Farbenspiele
Donnerstag, 11. Januar 2007 23:05
Donnerstag, 11. Januar 2007 22:57
Die Augen: Geschlossen. Keiner spricht. Gegenüber raschelt eine Zeitung. Neben mir raschelt eine Tüte vom Bäcker. Gemütliches Kauen. Ein kleiner Duft nach Kaffee. Ein Fiepen irritiert mich, bis ich merke, dass da ein Hund leidet, der nicht gerne S-Bahn fährt. Armes Tier. Frauchen streichelt.
Die Augen: Kurz geöffnet. Staunen. Der Himmel ein unglaubliches Bild! Kurzer Gedanke an China: Der Osten ist rot. Am liebsten würde ich meinen Nachbarn anstoßen, Mensch, sehnse mal, der Sonnenaufgang! Aber das gehört sich nicht. Und wer weiß, vielleicht würde der ihm gar nicht so gut gefallen wie mir. Die Geschmäcker sind ja doch verschieden.
Meine Lektüre bleibt in der Tasche. Ich kann den Blick einfach nicht abwenden. Rosa-orange Streifen, verschiedene Schichten, das Grau wird vertrieben. (Kitsch pur, sowas darf man ja nicht malen) Der Zeitungsleser von gegenüber faltet sein Blatt zusammen und hebt den Blick: und erstarrt verblüfft.
Ha, es hat ihm auch gefallen!
Na also. So fängt doch ein Tag gut an.
Mittwoch, 10. Januar 2007 10:03
Jetzt geht es mir doch glatt wie Donald! Ich habe Daisys Geburtstag vergessen. Und das beim Siebzigsten!
Ob eine Frau allerdings unbedingt durchdrehen und rumkeifen muss, wenn sowas passiert, ist eine andere Frage. Und auch Stöckelschuhe und Haarschleifchen sind nicht eben meine Sache. Aber lachen kann ich über diese Klischees allemal!
Aber was schenkt man da eigentlich?
Dienstag, 09. Januar 2007 23:16
Manchmal ist die Armut offensichtlich. Heute bei dem alten Mann an der S-Bahn zum Beispiel, der sich einen kleinen Stuhl dort am Eingang aufgestellt hatte und zusammengesunken bettelte. Das heißt: Er hielt einen kleinen Plastikbecher in der Hand und tat nichts.
Aktiver war da schon der junge Mann vor dem Supermarkt. Der saß da mit seinem Hund und grinste alle an. Sein Arm bewegte sich fordernd.
Noch aktiver aber sind die alten Menschen, die in aller Frühe aufstehen, um in der Nachbarschaft die in der Nähe gestapelten Zeitungen zu verteilen. Hab ich auch nicht gewusst.
Dienstag, 09. Januar 2007 08:37
Er war lange Zeit nicht mehr in Berlin gewesen. Alles schien so fremd. Schon dass man Kochstraße aussteigen und dann immer weiter nach Norden gehen konnte, zu Fuß, die Friedrichstraße entlang! Unfassbar. Dafür hatten seine Mitmenschen natürlich wenig Verständnis. „Amerikaner“, dachten sie vielleicht, und das wars dann. Obwohl er ja auch aus Deutschland kam.
An jenem Morgen wollte er die S-Bahn nehmen, die Ringbahn – auch so eine fantastische Änderung. Das wäre praktisch gewesen zu seiner Studienzeit, nicht mit der öden U7 durch die halbe Stadt! Damals. Er träumte vor sich hin. Hier in Neukölln hatte sich nicht so viel geändert, die Karl-Marx-Straße sah fast so aus wie vor dreißig Jahren. Die Brücke des S-Bahnhofs, auf der er jetzt stand, hatte er oft gesehen. Und nicht beachtet.
Alle Leute um ihn herum wirkten gelassen. Gelangweilt. Ein ganz normaler Morgen für sie. Man wartete auf den Zug. Die Anzeige: Noch zwei Minuten. Er starrte ebenso vor sich hin. Hörte dann das Motorengeräusch. Blickte auf, über die Dächer Neuköllns: Ein Flugzeug! Klein, mit Propellern. Es näherte sich der Stadt. Panik ergriff ihn. Ja sahen sie denn nicht die Gefahr? Hörten sie es nicht? Immer tiefer ging es, schon fast streifte es die Häuser. Und immer noch dieser Stumpfsinn bei seinen Mitmenschen. Nein! Das durfte nicht sein! Gleich würde es krachen, Schreie, Sirenen. Und niemand wollte etwas tun, weil hier in dieser Stadt offenbar nur noch Gleichgültigkeit regierte. Immer näher. Lauter.
Da fing er an zu schreien. Er rannte los. Schüttelte die Passanten, brüllte sie an. „Man muss was tun!“, und „Nein, nein!!“. Sie sahen ihn verständnislos an. Ja waren sie denn blind? Zu spät, nur noch wenige Sekunden!
Ein älterer Herr klopfte ihm beruhigend auf den Rücken. „Keine Panik, junger Mann. Det is hier immer so. Da drübn is der Flughafen Tempelhof, wissense.“
Beschämt verließ er den Bahnsteig, unter mitleidigen Blicken. Morgen ging sein Flug zurück nach New York. Nach Berlin würde er so schnell nicht mehr kommen.
Montag, 08. Januar 2007 18:10
Es ist Sonntagabend, und ich steige Rathaus Neukölln aus der U7. Ein kleiner Menschenauflauf ganz vorne an der U-Bahn irritiert mich. Was ist los? Wohin starren sie, kichernd? Ins Fahrerhäuschen der U-Bahn. Der Fahrer schläft tief. Kann das sein? Vielleicht ist es ja nur ein 10-Sekunden-Schläfchen an einem Bahnhof. Kopf ans Fenster gelehnt, Augen fest geschlossen. Vielleicht aber kann die U-Bahn auch mit schlafendem Fahrer ans Ziel kommen? Wie im Flugzeug: Schalten Sie auf Autopilot!
Mit mulmigem Gefühl gehe ich weiter.