Archiv für die Kategorie 'Alltag'

Rituale

Dienstag, 02. Januar 2007

So, jetzt bin ich also wieder in Berlin. Wie ist das? Ich wate in Neukölln durch ein rotes Gematsche, eklige Reste von Böllern und Raketen. Und wieder bin ich froh, nicht hier gewesen zu sein. Warum muss man den Jahreswechsel eigentlich laut und schmutzig begehen? Mit fällt eine Silvesternacht in Dänemark ein, wo Glockenläuten und Gesänge die einzigen Geräusche um Mitternacht waren. Oder in Japan: Ich ging zu einem der vielen Tempel und lauschte auf den Klang der riesigen Glocke. Kein Geschreie, kein Geknalle. Traumhaft. Vielleicht ein kleiner Glücksbringer aus einem Schrein, freundliche Gesichter überall.

Ach, Fernweh!

Feuerchen

Dienstag, 19. Dezember 2006

Neulich in der U6, Stadtmitte, wo alles ein bisschen edler ist als anderswo: Ein Mann betritt den Wagen, der offensichtlich mehr Zeit seines Lebens an der frischen Luft als zwischen vier Wänden zubringt. Dicker Pulli, strubbelige Haare, großer Rucksack. Er setzt sich. Mit einem Mal breitet sich der Geruch von Feuer in der U-Bahn aus. Die Leute um mich herum werden unruhig, geraten in Panik, sehen sich um, diskutieren, greifen nach dem Handy. An der nächsten Haltestelle steigen die meisten aus. Der Mann bleibt. Ich auch. Ich schließe die Augen und rieche: Ein Lagerfeuerchen draußen am Wald. Dicke Holzscheite, die langsam runterbrennen. Ein Würstchen, das in die Glut gehalten wird. Abenteuer und Freiheit! All diese Düfte haften an dem Fremden. Gut, dass meine Nase so etwas noch kennengelernt hat.
Ich lächle.

sie sind überall …

Dienstag, 19. Dezember 2006

Dies ist eine Warnung. Achtung: Wer das liest, ist vielleicht schon in Berührung gekommen mit ihnen. Vielleicht schon infiziert? Achtung! Unter uns sind Menschen, die durch ein Alienvirus verändert wurden. Gefahr für die gesamte Erde!

Ich habe sie entdeckt, darum kann ich nicht sicher sagen, wie lange ich noch diese Botschaft in die Welt senden kann. Sehen Sie sich vor! Und sehen Sie sich um: Die mutierten Menschen sind an einem starren, leblosen Blick zu erkennen. Und das Wichtigste: Sie tragen entweder einen Regenschirm oder eine Zigarette bei sich. Andere Waffen werden gerade entwickelt. Heißer Kaffee wurde gestern Morgen erfolgreich getestet.

Eine wirkungsvolle Methode ist es, auf einer vollen S-Bahn-Treppe den Schirm so zu tragen, dass die Spitze in Augenhöhe des Hintermannes (der Hinterfrau) ist. Dann mit energischen Schritt nach oben gehen: Der Rest läuft wie von allein. Die mit dem Alienvirus infizierte Schirmspitze wird garantiert jemanden treffen, wenn sie rhythmisch nach hinten gestoßen wird. Zur Rede gestellt, wird der Täter sich mit Arglosigkeit rausreden. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken! Wenn man dem Nichterdling auf den Kopf zusagt, dass er ein Alien ist, so verschwindet er augenblicklich!
Dasselbe mit einer brennenden Zigarette. Die typische Alien-Haltung ist leicht abgespreizt vom eigenen Körper, sodass sie garantiert einen Menschen ankokelt, ein Löchlein in eine Jacke brennt oder die Haare eines Kindes verfärbt. Auch hier ist der leblose Blick dabei das Erkennungszeichen! Die Glut ist eine umgewandelte Form des Alienvirus. Nicht täuschen lassen, es sind keine harmlosen Passanten, die sich so verhalten!

Die besonders heimtückische Methode des Kaffeeverschüttens könnte eventuell von der BVG unterbunden werden, da diese für Schäden in den Bahnen haftet. Wenn also meine wichtigen Dokumente mit kaffeegetränktem Alienvirus versaut sind, kann ich mich dort beschweren. Allerdings ist es dann auch schon zu spät und ich gehöre auch dazu … Also: Vorsicht, wenn jemand die S-Bahn mit einem offenen, schwappenden Becher heißen Kaffees betritt. Die Typen mit dem geschlossenen Becher sind in Ordnung, keine Sorge! Der Alienkaffee aber brennt sich säureähnlich in Kleidungsstücke, Taschen und Papiere und verwandelt den Besitzer sofort. Dessen erste Reaktion wird sein: Ich will auch so einen Kaffee. Und damit gehts los.

Achtung. Sie sind unter uns. Und es werden immer mehr. Seien Sie wachsam! Sonst gehören Sie schon bald dazu.

… und sonntags in die Kirche!

Sonntag, 17. Dezember 2006

Heute mal wieder das Kontrastprogramm der ganz besonderen Art: Sonntagmorgen von Neukölln nach Dahlem. (Mein Chor hat versprochen, heute den Gottesdienst einer Gemeinde zu begleiten. Okay …) Im heimatlichen Neukölln sind eher Leute unterwegs, die noch wach zu sein scheinen. Anders im edlen Dahlem: Hier ist man schon bereit für einen besinnlichen Adventsgottesdienst, sauber, im guten Mantel.

An dieser Stelle will ich den Autoren des „Salbaders“ ganz herzlich für ihre erfrischenden und geistreichen Texte danken. Habe einen sehr vergnüglichen Vormittag verlebt.

Höhepunkt das Abendmal: Nachdem man das Blut Jesu getrunken hat, reicht sich der Kreis der Teilnehmer die Hände und blickt sich strahlend in die Augen. Der Pfarrer fordert alle auf, ihre gerade erworbende Heiligkeit hinauszutragen in die Welt, um andere daran teilhaben zu lassen.

Danach, vor der Kirche: Die Freude in meinen Augen könnte missverstanden werden. So mancher ist erbaut und erfrischt. Ich darf wieder nach Hause!

In Neukölln empfängt mich gleich hinterm S-Bahnhof der Flohmarkt und ein „Salam Aleikum“ rechts von mir. Ich bin daheim! Froh kaufe ich einem netten Türken ein Paar dicke Wollsocken für meinen lieben Mann ab. Als ich den Händler nach dem Preis frage, zögert er erst kurz und nennt dann einen wirklich christlich-niedrigen. Danke!

Geburtstagssträußchen für Karin!

Samstag, 16. Dezember 2006

Geburtstagsstrauß für Karin

Noch eine Stunde, dann haben wir den 17. Dezember …

Alles Liebe!

Shopping

Samstag, 16. Dezember 2006

Alle tun es. Und jetzt, eine Woche vor Weihnachten, mehr denn je. Aber keiner sieht dabei glücklich aus, nö. Ich sehe gehetzte Gesichter und ich höre gereizte Mütter, die ihre Kinder zusammenstauchen. Viele Männer bleiben zu Hause oder lehnen sich im Laden zurück, während sie ihrer Frau Ratschläge geben.

Ich verzichte heute mal auf die geplante Kauforgie. Geschenke??
Och, das ergibt sich.