Und am Ende: Nur mal eben nach Europa

28. Februar 2007 um 8:37 Uhr

Alles war eigentlich so hübsch vorbereitet, wie vor dem Backen Mehl, Zucker, Butter und Eier nur noch darauf warten, in einen leckeren Kuchen verwandelt zu werden: Die Flugzeugträger standen bereit. Ach nein, die Kitty musste noch herbei zitert werden, damit auch böse kleine Bootchen der Feinde sich nicht den lieben großen Schiffen der Freunde nähern konnten. Dafür brauchte man die Hubschrauber von der Kitty. Vorbereitet war auch die Stimmung der Presse – zu viel Ärger wollte man doch nicht. Auch das Land hinter Palästina spielte mit und gab eifrig Drohungen von sich. Wie gesagt, alles hätte nach Plan laufen können. Wenn nicht diese unerfreulichen Ereignisse in Europa alles umgeworfen hätten. Ein völlig neuartiger Feind machte dort die Regierungen machtlos. Der Terror sei ursprünglich in Berlin, Neukölln, losgegangen, hieß es, aber niemand im Land des Großen Bruders wusste es genau. Nur das Resultat war offensichtlich: Chaos und Anarchie. Keiner ging mehr zur Arbeit. Keiner funktionierte mehr. Und hinter jedem Baum warteten kichernde kleine Wesen, erzählten welche.
Da war es klar, dass diese Gefahr größer war als atomare Aktivitäten im Ölland. Es sollte ein Leichtes sein, vom Golf zum Ärmel zu wechseln. Absprachen mit alten Freunden waren nun nicht mehr möglich. Europa war als neue Gefahr erkannt, und die musste gebannt werden!

Es ging nachts los, und das Erstaunen in Paris, Berlin und Bern war groß. Aber nicht lange, denn bald war niemand mehr da, der sich wundern konnte. Piff, Paff, Schluss. Aufgeräumt.

Wenn der Kuchen gebacken ist, muss man noch ein bisschen warten, bis er abgekühlt ist. Und währenddessen die Krümel wegräumen. Dann kann man sich über das Ergebnis freuen. Tief einatmen und: Guten Appetit!

… und nie wieder nach Neukölln?

27. Februar 2007 um 8:37 Uhr

Achtung, die Gefahr ist noch nicht gebannt. Wie soeben gemeldet wurde, mussten weitere Straßen südlich der Ringbahn in Neukölln gesperrt werden. Zeugenaussagen zufolge werden Fußgänger von nicht sichtbaren Wesen angegriffen und ausgeraubt. Einem fünfjährigen Jungen wurden sogar alle Süßigkeiten genommen, die er aufgrund seines Geburtstages in den Kindergarten mitnehmen wollte. Nur sein Wurstbrot blieb unberührt. Die Einwohnerschaft traut sich nicht mehr auf die Straßen und die Polizei ist völlig ratlos. Herr Mayer-Mörgel, der hiesige Polizeichef, spricht von einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes: Wie soll man verdammt noch mal die Viecher kriegen, wenn man sie nicht sehen kann?, soll er verzweifelt ausgerufen haben.
Erstaunlich ist bisher nur, dass sich die Gefahr noch nicht über die Bezirksgrenzen ausgebreitet hat: Sie scheint sich tatsächlich nur auf Neukölln zu beschränken, dort allerdings so sehr, dass ein Alltag im bisherigen Sinne nicht mehr möglich scheint.

Wir werden weiter berichten!

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Nur mal eben zu Lalldl

26. Februar 2007 um 23:55 Uhr

Er dachte: So ein schneller Gang zum Supermarkt, das muss doch drin sein. Die Straße rauf, nach links abbiegen, fertig. Aber die Dinge sind nicht immer so einfach.
Vor dem Haus schien es ihm, jemand beobachte ihn. Quatsch, dachte er, wer sollte das denn sein. Abgesehen davon, dass die Leute hier oft andere beobachten, einfach aus Langeweile. Seine Pfandflaschen störten ihn etwas beim Laufen; aber die brachten immerhin die finanzielle Basis für den Nachschub. Was war das? Die Tasche knallte ihm ans Bein, als hätte sie ein Eigenleben, immer wieder!
Er ging schneller. Sollte der Alkohol sein Gehirn schon dermaßen benebelt haben? Auch seinen Ohren schien er nicht mehr trauen zu können. War da nicht eben ein Zischeln hinter dem Baum zu hören gewesen? Und jetzt eine Art Kichern? Er wurde immer nervöser. Ging schneller. Da erschien es ihm sogar, als griffen kleine Hände nach seinen Beinen, als zerre etwas an seiner Hose! Fast hätte ihn die Panik ergriffen. Einige Passanten, ein türkischer Vater mit seiner Tochter und ein älterer Mann mit Fahrrad, starrten ihn befremdet an.
Da fiel ihm die Geschichte ein, die seine Nachbarin von wieder einer anderen Nachbarin erzählt hatte: Von seltsamen Wesen auf dem Dachboden, die man nur mit Dreistigkeit besiegen könne. Wie, wenn diese Wesen jetzt hier auf der Straße unterwegs wären?
Wut packte ihn. Was wollten die denn von ihm? Warum nicht die anderen? Nein, so nicht! Und er stapfte plötzlich mit energischen Schritten über die Neuköllner Pflastersteine, dass es nur so donnerte. Er schaffte es! Stark und mit neuem Lebensmut holte er sich an diesem Tag seine neue Sechserpackung Bier. Niemand sollte ihn aufhalten!

Na gut, nicht in dieser Stunde. Dass dann später seine Schwiegermutter aufkreuzte und ihn sehr wohl aufhielt, will hier wohl keiner mehr hören. Verständlich.

Nur mal eben die Wäsche aufhängen

22. Februar 2007 um 21:52 Uhr

Eigentlich hätte sie es wissen sollen. Spät am Nachmittag Wäsche zu waschen konnte nur eins bedeuten: Ärger. Schon allein wegen der Dunkelheit.
In der Tat war es stockdunkel, als sie schließlich den schweren Korb nach oben auf den Dachboden trug. Sicher, es hätte wohl früher klappen können; aber da war dann dieser nette Anruf gewesen. Und noch ein Tässchen Tee. Und nun hatte sie den Ärger.

Es ist in diesem Haus nicht so, dass die Nachbarn sich über irgendetwas aufregen würden, nein. Die sind es nicht.
Man sieht sie nicht. Aber sie verteidigen eifrig ihre Dunkelheit und den Dachboden bei Nacht. Dabei war es doch höchstens 19 Uhr! Aber Logik hilft bei solchen Wesen wohl nicht.
Es fing an mit ekligen Geräuschen. Das kannte sie schon, und sie beachtete sie nicht. Dann kam das huschende Getrappel über den Holzboden. Sehr lästig, wenn man so allein da oben eiskalte, feuchte Unterhosen auf die Leine hängt.
Danach fingen sie leise kichernd an, kleine Wäscheteile aus dem Korb zu reißen und auf den Boden zu werfen. Ärgerlich! Der Boden ist nämlich überaus staubig, weil niemand sich dort für die Sauberkeit zuständig fühlt.
Sie wurde immer wütender, was immerhin ihre Angst vertrieb. Sie peitschte mit einer nassen Socke durch die Luft, was ein kreischendes Aufheulen verusachte. Jetzte konnte sie schon grimmig lächeln. Was, wenn sie einmal das Dachbodenfenster öffnete? Das Gitter konnte man ganz leicht lösen. Dumm wie sie waren, konnte der Plan klappen. Jetzt davor auf und ab gehen …
Und es klappte. Man hörte an jenem Tag ein seltsames Pflatschen auf der Straße, aber niemand sah etwas Besonderes. Von da an wusch sie fröhlich pfeifend sogar noch spät abends und hängte ihre Wäsche um Mitternacht auf. Ha! Denn wer zuletzt lacht …

Allerdings soll es in der Nachbarschaft seitdem einige Veränderungen gegeben haben. Aber davon ein andermal.

Nur ein Film

21. Februar 2007 um 8:51 Uhr

Gestern sah ich einen japanischen Film, der von vier Kindern in Tokyo erzählt, die von ihrer Mutter verlassen wurden. „Ich muss arbeiten, seid schön brav!“ war so etwa das Letzte, was sie zu ihnen sagte. Dann kümmert sich der Älteste (12) um die Kleineren. Dumm, dass nach einiger Zeit das Geld ausgeht und damit Strom, Gas und Wasser versiegen. Was mich aber am meisten erschütterte: Dass sie wirklich versuchten, sich an die Anweisungen der Mutter zu halten! Nicht laut sein. Nicht auf den Balkon gehen. Fleißig lernen, ohne Schule und Anleitung allerdings.

Ein trauriger Film. Er hieß übrigens übersetzt „Keiner weiß es“. Ich frage mich, wie die Geschichte in Deutschland weitergegangen wäre.

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Der Katzenmann

um 8:43 Uhr

Nein, mir schwebt kein Wesen mit übermenschlichen Kräften vor, das sich anmutig von Dach zu Dach schwingt. Früh morgens sehe ich hier gleich um die Ecke einen alten Mann mit seinem Fahrrad. Er hält an einer bestimmten Stelle an: Dort gibt es etwas Grün (schmuddelig) und eine Bank (noch schmuddeliger), und er klingelt plötzlich wie wild. Warum? Er ruft die Katzen herbei! Denen gibt er dann etwas zu fressen und unterhält sich mit ihnen. Auch mit den Passanten, von denen viele ihn schon kennen. Eigentlich doch schön, so einen bescheidenen Lebensinhalt zu haben. Keine Karriere. Kein Porsche. Aber jeden Tag den Katzen eine Freude machen. Hm.
Neulich sah ich dort auch einen, der fütterte die Tauben. Taubenmann?

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Rosenmontag

19. Februar 2007 um 10:56 Uhr

Hurra! Wir sind in Berlin und müssen nicht mitmachen! Ich glaube, wenn ich am Rhein wohnen würde, würde ich spätestens heute nach Berlin kommen. Dummdädummdää. Wenn sich hier am Wochenende ein zaghafter Mensch mit ulkigem Hütchen und aufgemalten Sommersprossen gezeigt hat, hat er/sie höchstens ein mildes Lächeln bei seinen/ihren Mitmenschen geerntet. Oder eher keine Reaktion, schließlich sind wir in Berlin, und jeder läuft sowieso rum, wie es ihm passt.
Nur beim Fernsehen gerate ich beim Zappen aus Versehen in eine Karnevalsveranstaltung. Und da verstehe ich dann, warum mich die organisierte Ulkerei so rasend macht: Rosenmontag kommt ja gar nicht von den Rosen, sondern von „rasen“, verrückt spielen! Kein Wunder also.

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sozial – asozial

um 10:46 Uhr

Heute Morgen, vor einer Drogeriemarktfiliale. Da erst in zwei Minuten geöffnet wird, darf ich noch die anregenden Gespräche meiner Mitwarter belauschen. Gegenüber warten die Kinder der kleinen Kita munter auf einen Ausflug, Erzieherinnen und Mütter reden auf sie ein, Stimmung gut. Hier weniger.
Eine extrem Sonnenstudio-gebräunte Frau zischelt zu ihrem Mann:
Jetzt kuck dir mal den Kindergarten an, voll asozial, sage ich dir, det sieht man schon, so ein besch… Kindergarten, da würde ich nie mein Kind hintun, det is echt Sch… da.
Der Mann schweigt nachdenklich und sie proletet weiter und weiter. Ihre Ausdrucksweise ist leider so, dass ich sie hier nicht wiedergeben kann, man weiß ja nie, ob Kinder mitlesen.

Jetzt frage ich mich aber doch, was sie mit „asozial“ meinte. Gegen die Gesellschaft? Ohne soziales Denken? Vermutlich hat diese Frau ein gewisses Problem mit dem Ausdruck, denn sie verwendete ihn mehrere Male. Vielleicht mag sie niemand und sie ist ganz allein, nur mit ihrem Mann, der ihr nie widerspricht? Traurig. Nur gut, dass die fröhlichen Kinder das nicht mitgekriegt haben.

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