Nur mal eben zu Lalldl

Er dachte: So ein schneller Gang zum Supermarkt, das muss doch drin sein. Die Straße rauf, nach links abbiegen, fertig. Aber die Dinge sind nicht immer so einfach.
Vor dem Haus schien es ihm, jemand beobachte ihn. Quatsch, dachte er, wer sollte das denn sein. Abgesehen davon, dass die Leute hier oft andere beobachten, einfach aus Langeweile. Seine Pfandflaschen störten ihn etwas beim Laufen; aber die brachten immerhin die finanzielle Basis für den Nachschub. Was war das? Die Tasche knallte ihm ans Bein, als hätte sie ein Eigenleben, immer wieder!
Er ging schneller. Sollte der Alkohol sein Gehirn schon dermaßen benebelt haben? Auch seinen Ohren schien er nicht mehr trauen zu können. War da nicht eben ein Zischeln hinter dem Baum zu hören gewesen? Und jetzt eine Art Kichern? Er wurde immer nervöser. Ging schneller. Da erschien es ihm sogar, als griffen kleine Hände nach seinen Beinen, als zerre etwas an seiner Hose! Fast hätte ihn die Panik ergriffen. Einige Passanten, ein türkischer Vater mit seiner Tochter und ein älterer Mann mit Fahrrad, starrten ihn befremdet an.
Da fiel ihm die Geschichte ein, die seine Nachbarin von wieder einer anderen Nachbarin erzählt hatte: Von seltsamen Wesen auf dem Dachboden, die man nur mit Dreistigkeit besiegen könne. Wie, wenn diese Wesen jetzt hier auf der Straße unterwegs wären?
Wut packte ihn. Was wollten die denn von ihm? Warum nicht die anderen? Nein, so nicht! Und er stapfte plötzlich mit energischen Schritten über die Neuköllner Pflastersteine, dass es nur so donnerte. Er schaffte es! Stark und mit neuem Lebensmut holte er sich an diesem Tag seine neue Sechserpackung Bier. Niemand sollte ihn aufhalten!

Na gut, nicht in dieser Stunde. Dass dann später seine Schwiegermutter aufkreuzte und ihn sehr wohl aufhielt, will hier wohl keiner mehr hören. Verständlich.

4 Kommentare zu “Nur mal eben zu Lalldl”

  1. SuMuze
    Februar 27th, 2007 12:38
    1

    Ja! Vielleicht war das 6-er Pack auch schon alle, als Schwiegermama kam..

  2. Franziska
    Februar 28th, 2007 07:51
    2

    … oder sie hat es getrunken und ihn auf dem Trockenen gelassen!

    ;-)

  3. SuMuze
    Februar 28th, 2007 08:23
    3

    wie aufopfernd dann – ihm den Rausch durch eigenes Leiden zu ersparen…

  4. Franziska
    Februar 28th, 2007 09:30
    4

    Tja, was so ne rechte liebe Schwiegermama ist …