Archiv für die Kategorie 'Alltag'

Quasimodo in Berlin

Freitag, 18. Mai 2007

Ein ganz normaler Freitagnachmittag in Kreuzberg (ups, ja, ich habe mich über Neuköllns Grenzen gewagt!). Am Urbanhafen, das ist der Landwehrkanal direkt hinterm Urbankrankenhaus, da räkelt sich das Volk auf der Wiese. Man ist froh über die Sonnenstrahlen, auch wenn man nicht gerade ins Schwitzen gerät. Pärchen knutschen; Kranke genießen die Luft in Hauspantoffeln und Bademantel, viele mit der obligatorischen Zigarette in der Hand. Türkische Großfamilien führen die Patienten der Familie aus, während sich ihre Kleinsten prügeln. Und durch das Gewimmel auf dem Spazierweg schlängeln sich blitzschnell noch die Fahrräder. Auch winzige Laufräder mit ihren zweijährigen Bezwingern sind schon schwankend dabei. Keiner beachtet sonderlich die anderen in diesem bunten Mix, keiner fällt auf. Keiner? Doch, einer. Ein einsamer Wanderer zwängt sich durch die Ansammlungen. Seine Füße seltsam nach außen verdreht, als könne er sie nicht richtig kontrollieren. Deshalb humpelt er, und das mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Allerdings im Zickzack, sodass es immer wieder Fast-Zusammenstöße gibt. Er gibt bedrohlich wirkende Grunzlaute von sich: ein riesiger Farbiger. Was mag mit ihm los sein? Misshandlung im Heimatland? Probleme von Geburt an? Die Spaziergänger weichen ihm erschreckt aus. Eine Mutter zerrt ihr Kind zurück. Eine Frau murrt zunächst, als sie von dem Hühnen fast überrannt wird. Dann beruhigt sie sich, nachdem ihre Begleiterin sie auf seine Behinderung hingewiesen hat. Da ich eine Weile hinter ihm gehe, (gehen muss, er ist fast zu schnell zum Überholen!), sehe ich die Augen der Entgegenkommenden: Entsetzen, Abscheu, Verwirrung.
Was würde passieren, wenn er jetzt hinfiele? Irgendeinen Anfall hätte? Wahrscheinlich würden auch dann noch alle versuchen, einen Sicherheitsabstand zu wahren. Wie damals beim Glöckner, geht mir durch den Kopf.

Ich schaffe es schließlich doch, ihn zu überholen.

Geisterbahn

Donnerstag, 17. Mai 2007

Manchmal habe ich unterwegs echt das Gefühl, in einer Geisterbahn zu sitzen: Wenn sich diese unglaublich dicke deutsche Mami mit ihrem Kinderwagen und Söhnchen in der U-Bahn so vor die Tür platziert, dass an ein Ein- oder Aussteigen für andere Personen durch diese Tür nicht mehr zu denken ist. Pausenlos fragt sie ihren (türkischen) Freund/Mann, wie viele Stationen sie noch fahren, und es scheinen noch viele zu sein, denn er murmelt muffig etwas von „zwanzisch“, hat keine Lust, sich näher mit dem Thema zu befassen. Alle anderen Fahrgäste nehmen die anderen Türen und klettern mühsam über Beine und Koffer. Man ist ja hart im Nehmen hier.
Oder gestern, in meiner geliebten Ringbahn. Es gibt Leute (insbesondere Frauen), denen es eine besondere Lust zu bereiten scheint, ihre intimsten Streitereien vor allen auszubreiten. Lautstark.
Er: Ich will jetzt endlich (murmel), verdammt.
Sie: Det jeht dich gar nüscht an, det is mein Körper!
Er: (Grummel, brummel)
Sie: Scheiße, ick lass det nicht wechmachn, det is meine Sache.
Er: (Hm, grummel)
Sie: Sowatt is auchn gefährlicha Eingriff, det lass ich nich machn …
Er: (Gurgel murmel)
Sie: Hättste ma bessa uffjepasst, Idiot.

Na viel Spaß noch, Leute.

Aprilblüten

Samstag, 07. April 2007

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Zeitungsabo

Dienstag, 13. März 2007

Wenn man eine Berliner Tageszeitung lesen will, kann man zu einem Kiosk gehen und sich eine kaufen. Kann man.
Oder man lässt sich auf das Spielchen ein: Wer schafft wen?
Zum Beispiel am Zoo. Man steige aus der U-Bahn, gehe eine Treppe rauf und warte. Zurzeit sind sie wieder fast täglich anzutreffen, die liebenswürdigen Zeitungsverschenker. Aber man muss sich ihnen zu entwinden wissen! Also: Nicht zu schnell vorbeihetzen. Und nicht zu langsam! Man bekommt mit einem charmanten Lächeln eine Zeitung in die Hand gedrückt und das könnte es dann gewesen sein. Nix da! Jetzt beginnt das Spiel. „Darf ich Sie fragen – wohnen Sie in Berlin?“ Die Kunst ist es, nicht zu lügen („Noi, bin Turischt“ wäre ja langweilig) und trotzdem heil aus der Sache rauskommen. ‚Heil‘ heißt hier: Ohne zweiwöchiges Probeabo. Was wiederum ewige Anrufe nach sich zieht – wie siehts denn nu aus mit dem richtigen Abo, na los, das bringts doch, was haben Sie denn gegen unsere Zeitung, Sie wollen doch ein gebildeter Mensch sein, laberfasel. Das will doch wohl keiner.
Also muss das Spielchen schnell und munter ablaufen, man will sich ja auch nicht den Tag versauen. „Klar wohne ich in Berlin. Danke noch für die Zeitung, habs leider eilig!!“ ist eine erfolgreiche Variante. Oder aber man verspricht ganz ernst, sich die Zeitung mal anzusehen und darüber nachzudenken …
Richtig fies wird es, wenn der Zeitungsaboandreher die gequälte Tour einschlägt: „Hören Sie, das kostet Sie doch nichts, zwei Wochen die Zeitung frei ins Haus! Und ich brauch diesen Job, sehen Sie, wenn ich nicht genug Abos abliefere …“. Fies, sage ich da nur. Von dem nehme ich dann nie wieder eine Zeitung. Selber schuld.

Peng!

Montag, 12. März 2007

Manchmal muss ich die nächtliche Karl-Marx-Straße entlang gehen und mich über seltsame Typen wundern. Nö, nicht dass man mich belästigen würde. Die krakeelen eher Unflätiges zu dem Polizeieinsatzwagen, der in der Flughafenstraße parkt und wieder andere Gestalten beobachtet. Urgemütlich, die Gegend, vor allem am Wochenende abends.
Gestern hatte ich es etwas eilig, als mir ein Typ entgegen kam und plötzlich „Peng!“ sagte.

Wie jetzt, peng?? Ja wo simmer denn, dass ich schon verbal erschossen werde? Finde ich oberdreist! Wenn schon, dann doch bitte eine traditionelle Wumme oder sowas. Nicht einfach „Peng“! Ich wäre ja gerne stehen geblieben und hätte ihn auf sein seltsames Verhalten angesprochen, man kann ja über alles reden. Vielleicht hatte er einen frühkindlichen Kummer („und die anderen durften immer Cowboy spielen, bloß ich nicht!“). Aber irgendwie war meine Lust darauf dann doch nicht soo groß.

Außerdem hatte ichs ja eilig.

Knut

Dienstag, 06. März 2007

Worüber ich heute schon gegrinst habe: Hier der Text.