Weihnachtsgesänge in der U-Bahn

Samstag, 19. Dezember 2009 19:12

Der durchschnittliche U-Bahnbenutzer ist ja doch eher ruhebedürftig, aber anpassungsfähig. Bei scheußlichem Akkordeon-Gedudel (vielleicht sollte man den Besitzern doch einmal erklären, dass es sich um Musikinstrumente handelt) duckt man sich am besten, verschließt die Ohren und spendet nicht, bitte, nicht, um die Lärmerzeuger nicht noch zu ermutigen! Vorgestern aber setzt sich mir gegenüber ein gemütlicher Altpunker hin, schaltet sein Handy ein und es ertönt zu meinem Erstaunen ein ernsthaftes, bariton-geschmettertes „Stille Nacht“. Dann eine kleine Pause. Ich muss schon grinsen. Dann dasselbe Lied, aber als Rockmusik, grimmig-aggressiv. Stimmung kommt auf in der U7! Die Musik wird lauter und wilder und alle scheinen froh zu sein um die kleine Entweihung der erhabenen Heiligkeit. Nur ein einzelner Herr mit Hut setzt sich mit muffiger Miene neben den Punk und freut sich nicht. Sei’s drum. Wir sind eh angekommen und steigen aus.

Gemütlich

Sonntag, 29. November 2009 11:13

Ich mag es, wenn ich samstags die Baumschulenstraße entlanggehen darf und wenn ich sehe, wie die älteren Leutchen sich grüßen, zufrieden ihre Wägelchen zum Supermarkt schieben und mal keine hektische Bombenstimmung wie in der Karl-Marx-Straße herrscht.
Auch wenn ich dort billiger einkaufen könnte.
Und mehr.

Rechts deutsch – links deutsch

Freitag, 20. November 2009 17:24

In Neukölln war das ganz anders. Da strömten nachts eher die arabischen Jugendgangs um den Block. Tagsüber konnte ich eine bunte Mischung aller Nationalitäten genießen und dann schnell bei Ahmed was einkaufen. Jetzt ist alles viel deutscher. Nachts hört man schon mal Klänge von der Straße, die wohl auch zu Zeiten des letzten Krieges beliebt waren. Tagsüber sind es nette alte Rentner und gemütliche Verkäuferinnen, die noch von „Fidschis“ sprechen. Abends aber sehe ich auf der Straße grimmige junge Leute, blond und kampfbereit, die sich zu langweilen scheinen und am liebsten unter sich bleiben wollen. Unter Deutschen eben. Mit ihren Kampfhunden. Igitt.

Winzlingskrimi

Dienstag, 27. Oktober 2009 17:08

Seine Hand zitterte, als er die Waffe auf den Mann richtete. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren! Alles hing von den nächsten Sekunden ab, alles. Ob Gundi zu ihm zurückkehrte. Ob er die Wohnung behalten konnte. Und ob er einfach genug Geld hätte, um weiterzuleben!
Er drückte ab.

Ganz kleines Liebesdrama

Dienstag, 27. Oktober 2009 16:59

Sie starrte auf die Tasten ihres Mobeltelefons, bis die Augen zu tränen anfingen. Er antwortete nicht. Wieder nicht. Keine Reaktion, nur böses, kaltes Schweigen. Sie hatte es geahnt! Sicher saß er schon mit dieser oberdämlichen Sandy im Eiscafé. Sicher hielten die beiden Händchen, während sie hier fast starb vor Sehnsucht. Er hatte sie ja gar nicht verdient! Ja, sie würde Schluss machen, ihr Entschluss stand fest, sie würde es ihm so richtig fett reinwürgen. Er sollte genauso leiden wie sie!
„Ja, hallo? Bist du’s, Kleine?“ Es machte ein kleines „Pling“ in ihrem Herzen. „Hey du, ich hatte solche Angst, du könntest …“ – „Na hör mal. Ich hab gerade Prüfung gehabt! Sehen wir uns nachher?“ Sie schmolz dahin. Alle bösen Gedanken waren vergessen. Oh ja, er war ihre große Liebe, und nichts würde sie auseinanderbringen!

Klein, aber fein

Dienstag, 27. Oktober 2009 16:50

Man könnte eine Mini-Liebesgeschichte erfinden, den Winzlingskrimi, das Tropfen-Drama: Klein muss es sein, und alle Merkmale seiner großen Kollegen haben. Nur aber so klein, dass man das Werk mal eben in der U-Bahn vom Handy ablesen kann.
Und wenn mir dann jeder Leser einen Euro pro Drama zahlen würde, was wär das fein!