische Mutter mit ihren zwei kleinen, dunkelhäutigen Jungs. Na wenn das nicht zum Fürchten ist! Ansonsten ist der Wagen so gut wie leer. Annäherung der Gruppen: Die eine Ommi (dick, bekopftucht, breitbeinig) sagt zu dem einen kleinen Jungen, wie süß er sei, er solle doch mal herkommen. Worte fliegen hin und her, die Mutter grinst, der Junge geht rüber und wird (verlegen lächelnd, man ist ja Kummer gewöhnt) auf beiden Wangen abgeknutscht, dann umarmt, und bekommt dafür Bonbons. Der andere Junge hebt schüchtern den Blick und bekommt auch einen Bonbon. Die Ommi meint aber streng: „Du nicht küssen, du nicht Bonbon, du erst küssen!“ Worauf der sich noch enger an seine Mutter drückt. Na das nenn ich doch mal Horror pur! Da muss man sich auch noch abknutschen lassen, um einen schäbigen Bonbon abzugreifen! Da hätte sich mein Kind aber bedankt … ich muss grinsen und bin nicht die Einzige im Wagen. Die richtige Angst kommt irgendwie nicht auf.
Wie sonst auch nicht.

2 Kommentare

  1. Das muss in der Tat ein Parallelberlin sein, da kann man mit der U-Bahn vom Hermannplatz zum Ostkreuz fahren.

  2. Ha! Wo hast du das denn gelesen? Ist mir gar nicht aufgefallen!
    Tja, diese Parallelwelten … sind doch überall.

Der Beitrag wurde am 23. Januar 2008 um 20:57 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Alltag gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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