Fremde Sprachen

Mittwoch, 24. Januar 2007 13:52

Ich finde es spannend, völlig anderen Sprachen zu lauschen und die Sprecher damit in Verbindung zu bringen. Natürlich hat das immer etwas mit dem eigenen Sprachgefühl und mit der eigenen Sprache zu tun, niemand ist da frei! Da war neulich zum Beispiel dieser Inuit-Film in Originalfassung, der mich fast erschreckt hat – in meinen Ohren war diese Eskimosprache keine schöne Sprache, tut mir leid. Oder aber eine chinesische Nachrichtensprecherin, deren Hochchinesisch für mich wie Musik klingt! Die arabischen Jugendlichen in der U-Bahn, die über ihre Sprache zu stolpern scheinen, weil sie nicht wirklich darin zuhause sind, machen keinen guten Eindruck. Dann wieder heute im Bus zwei Türkinnen hinter mir: Ich konnte hören, dass es sich um zwei intelligente Damen handelte, deren Türkisch mit Bildung und Erziehung zu tun hat. Eine freundliche, musikalische Sprache, ich habe richtig gerne zugehört – ohne ein Wort zu verstehen!
Ich grüße hiermit alle meine türkischen Freunde!

Geschichte 3

Mittwoch, 24. Januar 2007 09:42

vielsam

So eine Klassenreise war schon anstrengend. Verdammt viel Lärm. Die Jungs spielten sich auf, wie immer. Die Mädchen hockten hinten im Bus zusammen und kicherten. Und er saß mal wieder allein in der ersten Reihe und starrte aus dem Fenster. Mit elf ist das Leben nicht einfach. Sogar viel komplizierter, als sich das die Großen so vorstellen. Die haben sowieso keine Ahnung, dachte er.
Er konnte ihre Stimme hören, wie sie mit den anderen lachte. Über ihn? Das wäre schrecklich. Diese Fahrt musste ihn aus der Ungewissheit befreien. Er hatte sich alles genau überlegt. Es gibt ganz unterschiedliche Mutproben. Er hatte sich seine selbst ausgemalt. Wenn sie ihn auslachen würde, wäre sein Leben zerstört, ohne Frage. Die Peinlichkeit würde er nicht aushalten. Andererseits: Ein Versuch? Und wenn sie ihn doch mochte, nur ein klitzekleines bisschen?
Der Bus hielt an. Pause, fünf Minuten!, brüllte der Lehrer. Alle stiegen aus, er blieb noch sitzen, hatte es nich eilig. Als sie an ihm vorbeiging, trafen sich ihre Augen für eine Sekunde. Und plötzlich lag da dieser Zettel neben ihm, ganz klein zusammengefaltet. Er nahm ihn.
Als er ausstieg, hatte sich etwas an ihm verändert. Es würde eine wunderbare Klassenfahrt werden!

Geschichte 2

Mittwoch, 24. Januar 2007 09:26

zweisam und dreisam

Sie wusste, es war heller Wahnsinn. Man darf einem Mann nicht einfach seine Gefühle gestehen! Es würde vielleicht ihr ganzes geordnetes Leben zerstören. Aber es musste raus aus ihr. Okay, Dummheit siegt, sagte sie sich. Und schrieb ihm einen Brief, wie sie noch nie einen geschrieben hatte. Von Gefühlen und Ängsten und Hoffnung.
Als er abweisend und verständnislos reagierte, war sie zunächst traurig. Aber dann: Erleichtert. Sie hatte etwas gewagt, was sie sich nie zugetraut hätte, eine Frechheit, ein Mut, der sie aus ihrem Leben riss! Obwohl es ein klares „Nein“ gewesen war, fühlte sie sich bereichert. Und liebte ihr Leben und ihre Mitmenschen mehr als zuvor. Unlogisch? Aber möglich. Denn sie wusste nun, dass sie zu sich selbst stehen konnte. (Und das muss man erst man schaffen.)

Geschichte 1

Mittwoch, 24. Januar 2007 09:10

einsam

Er saß an seinem Schreibtisch und starrte auf das Telefon. Dies war die letzte Möglichkeit, das wusste er. Den Hörer ergreifen. Die Nummer wählen. Es war doch eigentlich so einfach!
Damals, als Marie ihn verlassen hatte, war ihm noch nicht klar gewesen, wie einsam er sein würde. Heute tat es ihm richtig körperlich weh. Er nahm den Hörer in die Hand und starrte auf die Tasten. Es ging wie von selbst. Wenn wir an einem bestimmten Tiefpunkt angekommen sind, gibt es keine Peinlichkeit mehr, nur noch das Notwendige.
Sie meldete sich fast sofort. Hallo? Ich bins. Hey. Mensch. Können wir uns sehen? Ja. Ich habe so lange gewartet. Endlich. Wann? Gut, morgen. Ich freu mich.
Nur ein kleiner Handgriff! Aber er veränderte sein Leben. Plötzlich ging es auch wieder bergauf mit der Arbeit; die anderen meldeten sich wieder. Und der Hautausschlag verschwand. Zauberei? Nein.

Einfach laufen lassen

Dienstag, 23. Januar 2007 09:31

Den Spruch habe ich mal bei einem Ferienjob in der Fabrik gehört: Laufen lassen, los! Der Vorarbeiter wollte mich wohl vom Nachdenken abbringen, ist ja an einer Maschine, die ständig irgendwas ausspuckt, wohl auch ganz sinnvoll. Manche scheinen sich das als Lebensmotto gewählt zu haben. Nur nicht zögern, nur nicht nachdenken! Hm.

Morgens vor einer Neuköllner Grundschule erinnere ich mich wieder an den Spruch. Ja, wir wollen den Motor laufen lassen! Papa bringt seine Kleinen noch bis zum Klassenzimmer und bespricht die Weltlage mit anderen Eltern, während der Wagen (heute ein Taxi) in der zweiten Reihe wartet, den Verkehr blockiert und vor sich hin qualmt. Rauchverbot? Nicht für Autos! Böse Abgase? Ach was, sind doch Großstadtkinder, die sind das gewöhnt.
Auch wenn die lieben Kleinen wieder abholen werden, sitzt so manche Mutter im Wagen mit laufendem Motor vor der Schule, zehn Minuten und mehr, und starrt auf die stille Schule. Denn noch ist kein Unterrichtsende. Irrsinn.

Neulich wurde mal ein Polizeibeamter eingesetzt, um vor der Schule ein wenig nach dem Rechten zu sehen und die Eltern auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen. Na der hat vielleicht was von denen zu hören gekriegt!

Denn wir dürfen nicht vergessen: Die Autos sind das Gute in unserem Lande. Na denn Prost!

Noch mal zur Rechtschreibung

Montag, 22. Januar 2007 15:45

Eins ist klar: Eine geltende Rechtschreibung ist kein Gesetz, an das man sich halten muss! Es sei denn, man sitzt auf einem Amt und hat seine Bestimmungen. Oder man ist Lehrer oder Schüler. Ich sehe manchmal, wie jemand immer ein „Ü“ durch ein „Y“ ersetzt. Das finde ich originell und nett! Eine Guillotine wartet also auf niemanden, der sich nicht an die Regeln hält. Was aber die aktuelle Rechtschreibung anbetrifft, so treffe ich ständig Leute, die überrascht fragen: Ach, man schreibt jetzt „wie viel„, „im Voraus“ oder „Abschluss„? Ja, tut man. Viele meinen: „Och nö, ich hab das anders gelernt, dabei bleibe ich.“ Da tauchen dann immer noch uralte Formen wie „für’s“ oder „in’s“ auf, die vor dreißig Jahren schon abgeschafft wurden. Und je mehr darüber diskutiert wird, je mehr diese Themen überhaupt ins Bewusstsein vieler Menschen rücken, desto mehr Fehler verbreiten sich. Jetzt ist es schon in der Werbung üblich, die Leute mit „Was willst Du?“ anzureden, obwohl hier nicht mal die alte Briefregelung gilt! Lästig. Auch „Straße“ sehe ich immer mehr mit zwei „s“, weil so eine Art Wahn um sich greift. Ein Grund dafür ist: Keiner hat Lust, sich noch mal hinzusetzen und sich die aktuellen Regeln reinzuziehen. Zu anstrengend. Die Schule ist schließlich vorbei. Da wird dann eben irgendwas aufgeschnappt und etwas nie gehört, obwohl es jetzt Norm ist.

Schade irgendwie. Vielleicht kehrt ja in dreißig Jahren wieder Ruhe ein, wenn die jetzigen Schulkinder groß sind und ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen.