Mein oder dein Deutsch? Falsche Frage!

21. Februar 2010 um 15:22 Uhr

Als DaF-Lehrer(in) hat man schon eine ganz schöne Verantwortung. Man gibt den vertrauensvollen Lernern ein Vokabular mit auf den Weg, mit dem sie sich dann bewähren müssen. Sie sollen nicht gleich anecken, sich lächerlich machen, Erstaunen hervorrufen. Deshalb unterrichte ich nicht Begriffe wie „Fernsehen kucken“ oder „Frühstück essen“, auch wenn solche Ausdrücke in manchen Gegenden Deutschlands wohl völlig üblich zu sein scheinen. Vielmehr orientiere ich mich an Lehrwerken, die eine Art „überregionale Neutralsprache“ vermitteln, mit der sich ein Ausländer hier im Inland nicht blamieren sollte. Eins der ersten Wörter, die ich von einem (nicht befreundeten) Japaner zu dessen großem Amüsement lernte, war so etwas wie „Leck mich doch …“ Oh oh, gut, dass ich damals schnell von einem echten Freund aufgeklärt wurde!

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Pfingsten?

1. Juni 2009 um 14:00 Uhr

Ich finde es toll, wenn sich jemand die Mühe gibt, hinter die Dinge zu schauen. Hier ein Link zu Kristins Sprachblog und zur Erklärung, woher das Wort Pfingsten kommt – schöne Seite!

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Wie geil ist das denn!

3. Dezember 2008 um 17:35 Uhr

Wer heutzutage sprachlich auf der Höhe sein will, sollte sich unbedingt ein paar muntere Sprüche aneignen, die bei jüngeren Leuten beliebt sind. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt es als schick, mitten im Satz ein erstaunt-pikiertes „Hallo???“ auszurufen.
Die Möchtegern-Intellektuellen bauen mit sorgenvoll gerunzelter Stirn „ein Stück weit“ ein und fühlen sich sehr, sehr weise dabei.
Witzig aber finde ich den Spruch „Wie geil ist das denn!„, den man beliebig abwandeln kann: Wie eklig ist das dann? Wie blöd wäre das denn? Ganz wichtig dabei ist das Betonen von „das“, um Begeisterung und Distanziertheit gleichermaßen rüberzubringen.
Ich wüsste zu gern, wer den Spruch erfunden hat! Naruto hat ihn jedenfalls gut drauf.

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Guter Eindruck durch ordentliche Rechtschreibung

19. Februar 2008 um 23:11 Uhr

Klar, wissen wir doch, eine Bewerbung zum Beispiel sollte korrekt geschrieben sein, sonst kriege ich den Job nicht. Auch wenn ich dabei nur Regale einräumen sollte – ein Fehler und Pech gehabt! Da heißt es dann weiterhin die eigenen Regale ein- und umräumen.
Genauso ist es mit unerwünschter Post per E-Mail. Natürlich würde ich gerne all die wunderbaren Nachrichten öffnen (ha ha), wenn die nur ordenlich geschrieben wären! Stattdessen wird mir „Energie für ihren Schwanz“ angeboten – Moment mal, wer ist die denn, diese Frau, um deren Schwanz es da geht? Und was habe ich damit zu tun?
Dann wieder schreibt mir ein „Anwalt“ eine „letzt mahnung“, ein ganz Fremder lädt mich zum wiederholten Mal zu einer „Party bei Uschi an freitag“ ein und eine „Schule“ will mir weismachen, dass mich ein „Schultfreund“ sucht. Nö. So geht das nicht. Wenn schon die Betreffzeile nicht stimmt, dann will ich das gar nicht erst lesen, da bin ich eigen.
Sonst wäre ich sicherlich gerne auf die letzte Mahnung eingegangen und hätte mal eben fünftausend Euro überwiesen oder doch noch eine Portion von dem glücksbringenden Zeugs bestellt.

Frühstück

28. Januar 2008 um 22:14 Uhr

Eines meiner Lieblingsgedichte ist ganz schlicht und auf Französisch.
Ich versuchs mal auf Deutsch, natürlich ganz frei und spontan und nur so nebenbei:

Er gießt den Kaffee in die Tasse.

Er gießt die Milch in die Tasse Kaffee.

Er gibt noch Zucker in den Milchkaffee.

Mit dem Löffel rührt er um.

Er trinkt den Milchkaffee.

Er stellt die Tasse zurück,

ohne mich anzusehen, ohne mich anzusprechen.

Er steht auf. Setzt sich den Hut auf.

Er geht wortlos fort.

Und ich nehme den Kopf in die Hände.

Und weine.

Relativsätze Teil II

26. September 2007 um 9:29 Uhr

Und hier ist die Lösung! Im ganzen Text inklusive Einleitung und Schluss befinden sich 19 Relativsätze.
Der Text mit den Männern am Tresen lautet so:

In der Kneipe. Zwei Männer stehen am Tresen und kippen ihr Bierchen, das natürlich nicht das erste ist, als der eine von ihnen plötzlich zusammenzuckt.

Der eine: Du, kennst du die Tussi, die da hinten steht?

Der andere: Moment, welche? Meinst du die, die so laut mit ihren Freundinnen redet?

Der eine: Nee, ich meine die, der der Kerl da gerade ins Gesicht gespuckt hat.

Der andere: Echt jetzt, ins Gesicht? Igitt. Die Tante also, die sich jetzt von uns weggedreht hat, die so eine komische Jacke trägt?

Der eine: Genau die! Das ist die Kuh, der ich meine ganze Kohle geliehen habe. Bis heute habe ich die nicht wieder!

Der andere: Na schön blöd. Einer Tussi, die so drauf ist, würde ich bestimmt kein Geld geben!

Der eine: Na hör mal! Denk doch mal an deine sogenannte Traumfrau, die du bis nach München verfolgt hast!

Der andere: Das ist doch was ganz anderes. Das war Mira, die echt die süßeste Maus auf Erden ist.

Der eine: Ach!? War das nicht die, mit der du dann solchen Zoff hattest, dass du sie aus deiner Wohnung geschmissen hast? Und ihre Sachen aus dem Fenster?

Der andere: Mensch, Schnee von gestern! Sie hat sich geändert. Heute ist sie wieder die Frau, an die ich pausenlos denke! Schon allein ihre Grübchen …

Der eine: Ach hör mir auf. Das Weib da drüben ist jedenfalls die Ziege, deren Cabrio ich mit Pferdeäpfeln abgefüllt habe, erinnerst du dich?

Der andere: Ha, na klar, die Chaotin, die dir dann die Fensterscheiben eingeschmissen hat! Du, Moment mal. Aber das ist doch … verdammt, das ist ja meine Mira, von der ich die ganze Zeit geredet habe!

Der eine: Ups. Öh – nochn Bier?

Relativsätze Teil I

25. September 2007 um 10:50 Uhr

Immer wenn ich A. aus Palästina mal wieder ganz behutsam frage, was eigentlich ein Relativsatz sei, bekommt sie diesen panischen Blick. Es ist schon ein richtig nettes Spiel zwischen uns! Dabei ist es gar nicht so schwer: Ein Relativsatz ist ein Satz, der ein Wort oder einen ganzen Satz näher definiert. Wie der Satz, den ich gerade geschrieben habe. Hm. Dazu fällt mir der folgende Dialog ein:

In der Kneipe. Zwei Frauen stehen am Tresen und kippen ihr Bierchen, das natürlich nicht das erste ist, als die eine von ihnen plötzlich zusammenzuckt.

Die eine: Du, kennst du den Kerl, der da hinten steht?

Die andere: Moment, welchen? Meinst du den, der so laut mit seinen Kumpels redet?

Die eine: Nee, ich meine den, dem die Frau da gerade ins Gesicht gespuckt hat.

Die andere: Echt jetzt, ins Gesicht? Der Heini also, der sich jetzt von uns weggedreht hat, der so eine alberne Jacke trägt?

Die eine: Genau der! Das ist der Kerl, dem ich meine ganze Kohle geliehen habe. Bis heute habe ich die nicht wieder!

Die andere: Na schön blöd. Einem Typ, der so drauf ist, würde ich bestimmt kein Geld geben!

Die eine: Na hör mal! Denk doch mal an deinen sogenannten Traummann, den du bis nach München verfolgt hast!

Die andere: Das ist doch was ganz anderes. Das war Gero, der echt der süßeste Mann auf Erden ist.

Die eine: Ach!? War das nicht der, mit dem du dann solchen Zoff hattest, dass du ihn aus deiner Wohnung geschmissen hast? Und seine Sachen aus dem Fenster?

Die andere: Mensch, Schnee von gestern! Er hat sich geändert. Heute ist er wieder der Mann, an den ich pausenlos denke! Schon allein seine Grübchen …

Die eine: Ach hör mir auf. Der Typ da drüben ist jedenfalls der Kerl, dessen Cabrio ich mit Pferdeäpfeln abgefüllt habe, erinnerst du dich?

Die andere: Ha, na klar, der Chaot, der dir dann die Fensterscheiben eingeschmissen hat! Du, Moment mal. Aber das ist doch … verdammt, das ist ja mein Gero, von dem ich die ganze Zeit geredet habe!

Die eine: Ups. Öh – nochn Bier?

Und jetzt kommt natürlich die Preisfrage: Wie viele Relativsätze findet ihr hier? Auflösung morgen! Dann noch für alle, die noch nicht genug Hausaufgaben an der Backe haben: Schreibt doch mal den ganzen Dialog mit zwei Männern, die sich über Frauen unterhalten!

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Vorüberlegungen zu einem langen, spannenden Roman

19. August 2007 um 10:17 Uhr

Nee, sowas kann ich nicht schreiben. Wenn ich zum Beispiel den „Schwarm“ in Händen halte, bin ich tief beeindruckt. Meine Güte, was muss er lange daran gesessen haben! All die Nebenstränge, die wissenschaftlichen Einwürfe, die komplizierten Vorgänge, und zwischendurch auch noch Spannung und Liebe! Uff.

Wie wäre es also mal wieder mit dem Kürzestroman, der das Wichtigste in wenige Zeilen quetscht und den ganzen Rest der Fantasie des Lesers überlässt? Wie beim Zappen im Fernsehen: Ich sehe im Hintergrund zerstörte Häuser und diese ganzen Einsatzwagen der Feuerwehr / Polizei, im Vordergrund sinkt sich das Paar in die Arme und die Tränen laufen ihnen über die Gesichter. Hach. Da weiß ich doch, dass sie jede Menge Stress hinter sich haben und jetzt alles gut wird. Was will ich mehr?

Na gut, die Unterhaltung der zwei Stunden davor fehlt natürlich …
Und doch gefällt mir die Idee des Romans in Miniformat: Praktisch verschenkbar, in fünf Minuten geschrieben, wiegt nur wenige Gramm, wenn überhaupt. Und jeden Tag könnte man einen zum Frühstück verschlingen.

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