Duftbelästigung

6. Januar 2008 um 15:06 Uhr

Dass manche Düfte für die Mitmenschen nicht angenehm sind, ist bekannt. Da sollte der Herr mit den Verdauungsproblemen eben lieber eine Zeit lang die Bahn verlassen, bevor alle Mitfahrer mit grünen Gesichtern dasitzen. Der ehrlich erworbene Schweiß eines Arbeiters gehört ebenso zum Alltag einer zartbenasten BVG-Benutzerin wie die Rauchwolke, die der hastige Raucher vom Bahnsteig mit reinspült. Alles normal. Was mir aber immer wieder zu schaffen macht sind die „wohlgemeinten“ Düfte, von denen der Spender auch noch glaubt, sie gefielen dem Mitmenschen! Von Parfüms hatte ich schon erzählt; bevorzugt männliche Jugendliche in Neukölln sind manchmal ganz versessen darauf, ihrer Umwelt ihre aktuelle Duftmarke mitzuteilen. Auch heftiger Pfefferminzgeruch kann einem echt den Atem nehmen, wenn auch nicht so mörderisch wie der Knofiteller von vor zehn Minuten. Aber wirklich unangenehm fand ich letzte Woche im Zug die Handcreme einer älteren Dame, die sich damit einschmierte und mich währenddessen erwartungsvoll anstrahlte. Grässlich!
Vielleicht sollte ich öfter mit Wäscheklammer auf der Nase rumlaufen. Oder mir ein Schild um den Hals hängen: Verdufte!

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Festessen

4. Januar 2008 um 13:39 Uhr

Wenn man sich in sicherer Entfernung zu den zurückliegenden Festlichkeiten befindet, kann man auch ungute Erinnerungen auffrischen, die ansonsten lieber unter den Tisch gekehrt gehören. Zum Beispiel Erinnerungen an den 25. Dezember 2007, lang ists her und groß war der Hunger der lieben Verwandten, die sich auf ein köstliches gemeinsames Mahl eingestellt hatten. Früher war das ja Aufgabe der Mutter, dieses zu produzieren, oft in Form irgendeines Vogels. Da sich aber die zuständige Mutter im Laufe der Jahre in eine greise Großmutter verwandelt hat, muss die nächste Generation ran.
So steht denn die unglaublich begabte und begeisterte Wahlberlinerin in einer süddeutschen Küche und überlegt so gegen halb zwölf mittags, wie das Problem zu bewältigen sei. Beilagen finden sich schnell, da vom Vortag noch allerlei Nudeln und Gemüse übrig ist … daraus wird im Nu eine wundervolle Masse für den späteren Auflauf gezaubert. (Der Kommentar des kritischen Bruders wird dann sein: „Ist ja echt verboten, diese Mischung hier im Auflauf, wie kommst du bloß darauf, das alles da reinzuschmeißen?“ Aber darüber wollen wir noch nicht nachdenken.)
Zunächst hält die fantastische Köchin ratlos ein Stück Entenbrust in der Hand. Wohlgemerkt: Eine Brust für fünf Leute. Super. Und bedenklich hart das Teil, so direkt aus der Tiefkühltruhe. Aber die im Umgang mit fleischlichen Genüssen so Geschickte weiß sich schnell Rat: Das tote Vogeltier einfach oben auf den Auflauf schmeißen, ein bisschen mit Würzung einreiben, gefällt dem bestimmt, dann wird das schon!
Stunden später. Die hungrige Greisin seufzt jämmerlich, alle anderen halten sich zurück, weil die zum Kochen Verdammte sowieso schon eine Mordslaune hat. „Wieso muss ich überhaupt kochen, ich kann das gar nicht!“, lässt sich aus der Küche hören, bis sich endlich der erfahrene Bruder erbarmt, das immer noch kalte Federvieh von seinem Gemüsebett befreit und in einer Extraform unterbringt, wir sind also für Einzelhaltung. Das Tierteil wird mit Wein übergossen und blüht schon nach einer halben Stunde zu etwas Essbarem auf. Auch der Auflauf hat jetzt die Chance, überbacken zu werden, der störende Eisklotz ist ja verschwunden. Letztendlich ist alles ganz brauchbar und jeder begnügt sich bescheiden mit dem kleinen Stückchen Ente, das er haben kann. Sogar mit Kruste. Hauptsache, die zum Kochen verurteilte Schwester keift nicht mehr …

Was natürlich nicht fehlen darf in der Festzeit, das ist ein köstlicher Nachtisch! Die hochbegabte Ausnahmeköchin greift zur risikofreien Rotweinmousse eines berühmten Doktors. Zubereitung ganz einfach! Die Sahne wird steif geschlagen. Klappt, diesmal wird sie nicht in Sekunden in Butter verwandelt wie das letzte Mal. Dann das Pulver mit dem Rotwein vermischen, als Schüssel dafür nimmt die begnadete Meisterköchin eine Puddingschale, da gehört so was doch rein. Zauberstab in Bewegung setzen und – in Sekundenschnelle wird alles mit blutrotem Schaum bedeckt. Zauberstab ausschalten. Ein Tortendeckel dient jetzt zur Abschirmung, schließlich müssen die Klamotten geschützt werden. Och, die Küche, das bisschen kann man doch wieder abwischen! Gerührt, geschäumt, gemischt und gegossen: Fertig der echt leckere Nachtisch, nach einer Stunde Aufenthalt im Kühlschrank auch fest und kalt!
Und die Küche? Ein Schlachtfeld. „Schlacht-“ im Sinne von „schlachten“, versteht sich. Überall wurden sie hingeschleudert, die niedlichen, kleinen, roten, klebrigen Punkte! Es ist eine unglaubliche Sauerei, nennen wirs doch beim Namen. Auf dem Toaster, hinter der Brotmaschine, am Wasserkocher, an der Wand, hinter der Lampe, an der Steckdose, überall!!! Die nicht mehr so begeisterte Hobbyköchin beschließt nach stundenlanger Schrubberei, das nächste Mal ein höheres Gefäß zum Quirlen zu nehmen.
Hat aber dann wirklich gut geschmeckt, das Zeug.

Wieder da!

3. Januar 2008 um 22:35 Uhr

Und natürlich hätte ich vieles zu schreiben, aber meine Finger sind leider wund vom Löschen der ganzen grässlichen Spammails, fast zweitausendmal Informationen darüber, wie ich ein gewisses mir nicht eigenes männliches Körperteil verlängern kann, nee danke, mir reichts, heute nix mehr am Computer … werde bestimmt davon träumen, dass es dann auch mit der Nachbarin klappt.

(Was soll ich denn mit der Nachbarin??)

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