hä?

Dienstag, 20. November 2007 21:37

Wenn ich in der S-Bahn sitze und russischen oder arabischen oder türkischen Gesprächen lausche, ist es für mich normal, dass sie anders sprechen als ich. Mir gefällt das! Und irgendwelche Brocken verstehe ich immer. (Grinst stolz)
Wenn ich aber neben zwei Jugendlichen sitze, die offensichtlich Deutsche sind, und wenn ich trotzdem nicht richtig verstehe, was sie meinen, gefällt mir das nicht. Vor allem, wenn ihre Weltsicht so eklig ist, dass ich den Brechreiz unterdrücken muss. Oder einen Schreikrampf.
Ich erfahre, dass der Bruder des einen ein Jude ist. Interessant. Der andere scheint das aber als Beleidigung aufgefasst zu haben, denn er setzt hinzu, dass er diesen Menschen hasst. Kurzes Gerangel daraufhin, reizend, so neben mir. Dann erfahre ich, dass ein Mitschüler voll schwul sei (jetzt glaube ich es schon nicht mehr) und ein Lehrer der beiden pädophil (kinderliebend?). Hm. Lange Hasstiraden auf diesen Lehrer. Dann höre ich noch, dass Hauptschüler echt dümmer sind, weil diese zwei (super Intelligenzbolzen) als Gymnasiasten viel besser wüssten, wie man chillen kann. Aah ja.

Wenn das die „Jugend von heute“ ist, dann gute Nacht. Am Ende habe ich noch gelernt, dass man nicht zum Bund muss, wenn man angibt, man sei schwul. Oder Bettnässer. Denn die nehmen sie nicht, beim Bund. Na dann hoffe ich doch mal, dass der nette junge Mann aus der S-Bahn das auch wirklich angibt bei seiner Musterung! Er wollte nämlich ausgemustert werden, weil er dann keinen Ersatzdienst zu leisten hätte.
Wieder viel gelernt unterwegs. Vor allem, dass ich lieber meinen türkischen Mitbürgern zuhöre.

Auf einen Sprung nach Prag

Donnerstag, 15. November 2007 23:06

Wenn ich Koffer ohne Rolltreppen geschleppt habe, ein überteuertes Taxi bezahlt habe, ein nettes Hotel kennengelernt habe, Wind und Wetter und nasse Schuhe erlebt habe, die Altstadt bestaunt und nachts auf der Karlsbrücke gestanden habe, um beleuchtete Gebäude und knieende Bettler zu betrachten, wenn ich mich durch Geschäfte mit Spejbel-und-Hurvinek-Marionetten und bunten Ansteckern gekämpft habe und schließlich mit heißer Schokolade im Bauch wieder im Zug sitze, erschöpft und zufrieden, dann weiß ich: Ich war in Prag.

November in Neukölln

Dienstag, 06. November 2007 21:58

Wenn die Menschen gereizt aus der S-Bahn drängen, sich schubsen und ignorieren, wenn sie im Supermarkt einen Berg von roten Münzen an die Kasse legen und die Wut der anderen Kunden auf sich ziehen, wenn der Nieselregen unter den Kragen kriecht und die Bücher durchweicht, wenn nachmittags um vier schon dunkelt und kaltet und munkelt und …
ja dann will ich Urlaub am Mittelmeer machen. Ich will nach Tunesien! Ich will jetzt sofort Sonne und Wärme und lächelnde Gesichter!!!

November

Sonntag, 04. November 2007 23:23

Buntes Herbstlaub gibt es aber auch in Berlin!

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ganz doll cool – in Neukölln

Sonntag, 04. November 2007 23:12

Als türkischer Jugendlicher in Neukölln hat mans aber auch nicht leicht! Man kann nicht einfach nur die Karl-Marx-Straße entlangschlendern, nee. Man muss sich das Handy lässig ans Ohr drücken und wilde türkische Diskussionen bestreiten, zwischendurch kräftig ausspucken und einen Gang zeigen, der so verwirrend breit- bzw. o-beinig ist, dass man als Betrachterin schon nachdenklich wird. Ist das noch gesund? Ist irgendwas los mit seiner Männlichkeit? Dazu trägt er die zurzeit obligatorische Kapuzenjacke, wahlweise in Schwarz oder gestreift, die sind ganz in. Ob Stoffjacken bei Regenwetter cool bleiben, ist Nebensache.
Die Straße überquert er nicht etwa bei Grün, nein, bei Rot und intensiver Handybeschallung, sodass der heranbrausende Autofahrer zaghaft stehen bleibt, man kann ja nie wissen. Unser Freund wirft ihm nur einen ärgerlichen Blick zu und schwingt sich dann lässig über das Geländer am Straßenrand, weil ja Absperrungen nur verklemmte Spießer und Deutsche abhalten, nicht aber unseren jugendlichen Helden aus der Türkei.
Schade irgendwie, dass er nicht auch zu Hause mutig der Mutti den Müll runterbringt, sondern schon hier das Machodasein probt. Zumindest, solange Papa nicht zu Hause ist.

gestern, in Berlin

Freitag, 02. November 2007 21:40

Es ist ja durchaus verständlich, dass man als Zweiradfahrer auch mal auf den Bürgersteig ausweicht, wenns auf den Straßen zu voll ist. Gestern so Richtung Alex muss es wohl so voll gewesen sein, dass auch ein motorisierter Zweiradfahrer diesen Weg gesucht hat. Na wir haben ja auch hier vielleicht noch Verständnis. Die Tatache, dass der Motorradfahrer ein Polizeibeamter war, bestärkt den Betrachter natürlich nur in der Annahme, dass sein Vorbeibrausen an den ruhenden Automassen unbedingt für die Menschheit notwendig war. Etwas irritierend fanden die Passanten aber die gellenden Schreie einer älteren Frau, die dem Polizisten hinterherrannte; und das Ding, das er aus unerfindlichen Gründen mit sich zog und das durch die zügige Fahrt ordentlich auf und ab geschleudert wurde. Es hing an einer Art Seil am Motorrad. Erst als der rasende Beamte zum Stoppen gebracht wurde, stellte sich heraus, dass das Ding dummerweise der Hund der schreienden Dame war. Er hörte dann auf sich zu bewegen, und sie hörte nach einer Weile auch auf zu schreien.
Vielleicht sollte man auf einem Bürgersteig doch mal flüchtig nach gespannten Hundeleinen und anderen Dreistigkeiten Ausschau halten; auch wenn man unser Freund und Helfer ist.