Archiv für die Kategorie 'Alltag'

nett und nicht so nett

Dienstag, 09. Oktober 2007

Vielleicht liegt es ja am Herbst und den ganzen Viren, die so durch die Luft schwirren, dass die Leute jetzt wieder finstrer dreinblicken als noch vor wenigen Wochen. Es wird wieder gehustet und gemeckert und geschnorrt und gestritten … Ich sammle wie immer meine Eindrücke und merke (ach was?), dass es erfreuliche und weniger erfreuliche gibt. Die würde ich gerne so stückchenweise servieren.

Nett finde ich zum Beispiel, wenn ein Busfahrer noch vorne an der Ampel die Tür öffnet, um einen späten Fahrgast einzulassen. Das passiert total selten und ist denen sicher untersagt! Also danke, lieber unbekannter Busfahrer. Das ist menschenfreundlich. Nur schade irgendwie, dass es sich der Fahrgast dann nochmal anders überlegte, weil er in der Eile nicht bemerkt hatte, dass das gar nicht sein Bus war …

Nicht so nett finde ich es, wenn einer sich in der S-Bahn so an die mittlere Haltestange schmiegt, dass sich sonst keiner mehr daran festhalten kann. Wohin soll ich denn meine Hand schieben? In seinen Rücken? Unter seine Haare? An seinen Hintern? Igitt, nee danke.

Überhaupt nicht nett finde ich, wenn jemand so ungewaschen stinkt, dass ich (wie heute Nachmittag) kaum atmen kann am Postschalter, als der schmierige Typ mit den fettigen Haaren schon längst wieder weg ist. Eklig. Und der sah nicht so aus, als hätte er unter der Brücke genächtigt!

Laubgebläse? Nein danke!!

Samstag, 06. Oktober 2007

Ich weiß ja, ein bisschen philosophische Gelassenheit tut sicher gut, vor allem zu Beginn des Wochenendes. Außerdem geht es ja um deutsche Straßenreinlichkeit, da sollte ich mich der Tradition beugen und auf den Anblick des Herbstlaubs gnädig verzichten … aber! Aber, verdammt noch mal, ich hasse es, wenn ich Samstagmorgen noch vor acht Uhr von diesem gellenden, brüllenden Blasgeräusch dieser widerlichen Maschinen, die die orangen Männer der Stadt jetzt auf ihrem Rücken tragen, aus meinen Träumereien gerissen werde! Ich hasse es!!! Und wenn ich die Verantwortlichen eines Tages zu fassen kriege, dann wehe … es ist ja nicht das erste Mal. Früher, ja da hörte man noch ein zartes Besenscharren und stellte sich dabei vielleicht einen bunten Blätterberg oder einen nachdenklichen Straßenkehrer wie Beppo vor. Heute ist es ein grauenvolles Laubgebläseteil, das alle Blätter runter vom Gehweg pustet, auf die Straße etwa, oder unter parkende Autos. Die Dinger sind so laut, dass der Lärm mir richtiggehend körperliche Schmerzen bereitet und ihre Träger kommen mir wie orange bösartige Monster vor. Und es ist so sinnlos! Schafft sie ab! Schmeißt sie weg, diese Maschinen!
Dann kann ich vielleicht auch wieder etwas Herbstlaub auf meiner noch bebaumten Straße bestaunen.

Am 4. Oktober: Schweigen für Burma

Mittwoch, 03. Oktober 2007

Drum stelle ich dieses Bild schon heute rein,
morgen will ich ja schweigen. Ausnahmsweise.


Free Burma!

Herbstanfang

Montag, 24. September 2007

Heute (Supersonnentag, ich an Wann- und Schlachtensee unterwegs) war wohl der letzte Sommertag; alle unken, dass es nun wirklich mit dem Herbst losgeht. Da stimme ich mich doch schon mal mit dem passenden Kürbisbild drauf ein!

kuerbis.jpg

Kladow – wo liegt das denn?

Sonntag, 23. September 2007

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, sich ohne eingeschaltetes Mobiltelefon zu einem Termin zu begeben: So erfährt man eventuell zu spät von einer Änderung – und kann dann mal so richtig spontan sein! Wie ich gestern.
Freitagnachmittag, halb drei, S-Bahnhof Wannsee. Was mache ich bloß? Ich schwinge mir meinen Rucksack mit den ganzen Büchern auf den Rücken und gehe zum Hafen runter. Mal sehn … leichte Bodenseegefühle kommen auf. Dazu Sonne, Schäfchenwolken, traumhafte Temperaturen und ein leichter Wind. Nö, da will ich nicht gleich wieder zurückrasen und mich zwischen die Häuserzeilen klemmen. Stattdessen sehe ich mir die Schiffe an. Eine 4-Seen-Rundfahrt? Muss nicht sein. Ich gehe weiter und sehe eine recht lange Menschenschlange vor einem recht kleinen Schiffchen. Gibts da was umsonst? In der Tat! Von den Wartenden erfahre ich, dass das die Fähre nach Kladow ist! Das finde ich aber mal nett. Zwanzig Minuten darf ich mit meiner BVG-Monatskarte über den See tuckern und mir die grünen Ufer ansehen, ohne etwas bezahlen zu müssen. Danke für diese Erfindung! Ich setze mich also neugierig an Deck und genieße das Wetter, die Schiffchenfahrt und meine unerwartete Freiheit. Wir legen schließlich auf der anderen Seite an und ich mache meine ersten, zögerlichen Schritte am Ufer entlang. Schön! Und ruhig und leer und spätsommerlich. Altmodische Häuschen und Villen, aber auch Zugang zum See, entspannte Spaziergänger und Einheimische. Was hatte mir die Frau in der Warteschlange auf meine Fragen nach Kladow gesagt? Dorfidylle und Spießer könne ich sehen. Na denn – heute nichts dagegen.
Wenn ich groß bin, will ich auch Spießer sein …
Und soll ich wieder die Fähre zurück nehmen? Ich entdecke eine Bushaltestelle: Der Bus fährt bis Spandau, es gibt sogar einen bis zum Zoo, aber der ist gerade weg. Also sehe ich mir die fremde Landschaft mal vom Oberdeck an, ganz vorne ist auch noch frei.
Ich genieße diese Fahrt, diesen Nachmittag, kann sogar Spandau besichtigen, und komme todmüde gegen sechs wieder heim. Wieder kaum gearbeitet … aber gelebt. Ist auch viel besser.

Und am Weltkindertag in den Britzer Garten – nicht zu den Massen

Sonntag, 16. September 2007

Was macht denn die arme Neuköllner Familie, wenn sie Sehnsucht nach Grün hat? Sie kann zum Beispiel in den Britzer Garten fahren, eine ehemalige BUGA. Man muss sich nur den widerstrebenden Zehnjährigen unter den Arm klemmen (zehn Meter hinter unserem Haus heißt es dann schon „Können wir jetzt wieder umdrehen?“) und los gehts.
Der Park kostet Eintritt, dafür hat er den Vorteil, dass man weder in Hundehaufen tritt noch wilden Fahradfahrern ausweichen muss. Himmlisch! Nichts gegen Hunde, aber hier in Berlin – nee. Als Erstes möchten wir von der Parkeisenbahn ins Parkinnere gebracht werden. Sonne pur auf der Bank. Doch leider ist der kleine Zug gerammelt voll mit grimmigen Altchen, die auch wirklich keinen Zentimeter rücken wollen. Okay, wir laufen. Soll ja gesund sein, selbst für muffige Zehnjährige.
Vorbei an den Schäfchen, die eifrig mit Eicheln gefüttert werden (nicht von uns) kommen wir zu einer Drachen-Bastelstelle. Prima Idee, denkt die Mutter. Keine Lust, denkt der Sohn. Gut, weiter durch einen winzigen, verwunschenen Wald. Allmählich entspannen wir uns, der Großstadtmief fällt ab. Weiter hinten die Esel in ihrem Gehege werden kurz begrüßt und gestreichelt. Die Ziegen und Enten nur beäugt. Dann gelangen wir zum Wasserspielplatz, ein echtes Highlight für Inhaber von Fünfjährigen mit Wasserliebe. Wir setzen uns nach Verzehr eines Germknödels mit Vanillesoße und Mohn mit Pflaumenfüllung im Knödel auf eine der Schleusen. Erste Lesepause; bloß nicht spielen … Obwohl der grimmige Zehnjährige nicht umhin kann, zwischendurch auch ein paar Schleusen zu testen, seine Schuhe auszuziehen und mit Wasser zu benetzen und überhaupt sich langsam wie ein Kind zu benehmen. Nichts dagegen!
Nächste Station: Der riesige Hügel, von dem aus die Drachen gestartet werden. Die Sonne leuchtet spätsommerlich, überall liegt man im Gras, wir dann auch, Gelächter und Rufen … Unten der See ist zu sehen, einige Drachen fliegen sogar, und wir lesen, bis sich die Jugend dazu entschließt, den Hügel wieder und wieder runterzurollen. Ich soll auch mal, und widerstrebend gebe ich nach. Mir ist dann ziemlich übel, aber – hat was! Wann habe ich das zum letzten Mal gemacht? Vor dreißig Jahren?? Oh oh … Wir bleiben eine ganze Weile und ziehen dann weiter zum „Wasserfall„. Ja, hier in Berlin haben wir einen eisigen Bach, der aus der Felswand stürzt, an großen Steinen vorbei bergab. Die Steine verlocken natürlich zum Springen, und wir fallen nicht mal rein! Todesmutig der abenteuergewohnte zehnjährige Held, der die tosenden Fluten überspringt. Die Mutter nimmt dann doch lieber die sichereren Steine weiter unten … an der Brücke machen wir uns wieder einmal auf Flusskrebssuche. Erst sehen wir nur einzelne rote Beine am Ufer (die Krähen schnappen sich diese Leckerbissen aus dem Wasser), dann sehen wir den ersten lebendigen, und es werden immer mehr! Einer hockt am Ufer, ein großen Viech, und als wir uns entzückt nähern, reckt er die Zangen hoch, wow, furchterregend! Der stahlharte Knabe, Naturbursche durch und durch, schnappt sich gekonnt einen Krebs, will ihn ja soo gerne mitnehmen als Haustier! Aber Mütter sind grausam: Nein. Das rote Tier wird wieder liebevoll ins Wasser gesetzt.
Langsam wird es Abend, das Septemberlicht ist unbeschreiblich. Die Leute werden weniger und wir sind oft völlig allein. Am Bach, im Wäldchen … ich halte Ausschau nach einem der Füchse, die wir hier schon gesichtet haben, aber heute zeigt sich keiner, nur ein Eichhörnchen mit Eichel im Mund. (Maul klingt mir zu grob für dieses Gesicht). Die Jugend hat noch gar keine Lust, nach Hause zu fahren, aber es ist bald sieben, und so verlassen wir schließlich müde und zufrieden den Park. Auch das gibt es in Berlin: Natur. Schön.