Grauer Neuköllner Montag

Montag, 05. Februar 2007 23:41

Es gibt diese trüben Tag, an die man sich später absolut nicht mehr erinnert. Was, den hat’s auch gegeben? Weiß ich nicht mehr. Vielleicht ist da ja ein kleines Meerschweinchen gestorben. Oder ein Bild wurde gemalt vom Lächeln der Fische. Aber der Tag selbst? Vergesst ihn.

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Freitag einer Lehrerin

Samstag, 03. Februar 2007 17:47

Das gibt es: Die Schüler halten ein Referat über einen Feiertag in Russland. Um das Ganze nachvollziehbar zu machen, bekommen alle Zuhörer leckere Pfannkuchen, mit Schmand bestrichen. Torte in Schichten. Ein ulkiges Getränk, das irgendwie unserem Malzbier ähnelt. Köstliche Erzählungen und Bilder auf einem Monitor von alten Traditionen, die an vorchristliche Zeiten erinnern, die wir nie erleben durften. Als noch riesige Strohpuppen zum Winterende verbrannt wurden und die Menschen dazu ihre Lieder sangen. Toll, danke!

Albtraum einer Lehrerin

Mittwoch, 31. Januar 2007 17:54

Was, wenn sich plötzlich alle gegen die Lehrerin wenden würden? Wenn sich die Schüler weigern würden, das Buch zu öffnen, den Text anzusehen, die Übungen zu machen? Chaos und Anarchie! Vielleicht ist sie an diesem Tag müde und erkältet. Sie betritt das Klassenzimmer und ihre (übrigens erwachsenen) Schüler haben schon diesen seltsamen, erwartungsvollen Blick! Dann gehts los. Einer wirft gelassen sein Kaugummipapier auf ihren Tisch. Eine setzt ihre Ohrstöpsel ein, um kreischende Musik zu hören. Zwei sinken auf die Tischplatte und schlafen ein. Und währenddessen bemüht sich die da vorne verzweifelt, die Aufmerksamkeit ihrer erlesenen Gäste zu erringen. Nichts. Kein Erfolg. Irgendwann bricht sie schluchzend zusammen, oder sie verlässt den Raum.
Und was weiter? Grinsen auf den Gesichtern der Zurückgebliebenen. April, April! Oder so was Mieses.

Nur gut, dass das nur ein Traum ist. In Wirklichkeit hängen sie natürlich an ihren Lippen und der Unterricht ist ein einziges Fest der grammatikalischen und sonstigen Erleuchtung!

… und noch ’ne Kontrolle

Dienstag, 30. Januar 2007 13:45

(Heute Morgen, 8.30 Uhr, U7, Rathaus Neukölln)

„Schö’n gutn Morgn, die Fahrausweiskontrolle bitte!“

Wie jetzt? Muss ich jetzt auch noch selber kontrollieren? Soll ich diesen sehr kräftig aussehenden Glatzkopf nach seinem Fahrschein fragen? Ich lass es lieber. Er bedankt sich ja auch schon, als ich ihm meinen zeige.
Seltsam, diese Welt.

Ansichten eines etwas anderen Kontrolleurs

Montag, 29. Januar 2007 10:11

Ich hasse diesen Job. Warum muss ausgerechnet ich jetzt hier stehen und den Leuten zeigen, dass sie böse Schwarzfahrer sind? Ich werde mich erstmal setzen und abwarten. Unauffällig bleiben! Sehen die mich nicht irgendwie komisch an? Die können das aber nicht wissen, dass ich einer von denen bin. Nein, ausgeschlossen. Meine Hände zittern schon wieder.
Schon die Ausbildung war so übel, ich will gar nicht mehr daran denken. „Bloß nicht erweichen lassen!“, ich hätte kotzen können. Hab ich dann ja auch. Warum kuckt der immer so? Macht mich ganz nervös! Ich will das nicht. Immer wenn Oskar wieder losdröhnt mit seinem „Die Fahrausweise bitte!“, dann wird mir ganz schlecht. Gut, dass das keiner weiß, ich brauch diesen Job, verdammt. Es geht wieder los! So, freundlich lächeln, die wollen ja eigentlich nur ihre Ruhe, ist ja auch eine schlechte Tageszeit für eine Kontrolle, so früh morgens. Wieso zerrt der jetzt so panisch an seiner Tasche rum, ich will ihn doch nicht abmurksen, Herrje. Und die Augen von dem, richtig fertig ist der ja. Was mach ich bloß? Erstmal die anderen ansehen, ja, so ist’s recht, jeder hat eine geltende Monatskarte, so liebe ich das. Was, der findet sie immer noch nicht? Ich werd erstmal da hinten kontrollieren. Ach, ich hasse das. Außerdem ist heute Montag und mein Geburtstag. Vergessen wir den einfach! Hihi. Ich denke mal, Oskar hat nichts gemerkt. Guuut so. Das ist jetzt mein kleines persönliches Geschenk. Dumdidumm … Manchmal finde ich den Job gar nicht so schlecht!

Ansichten eines Kontrolleurs

Sonntag, 28. Januar 2007 23:23

(bloß ausgedacht, ehrlich)

Mist, heute muss ich wieder die U7 hinterm Hermannplatz machen, das nervt voll. Warum kriegen immer die anderen die schnieken Gegenden ohne jeden Schwarzfahrer? Echt jetzt. So, drin wär ich schon mal, Bruno steht drüben. Gut, dass ich das nicht allein machen muss, das würde mich voll fertig machen. Was, wenn sich alle Leute gleichzeitig weigern würden, ihre Fahrausweise zu zeigen? Ich wäre erledigt. Und mein Therapeut hätte verdammt viel zu tun! Okay. Wir fahren heute erst ein Stück, dann ist die Überraschung größer. Ha! Könnte doch wetten, dass der schwarzhaarige Typ da keinen Fahrschein bei sich hat. Und die Mami mit ihren Gören? Eins ist noch klein, okay, aber der Junge ist garantiert über fünf. Muss ich unbedingt nachfragen. Igitt, dann immer das verlogene Gejammer: „Aber mein Kind ist erst fünf, wirklich, immer haben wir diesen Ärger, weil er älter aussieht!“ Bla bla blaa. Mir gehn die alle auf den Keks. Wieso kaufen die nicht einfach eine Fahrkarte und verschonen mich mit ihren idiotischen Geschichten? „Huch, ich habe meine Monatskarte in der anderen Tasche, oh Gottogott!“ Ich kanns nicht mehr hören. Solln se doch zu Hause bleiben, wenn ihnen das zu teuer ist! Neulich wollte mir einer doch glatt durch die Lappen gehen und abhauen! Aber nicht mit mir. Gleich gegriffen hab ich mir den! Da kam sogar noch die Polizei dazu, au Mann wasn Theater.
Gut, Bruno gibt mir das Zeichen. Aufstehen, finsteren Blick aufsetzen, damit keiner aufmuckt: „Guten Tag, Fahrscheinkontrolle, die Fahrausweise bitte!“
Was will der Typ von mir? Meine Kontrollberechtigung sehen? Hat der sie noch alle? Verdammt, wo hab ich bloß diese dämliche grüne Karte hingesteckt, gerade war sie doch noch da? Das gibt es doch nicht! Und wieso glotzen die jetzt alle so? Ein dämliches Grinsen da hinten, na, der wird was erleben! Wenn ich erstmal meine Karte habe … Bruno sieht nicht sehr zufrieden aus. Mist, das wird wieder Ärger geben … wie neulich, als mir die Hand ausgerutscht ist … Mist …