22. Januar 2007 um 15:45 Uhr
Eins ist klar: Eine geltende Rechtschreibung ist kein Gesetz, an das man sich halten muss! Es sei denn, man sitzt auf einem Amt und hat seine Bestimmungen. Oder man ist Lehrer oder Schüler. Ich sehe manchmal, wie jemand immer ein “Ü” durch ein “Y” ersetzt. Das finde ich originell und nett! Eine Guillotine wartet also auf niemanden, der sich nicht an die Regeln hält. Was aber die aktuelle Rechtschreibung anbetrifft, so treffe ich ständig Leute, die überrascht fragen: Ach, man schreibt jetzt “wie viel“, “im Voraus” oder “Abschluss“? Ja, tut man. Viele meinen: “Och nö, ich hab das anders gelernt, dabei bleibe ich.” Da tauchen dann immer noch uralte Formen wie “für’s” oder “in’s” auf, die vor dreißig Jahren schon abgeschafft wurden. Und je mehr darüber diskutiert wird, je mehr diese Themen überhaupt ins Bewusstsein vieler Menschen rücken, desto mehr Fehler verbreiten sich. Jetzt ist es schon in der Werbung üblich, die Leute mit “Was willst Du?” anzureden, obwohl hier nicht mal die alte Briefregelung gilt! Lästig. Auch “Straße” sehe ich immer mehr mit zwei “s”, weil so eine Art Wahn um sich greift. Ein Grund dafür ist: Keiner hat Lust, sich noch mal hinzusetzen und sich die aktuellen Regeln reinzuziehen. Zu anstrengend. Die Schule ist schließlich vorbei. Da wird dann eben irgendwas aufgeschnappt und etwas nie gehört, obwohl es jetzt Norm ist.
Schade irgendwie. Vielleicht kehrt ja in dreißig Jahren wieder Ruhe ein, wenn die jetzigen Schulkinder groß sind und ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen.
um 09:53 Uhr
Mal wieder was ganz anderes: Meerschweinchen sind gesellige Rudeltiere! Die wollen nicht allein in einem Käfig vor sich hin dämmern; und sie warten auch nicht darauf, von einem gütigen Menschen zweimal am Tag gestreichelt zu werden. Nein! Zusammen gurren und kuscheln und sich ums Futter streiten und gemeinsam ein Zimmer durchhoppeln, das ist ihr Ding. Ende der Kurzdurchsage.
20. Januar 2007 um 09:54 Uhr
Manchmal hat eine Schreibweise auch etwas mit dem eigenen Gefühl zu tun, ganz klar. Nehmen wir zum Beispiel einen Brief: Als vor zehn Jahren beschlossen wurde, “du” und “dein” und “dir” solle jetzt kleingeschrieben werden, fand ich das richtig gut. Habe ich auch sofort übernommen und mich sehr schnell daran gewöhnt. Nur ganz selten, in Briefen an irgendeine Tante Emma etwa, da zögerte ich kurz: Was sie wohl denkt? Allerdings sollte Tante Emma inzwischen wissen, dass ich Deutschlehrerin bin und daher ab und zu anders schreibe, als sie es gewöhnt ist.
Wenn ich heute eine Mail bekomme (Briefe schreibt man ja nicht mehr) , in der “du” großgeschrieben ist, dann denke ich: Ach, das gibts auch noch. Oder: Warum so förmlich? Ich finde jedenfalls, dass durch respektvolle Höflichkeit viel von der natürlichen Nähe verloren gehen kann. Schade irgendwie. Heute ist es übrigens dem Schreiber wieder freigestellt, ob er “du” oder “Du” im Brief schreibt. Ich bleibe bei “du”. (Gut, dass ich gar keine Tante Emma habe, die sich darüber echauffieren könnte.)
Aber wenn mir jemand schreiben will und in Zukunft zögert, wie er/sie schreiben soll: Ist schon okay. Ich weiß ja, wie’s gemeint ist.
18. Januar 2007 um 17:23 Uhr
Vielleicht brauchen die Leute in dieser durchorganisierten Welt ab und zu einen Sturm. Berlin bebt! Es ist eine fast greifbare Spannung in der S-Bahn, die U-Bahn ist natürlich ruhiger, weil der Bezug zur Natur fehlt. Warnung im Fernsehen: Bleiben Sie zu Hause! Ich halte mich auf dem Heimweg eher in Hausnähe, nachdem ich auf einem freien Platz fast das Gleichgewicht verloren habe. So ungewohnt! Auch die Panik in den Firmen und Schulen: Sie schließen, Kinder werden nach Hause geschickt … spannend. Wir sind viel zu sehr daran gewöhnt, dass uns von der Natur nichts droht. Der Mensch hat ja alles unter Kontrolle! Das wird langsam wieder anders, wie wir heute sehen können. Gut so.
17. Januar 2007 um 10:45 Uhr
Manchmal kann ich mich in der S-Bahn einfach nicht auf meine Lektüre konzentrieren. Gestern zum Beispiel. Da drangen folgende Satzfetzen an mein Ohr:
- Und wenn de mal im Knast gewesen bist, dann weeste Bescheid, sag ich dir. So’n Geldtransporter, det wärs. Würdest du einen Transporter mit saangwa 150 Millionen Euro überfallen?
- Hm.
- Da brauchste dann Plastiksprengstoff, det jet dann.
- Nächster Halt: Tempelhof. Anschluss …
- Im Knast, da haste keen Tageslicht, bloß mal Hofgang. Fernsehn gabs ooch nich. Die Wärter ham gesagt, des is schließlich kein Hotel. (Nimmt einen Schluck aus der Bierflasche)
- Ja, so …
- Aber in der Küche, da ham wa Obst kleingeschnippelt und literweise Orangensaft reingekippt. Und denne mit Brot Hefe anjesetzt, det gibt ooch Alkohol. (Schluck aus der Pulle)
- Aha?
- … und det hat der nicht vertragn und die janze Küche vollgekotzt.
- Passengers travelling to Tempelhof Airport please change here …
um 10:32 Uhr
Super: Es reicht offensichtlich, wenn man mit diesen Maschinen einmal über den Bürgersteig fährt und den ganzen Dreck zur Seite schaufelt. So entsteht etwa in der Mitte meines Weges die absolute Ekelzone, der man dann rechts oder links ausweichen muss. Wer sich das womöglich näher ansieht, hat für den Rest des Tages keinen Appetit mehr. Kinder allerdings halten es für besonders erstrebenswert, genau durch diesen schön sichtbaren Streifen zu waten! Danke. Dann doch lieber die Haufen am Rand.
16. Januar 2007 um 11:33 Uhr
Und wer den heutigen Fernsehabend noch nicht ganz verplant hat, kann ja mal einen Blick auf diesen launigen Spiegelartikel werfen und sich danach entscheiden. Gut geschrieben!
um 09:22 Uhr
Er wusste, es gab keinen Ausweg. Er musste es tun. Es stank ihm gewaltig, aber gegen dicke Luft gibt es Maßnahmen. Noch zwei Schritte. Ein Griff. Gegen das entsetzliche Geschrei halfen ihm Ohrenstöpsel. Bald würde auch der unerträgliche Gestank Vergangenheit sein. Auch wenn ihn jetzt noch Füße traten! Mit diesem Schmerz konnte er umgehen.
Brösi schnappte sich wütend eine der Windeln und hielt sich die Nase zu, als er das schreiende Gör freilegte. Nie wieder Babysittern für seine Schwester!
um 09:07 Uhr
Was ich ganz nett finde, ist so ein “Kürzestroman” oder eine “Kürzestgeschichte”, die alles Wesentliche in etwa drei Sätzen auf den Punkt bringt – und dann noch womöglich witzig und spannend ist! Gabs da nicht früher immer sowas in einer bekannten Zeitschrift, auf der Witzseite? Ewig nicht gelesen.
Also nicht wundern, wenn hier demnächst etwas in der Art auftaucht! Ist doch auch eine sprachliche Herausforderung: Fast alles weglassen.