In den Knast!
Freitag, 17. August 2007Finden wir das gut, wenn ein Wissenschaftler festgenommen wird, weil er wissenschaftlich arbeitet und auch Texte aus Bibliotheken verwendet? Nö? Dann sollte man dagegen unterschreiben.
Finden wir das gut, wenn ein Wissenschaftler festgenommen wird, weil er wissenschaftlich arbeitet und auch Texte aus Bibliotheken verwendet? Nö? Dann sollte man dagegen unterschreiben.
Wahrscheinlich ist es ganz ungesund, sich dem Alltagstrott für eine Weile zu entziehen – man läuft Gefahr, gar nicht mehr zurück zu wollen! Arbeit? Muss das sein? Bahnfahrten durch Berlin? Ganz unterhaltsam, aber auch nicht der richtige Kick. Wenigstens konnte ich einer sehr farbigen, sehr schmuckbehängten freundlichen Dame den Diamantring (?) nachtragen, den sie auf ihrem Sitz hatte liegen lassen. Na immerhin eine gute Tat am Tag …
Da ich mich unbedingt von meinem Tunesienaufenthalt erholen muss, werde ich die nächsten zwei Wochen im Schwabenland verbringen. Ich kann ja dann hinterher so eine Art Vergleichsarbeit erstellen: Wo isst man besser, wo schwimmt man schöner?
Und tschüss!
Zurück nach Deutschland! Es ist schon seltsam, wenn man morgens noch die tunesische Hitze spüren kann und dann abends im kühlen Berlin fröstelnd am Rechner sitzt und sich daran erinnert. Alles ist komisch! Selbst an meine Tastatur muss ich mich erst wieder gewöhnen, nachdem ich den Stress in Tunis überwunden habe.
Ich erzähle jetzt nichts von meiner nächtlichen Fahrt zum Flughafen von Tunis oder von meiner heutigen Alpenüberquerung, vom mickrigen Kuchen im Flieger und Menschenmassen in Milano beim Umsteigen; vom Kälteschock bei meiner Ankunft und von meinem ersten Döner wieder in der Heimat auch nicht. Ich war ja nun nicht monatelang unterwegs sondern nur zwei erfüllte Wochen! Was ich aber heute am frühen Abend noch brauchte, das war mein Abendspaziergang durch die Stadt; und wenn ich die Medina heute nicht haben konnte, so sollte es eben die Karl-Marx-Straße in Neukölln sein! Und oh Wunder: auch hier finde ich ja komische kleine Geschäfte mit Krimskrams; einen Wasserpfeifenladen; muslimische Männer, die am Straßenrand sitzen und ihr Schwätzchen halten; arabische Mütter, die ihre Kinder ankeifen, nur sagen hier die Kinder: Mama, ich will aber nicht … Übrigens klingt das Arabisch auf der Straße hier härter als in Tunesien, finde ich, dazu kommt noch das in meinen Ohren melodiösere Türkisch. Der (türkische) Gemüsehändler schäkert mit einer (deutschen) Kundin. Und ein paar abgestürzte (deutsche?) Typen sitzen am Balkan-Imbiss rum, die obligatorische Bierdose in der Hand. Ich besorge mir im türkischen Supermarkt Schafskäse fürs Abendessen.
Eine Stunde gebe ich mir für diesen Abendspaziergang und anschließend weiß ich: Hey, ich bin wieder zu Hause! Und Tunesien ist gar nicht mehr so fern.
So, heute ist mein letzter Tag hier, morgen in aller Frühe gehts zurück ins vielleicht etwas kühlere Berlin – hier sind etwa 44 Grad und die Leute sehen etwas unfrisch aus, wenn sie hier reinkommen. Es lebe die Klimaanlage!
Wenn ich so zurückblicke, möchte ich vielleicht zwei Dinge festhalten:
Um ein Land wirklich kennenzulernen, ist es am besten, sich allein zu bewegen; nur so kommen die Gespräche mit Unbekannten zustande, nur so will man selbst sich dem Fremden gegenüber wirklich öffnen. Sonst, mit Gruppe oder Familie, hat man ja immer jemanden zum Reden. Auch für die Einheimischen ist eine Gruppe, und wenn sie nur aus zweien besteht, etwas Geschlossenes.
Man sollte als Tourist die vielen Menschen nicht übersehen, die einem hier das Leben erleichtern. Es sind Menschen, die da an der Rezeption stehen, jeder mit seiner Lebensgeschichte, keine Uniformen. Am Wochenende konnte ich viele Europäer sehen, die das völlig vergessen. Auch die Taxifahrer wollen leben. Das gesetzliche Minimum schreibt ihnen ein Einkommen von 50 Cent für eine kurze Strecke vor – gebt ihnen Trinkgeld, Leute, denn davon kann man einfach nicht leben!
So, ich muss abbrechen. Später vielleicht noch mehr!