Archiv für die Kategorie 'Alltag'

Luxus im Westen

Donnerstag, 07. Februar 2008

Nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ nutze ich eine längere Pause und gehe mal in ein Kaufhaus. Im Westen. Ganz oben die Feinschmeckerabteilung hat mich früher schon mal in Begeisterung versetzt, also hoffe ich auf eine kleine Stärkung, ein feines Süppchen oder so … denkste. War das schon immer so? Die Hummermassen und Schokoladenköstlichkeiten, die edlen kleinen Küchlein für drei neunzig und die Kaviarhäppchen für neun achtzig … sie erschlagen mich. Die Leute, die da fein und reich und doch nicht wirklich zufrieden sitzen und Teures in sich reinschlürfen, sie ekeln mich. Ich verlasse abgestoßen und hungrig die Hallen und gönne mir draußen ein ganz normales, leckeres belegtes Brötchen.

Berliner Gelassenheit

Samstag, 02. Februar 2008

Das muss man sich mal vorstellen: Ganz Berlin müsste sozusagen im Chaos versinken, kein Bus, keine U-Bahn, keine Straßenbahn fährt mehr! Aber Chaos? Na ja. Sicher, auf der Karl-Marx-Straße hier um die Ecke war Freitagnachmittag ein heftiges Gedrängel und Gehupe, und morgens standen viele Menschen recht verzweifelt vor dem geschlossenen U-Bahn-Eingang. Und doch. Der wilde Aufschrei der gesamten Stadt blieb aus. Im sicheren Schwabenland hätten sich bestimmt viel mehr Menschen ereifert und diskutiert und gelärmt. Hier aber sitze ich in meiner bequemen S-Bahn, die Leute lesen und dösen wie gewohnt, ja der Zug ist sogar leerer als sonst und ich schaffe es gemütlich von Neukölln bis an den Zoo. Ein paar kleine Abweichungen wie ein zaghaft gefragtes „Gehts hier zum Savignyplatz?“ beim ungewohnten Umsteigen am Westkreuz fallen nicht ins Gewicht. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen! Und die Fußgänger, die nun an den großen Straßen entlang durch die Stadt pilgern, machen auch keinen so frustrierten Eindruck. Soll ja auch mal gesund sein, ein Stückchen zu gehen.

Im Januar

Dienstag, 29. Januar 2008

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Das ganz abscheuliche Zwei-Satz-Drama

Samstag, 26. Januar 2008

Es gibt unterwegs niedliche Hundchen mit verwirrtem Blick aus dunkelbraunen Augen, die so süß und trotzdem noch hundlich sind, dass in mir manchmal ein leiser Wunsch aufkeimt, auch mal wieder ein Hundchen zu haben, das ich steicheln kann und das sich in seiner Verwirrtheit in der S-Bahn an mich wendet, auf dass ich es beschütze, was aber eigentlich nicht meine Aufgabe wäre, weil er eigentlich mich beschützen müsste, aber so ist das nun mal mit diesen Wesen.
Andererseits gibt es Hundehaufen wie der, den ich heute in Lichtenberg auf einem Tram-Bahnsteig in der Möllendorfstraße gesehen habe, die so entsetzlich sind, so unsagbar groß und ekelhaft, dass ich mir nicht vorstellen möchte, wer den wegräumen muss, geschweige denn, dass ich selbst jemals für so etwas verantwortlich sein könnte.

Angst. In der U-Bahn?

Mittwoch, 23. Januar 2008

Es gibt schon unglaublich mutige Menschen. Politikerinnen zum Beispiel, die, um sich und der Welt irgendwas zu beweisen, nachts mit der U-Bahn fahren! Natürlich nicht allein versteht sich, sondern wohl behütet von mehreren Leibwächtern und in Begleitung eines Journalisten, die für eine Zeitung mit großen Buchstaben auf Achse sind. Toll. Muss echt der Horrortrip gewesen sein, denn selbst der Journalist war hinterher froh, die Beschützer dabei gehabt zu haben. Ach ja? War das vielleicht ein anderes Berlin, in einem Paralleluniversum vielleicht?
Ich sehe mich mal kritisch in meiner U7 um. Es ist Abend. Sicher werden mich gleich grimmige Neuköllner Horden anspringen und in den Dschungel zerren. In der Tat fehlen zu der Zeit, da ich mich dieser unglaublichen Mutprobe unterziehe, die typischen Angestelltenmassen, die mit stumpfem Blick ihrer Tagesbeschäftigung entgegenzuckeln. Stattdessen steigen mit mir 1. vier türkische Ommis/Mammis ein und
2. eine afrikanische Mutter mit ihren zwei kleinen, dunkelhäutigen Jungs. Na wenn das nicht zum Fürchten ist! Ansonsten ist der Wagen so gut wie leer. Annäherung der Gruppen: Die eine Ommi (dick, bekopftucht, breitbeinig) sagt zu dem einen kleinen Jungen, wie süß er sei, er solle doch mal herkommen. Worte fliegen hin und her, die Mutter grinst, der Junge geht rüber und wird (verlegen lächelnd, man ist ja Kummer gewöhnt) auf beiden Wangen abgeknutscht, dann umarmt, und bekommt dafür Bonbons. Der andere Junge hebt schüchtern den Blick und bekommt auch einen Bonbon. Die Ommi meint aber streng: „Du nicht küssen, du nicht Bonbon, du erst küssen!“ Worauf der sich noch enger an seine Mutter drückt. Na das nenn ich doch mal Horror pur! Da muss man sich auch noch abknutschen lassen, um einen schäbigen Bonbon abzugreifen! Da hätte sich mein Kind aber bedankt … ich muss grinsen und bin nicht die Einzige im Wagen. Die richtige Angst kommt irgendwie nicht auf.
Wie sonst auch nicht.

dauergewellt

Donnerstag, 17. Januar 2008

In meiner Ringbahn sehe ich mich täglich um, man kann ja nie wissen, was für Inspirationsquellen einem sonst entgehen würden. Es gibt zum Beispiel interessante Frisuren, zu Berge stehende Haare, seltsam gefärbte Stoppel, gesträhnte Mähnen und und … oft einfach witzige Ausdrücke dessen, was die Menschen so darstellen wollen. Was ich aber gestern gesehen habe, fand ich gruslig: Die absolut perfekte Frisur. Jede einzelne künstliche Locke türmte sich akurat neben der nächsten, alle Abtönungen stimmten gnadenlos, hellere neben dunkleren Strähnen, das Ganze ein grimmiger Helm, den man sich vielleicht zu Fasching überstülpen würde, blond, bieder, brav. Dauerwelle Marke „Die Sechziger lassen grüßen.“ Mir wurde ganz mulmig beim Betrachten, zumal die Besitzerin des Helms nicht alt war, vielleicht dreißig. Was mag in ihr vorgehen? Die perfekte Sekretärin braucht den perfekten Helm als Schutz gegen die böse Welt? Oder hatte sie schon früh von Mama gelernt, dass man ab einem bestimmten Alter (29?) erstarren muss? Die Arme. Ich jedenfalls konnte meine Augen nicht abwenden … da spart man sich schon die Fahrt mit der Geisterbahn!